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Schreiner Michi –
Münchner Marke und Markenzeichen

Eine Kindheit in kurzen Lederhosen – Sommer wie Winter

Kurze Lederhosen im Sommer wie im Winter (da immerhin mit langen Strümpfen).
17 Kilometer hin zur Schule und 17 Kilometer zurück bei jedem Wetter mit dem Fahrrad. Fernseher gibt’s in der ganzen Nachbarschaft nur einen, da darf man, wenn man einen Stuhl mitbringt und ruhig und brav sitzt, mal Lassie anschauen.

Aber auch Lungenbraten mit böhmischen Serviettenknödel von der Oma aus dem
Sudetenland. Baumburgen bauen im Wald (bahnt sich da bereits die Leidenschaft des Schreiners den Weg?). Die Mutter „eine sehr elegante Frau“, die den jungen Michi ganz allein groß zieht, er hat eine schöne Kindheit gehabt, voller Freiheit, allerdings war er auch oft
einsam, den die Mutter arbeitet hart, um sich und ihre beiden Buben durch die schwere Zeit nach dem Krieg zu bringen.
Kindheit heute und gestern. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Kein Computer, kein
Internet, kein Handy, kein Fernsehen rund um die Uhr. Michael Behrens: „Der erste eigene Fernseher der Familie kam, als ich 14 Jahre alt war. Der Fernseher war im Fernsehschrank verschlossen. Da durfte man nur ab und zu mal am Nachmittag schauen. Das war etwas ganz Besonderes!“ Keine Markenklamotten, jede Mark zweimal umgedreht, Schmalhans war Küchenmeister. Michael Behrens weiß ein Lied davon zu singen – aber trotz dieser tatsächlichen und scheinbaren Mängel und Entbehrungen ist es ein fröhliches Lied.
Mutter Siglinde Behrens flüchtet aus dem schönen Sudetenland, bekommt aufgrund ihrer Fremdsprachenbegabung einen Job im Lufttransportgeschwader 61/Verwaltung. Sie lernt einen feschen Amerikaner kennen, verliebt sich, Michi kommt am 5. Februar 1953 in München in der Maistraße auf die Welt. Die Liebe war flüchtig, der Amerikaner verflüchtigte sich, Siglinde Behrens stand allein da mit ihren zwei Buben - Michaels Halbbruder ist viereinhalb Jahre älter. Die Jungs wuchsen ohne Vater auf. Michael Behrens: „Damals war das nicht so wie heute, da zeigten die Leute mit erhobenen Fingern auf so eine Frau, das war eine nicht seriöse Dame.“ Und so erlebte Michi Ausgrenzung und Alleinsein. Das war eine harte Erfahrung für den kleinen Buben, aber alles im Leben hat ja auch eine gute Seite, Michi lernte sich durchzuboxen, den Menschen zu beweisen, dass er wer ist. Michael Behrens: „Die Ausgrenzungen waren in der Schulzeit besonders schlimm, da hänselten sie mich, denn Ottobrunn war ja noch ein Dorf zu dieser Zeit.“ Sein Trost und liebster Spielplatz war der Wald, die Natur. Er baut Baumburgen, Höhlen, Kletteranlagen in allen Variationen. Michael Behrens: „Am schönsten war es einen Weidenbaum zu finden, ich habe dann einen Flitzebogen geschnitzt und bin durch die Wälder gestreift, frei wie der Wind.“
Die Mutter reagiert auf seine Schwierigkeiten in der Schule und meldet ihren Sohn in München in die Grundschule beim Ostbahnhof an. Schon besser, aber nun muss der Michi tagtäglich
17 Kilometer hin und zurück mit dem Radl bewältigen. Man muss sparen, die Bahnkarte kostet. In München fühlt sich Michi sehr wohl, erforschte das Deutsche Museum, und schaut mit großen Augen beim Bayerischen Hof vorbei, „beobachtete dort die Prominenten und reichen Gäste.“ Und sagte sich: „Ich schaff’s auch!“ Er ist ein Rechengenie, aber in Deutsch tut er sich schwer. Er wird auch dafür gehänselt und muss sich durchbeißen. Damals war Legasthenie den meisten Lehrern ein Fremdwort und dass man etwas dagegen unternehmen konnte, erst recht.
Doch wo Schatten ist, da gibt es auch Licht. Zum Beispiel zieht im Nachbarhaus ein Major mit Tochter Karin ein (die Familie von Michi wohnt jetzt in der Bundeswehrsiedlung in der Lehnbachallee). Michael Behrens: „War ein bildhübsches Mädel, wir verstanden uns super. Um ihr eine Freude zu machen, fuhr ich in der Früh zu ihr, hab’ ihren Schulranzen aufs Rad geschnallt und ging mit ihr zum Zug. Der Zug fuhr ab, ich radelte ganz schnell los und passte sie bei der Ankunft wieder am Zug ab und fuhr den Schulranzen mit ihr in die Schule.“ Überhaupt hat der kleine Michi beim anderen Geschlecht einen Stein im Brett. Michael Behrens: „In die St. Magdalena Kirche ging ich sonntags um 9 Uhr, um 10.30 und um
11.30 Uhr, jedes Mal mit einem anderem Mädl. Und um 11.30 Uhr konnte ich die Predigt dann schon auswendig. In der Schule bekam ich großes Lob vom Pfarrer, nehmt euch ein Beispiel am Michi, der geht am Sonntag drei Mal in die Kirche!“
Als 14-Jähriger bewarb er sich mit Unterstützung seiner Mutter im Hotel Petershof als Liftboy, sie nahmen ihn aber nicht, weil er zu groß gewachsen war. Zu seinem Glück. Er begann er in Ottobrunn bei einem Schreiner seine Ausbildung und hatte seinen Beruf und seine Berufung gefunden. 60 Mark verdiente er, mit 17 zog er in seine erste eigene Wohnung. Die Miete war relativ hoch, also vermietete er seine Zimmer unter. Stolze 21 mal zog der Schreiner Michi um und jedes Mal renovierte er die Wohnungen von der Pike auf, hinterließ der jetzige Schreinermeister bereits seine eindeutige Handschrift.
FORTSETZUNG folgt

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Zu weit in einer Wohngemeinschaft
„Wir haben nur gelebt!“

Michael Behrens bzw. Schreiner Michi beginnt in Ottobrunn bei einem Schreiner seine Ausbildung und hatte seinen Beruf und seine Berufung gefunden. Doch das erkennt er da noch nicht. Im Gegenteil. Seine Mutter sagt, wie wahrscheinlich alle Eltern nicht nur in dieser Zeit, sondern zu allen Zeiten (und nicht besonders aufbauend): „Lehrjahre sind keine Herrenjahre!“
Michi: „Ich absolvierte drei Jahre Lehre, damals bekam man für das 1. Lehrjahr bei einer
42 Stundenwoche 40 Mark, im 2. Lehrjahr 50 Mark und für das 3. Lehrjahr 60 Mark. In der Schreinerei war ich einzigster Lehrbub zusammen mit 12 Gesellen.“ Und muss um Anerkennung kämpfen. Michi: „Bei 12 Gesellen und ich als einziger Lehrbua kann man sich vorstellen, wie die mich drangsaliert haben. Damit ich in ihrer Achtung wachsen konnte, dachte ich mir, wir standen vor einer Heizperiode, damit die Räume schön warm waren, wenn die Gesellen und der Schreinermeister um 7 Uhr in die Werkstatt kommen, bin ich schon um 4 Uhr, durch den tiefen Schnee stapfend, in die Schreinerei gegangen. Dort heizte ich den Werkstattofen ein und schippte den schweren Schnee von der Einfahrt. Ich wusste, das könnte klappen. Das tat es dann auch.“ Damit ist die Lehre gegessen, er absolviert erfolgreich seinen Abschluss als Schreinergeselle. Michi: „Mit siebenzehn Jahren als jüngster Geselle verdiente ich damals
800 Mark, dann suchte ich mir eine neue Schreinerwerkstätte, ich war begierig, mehr zu lernen. Mein Ziel: Ich werde Schreinermeister.“ Doch die Bundeswehr machte ihm da erst einmal einen Strich durch die Rechnung.
Michi: „Ein Freund erzählte mir, schluck einfach Oliven mit Kernen, dann röntgen sie dich und denken, du hast ein Magengeschwür. Das klappte tatsächlich. Ich war auf der Warteliste. Mit 17 Jahren mietete ich in der Fasanengartenstraße alleine meine Wohnung, alles vor der Bundeswehr. Nach zwei verschiedenen Arbeitgeberin in Schreinereien hatte ich mir überlegt, jetzt mache ich mal eine Pause. Nach der Pause gründete ich meine eigene Schreinerei. Da bekam ich den Auftrag, für ein Autohaus in Ottobrunn einen Schrank zu bauen. Das tat ich auch. Als Lohn bekam ich einen türkisblauen Opel Kadett.“ Mit dem fuhr er 1970 in seinen ersten Urlaub in die Türkei nach Istanbul – mit der Freundin das Leben (und die Liebe) genießen! Michi: „Mit 19 Jahren bin ich nach Schottland wegen einem Fußballspiel geflogen, Hund sama scho ...“ Die Zukunft schaut rosig aus. Doch die Bundeswehr hat ihn nicht vergessen. Michi: „Dann kam der Tag, an dem mich die Feldjäger suchten. Am 2.1.1971 kamen die Feldjäger in die Schreinerei und verhafteten mich. Da hatte ich meinen Opel
Kadett. Ich versuchte denselben Trick, um dem Barras zu entgehen. Ab ins Bundeswehrlazarett Amberg wegen Verdacht Magengeschwür. Aber leider gab es dann dort keine Olivenkerne, so dass ich nach Roth bei Nürnberg zur Grundausbildung kam.“ Nach der Grundausbildung wird er 1973 als Tankwartspezialist nach Erding versetzt. Michi: „Mit Eintritt in die Bundeswehr wurden die Haare kurz, dafür wuchs der Bart!“
15 Monate ist er bei der Bundeswehr. Den Opel Kadett verkauft er und besorgt sich einen schwarzen Mercedes. Mit dem fährt er zum Dienst. Michi: „Da staunten die hohen Herren nicht schlecht!“ Nicht nur wegen seiner zweiten Liebe gefällt es ihm in Erding. Michi: „Beim Barras hat mir die Tankstellengeschichte viel Spaß gemacht. Da gibt es eine nette Episode. Weil ich relativ früh mit meinem Job dort fertig war, legte ich mich einmal auf einen parkenden Lastwagen, oben in die Dachplane. Da es ein heißer Sommertag war, zog ich mich komplett aus und sonnte mich wie mich Gott schuf.“ Er schläft ein. Michi: „Plötzlich wachte ich auf, hielt mich an den Seitenstangen fest, stellte voller Schrecken fest, der LKW fuhr. Meine Kleidung wachelte es von der Plane. Der LKW fuhr 20 Kilometer weit in die Steinkaserne, dort schaute ein Oberster aus dem Fenster und sah mich, rief zu mir: Was machst denn du da nackt? Ich sagte, hab den LKW geputzt, weil es in Erding so heiß ist.“ Drei Wochen UVD folgen, 250 Mark Strafe und er muss sich eine neue Uniform kaufen.
Dann die Geschichte mit der Gummipuppe des Gefreiten Behrens. Michi: „Ich musste Wache schieben, ganz spontan, damals gab es kein Handy, damit ich meine Liebste darüber informieren konnte. Ich überlegte krampfhaft, was ich machen sollte. Ich nahm die Gummipuppe meines Freundes aus dem Spind. Schnell blies ich sie auf, zog ihr meine Uniform an, setzte sie auf meinen Platz und ab zu meiner Freundin.“ Alles klappt wunderbar, keiner merkt etwas, er ist pünktlich wieder am Platz, verräumt die Puppe. Als die Kontrolle kommt, meldet der Gefreite Behrens, „keine besonderen Vorkommnisse!“. Michi: „Diese Geschichte erfuhren meine Kollegen, einer machte das gleiche, aber leider flog er auf. Er meinte dann, aber der Behrens hat das doch auch gemacht. Mist! schon wieder UVD!“
Nach der Bundeswehr will er unbedingt selbstständig sein. Er übernimmt eine alte Schreinerei am Gries 7 in Erding. Michi besucht die Meisterschule und schließt sie mit Erfolg ab. Michi: „Ich war dann der jüngste Jungschreinermeister mit 24 Jahren.“ Für seinen Erfolg gönnt er sich ein VW Käfer Cabrio und sucht sich in Schwabing eine Wohnung. 1975 zieht er mit seinem Kumpel Franz und Wolfgang in eine Wohngemeinschaft in der Heinrich-Wielandstraße 69. Michi: „Wir verstanden uns prächtig. Wir haben nur gelebt!“ Wolfgang gibt ihm den Tipp, in der Werbegesellschaft für Fernsehen und Werbungsproduktion als Schreiner 1982 zu arbeiten. Dort ist er für den Werbespot „Clementine“ – Michi: „Sie trank gerne mal einen Jägermeister“ - für den gesamten Bühnen- und Szenenaufbau zuständig. Michi: „Die Bavaria warb mich dann ab, der Film „Die Reinheit des Herzens“ wurde gedreht, da war ich dann auch für die Schreinerarbeiten zuständig und lernte den Filmregisseur Rainer Werner Fassbinder kennen, ich wurde quasi zu seinem Ziehsohn ...“ Der Film Lili Marlene wurde abgedreht ...

FORTSETZUNG folgt

Michis Wohngemeinschaft
Michi auf dem Weg mit dem Welosolex nach Italien

Michis Wohngemeinschaft.

Michi auf dem Weg mit dem Welosolex nach Italien.

Bundeswehrsoldat Michi

Bundeswehrsoldat Michi.

Michis Bundeswehr Tankstelle

Michis Bundeswehr Tankstelle.

Michis Mercedes Benz während der Bundeswehrzeit Michi voller Lebenslust

Michis Mercedes Benz während der Bundeswehrzeit.

Michi voller Lebenslust.

Michi feiert seinen Meisterabschluss

Michi feiert seinen Meisterabschluss.

Michis Cabriolet Käfer - ein Traum geht in Erfüllung

Michis Cabriolet Käfer - ein Traum geht in Erfüllung.

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Dem Saufteufel von der Schippe gesprungen

Ganz langsam hatte es angefangen, mal da ein Glas, mal da ein Glas mehr,
und mehr ... seit seinem 15. Lebensjahr hatte der Saufteufel den Michi in den Klauen. Bloß dass er es nicht merkte, sondern die Klauen für einfühlsame Hände hielt.
Alkohol, das bedeutete viele Feste, viele Freunde und Wirtshäuser. Das Geld, das er verdiente, verschwand wie nichts durch Michis Kehle und trotzdem -
„grad schee wars!“
Der Saufteufel hatte Michi und seine Seele fest im Griff. Täglicher Alkoholexzess vertrieb die Freundinnen, Michi fühlte sich oft alleine und unverstanden. Das Geld reichte hinten und vorne nicht und um seinen Pegel halten zu können, wurden die Kneipen immer billiger. Dementsprechend dann auch das Publikum. Michi versackte immer mehr. Bis er Ende 1991 nach einem dreitägigen Gewaltrausch beschloss, Schluss jetzt, so geht es nicht weiter! Michi: „Kein Alkohol mehr, und das ohne fremde Hilfe, aus dem Kopf, aus dem freien Willen und meiner Kraft. In der Zeit hatte ich eine Freundin,ich wohnte in der Rumfordstraße, sie war Hausdame im Hotel Königshof. Im Fasching 1992 verstarb die Chefin und somit war der Arbeitsplatz meiner Freundin gekündigt und als Hausdame verlor sie ihr Hotelwohnrecht. Dadurch habe ich zum ersten Mal mit einer Frau zusammen gewohnt. Durch sie kam ich auch an den Hausarzt der Hotelbesitzerin, der als Prof. Dr. Eisenburg, genannt Leberpapst, mir empfohlen wurde. Er hatte Belegbetten bei den barmherzigen Brüdern am Rotkreuzplatz, da bin ich für eine 1,5 Woche ins Krankenhaus gegangen. Er untersuchte mich und stellte fest, das ich eine total vergrößerte Leber ( Fettleber) hatte und knapp vor einer Leberzirrhose stand. Bei der Entlassung sagte er, Michi, wir sehen uns in einem halben Jahr wieder, trocken, wenn ich ihm dann erzähle, dass ich nichts mehr trinke, er aber bei einem Tastbefund meiner Leber feststellen sollte, das ich doch getrunken hätte, dann bin ich bei ihm unten durch, dann brauch ich mich nicht mehr blicken lassen.“
Der Leberpapst sagte Michi aber auch, dass er ein wertvoller Mensch sei, eine starke Persönlichkeit habe, und dass er zur Verwirklichung seines Lebens keinen Alkohol brauche. Das bestärkte Michi in seiner Entscheidung. Sein Ziel: Überleben - und nicht seelisch und körperlich sterben! Michi war ein reiner Gesellschaftstrinker, er trank nie alleine zuhause, denn da schmeckte ihm das Bier und der Schnaps nicht. Sein Entzug begann. Und er war hart. Michi: „Wahnsinnig eiserne Disziplin und viel Arbeit. Schüttelfrost, kalte Einsamkeit, keine Freunde, alles tat mir körperlich wie seelisch weh. Einsamkeit und der Zweifel an meiner Persönlichkeit. Ich hatte keine ärztliche Hilfe im ersten halben Jahr.“ Aber ein Freund war ihm doch geblieben. Michi: „Franz unterstützte mich in meiner Entscheidung, da er keinen Spaß daran hatte, alleine zu trinken. Zu zweit schafften wir unseren Entzug und unseren Absprung vom Teufel Alkohol. Heute weiß ich, dass zum richtigen Moment die richtigen wahren Freunde Wunder bewirken können. Aufgrund des Hausumbaus vom Franz in Neubiberg waren wir jeden Tag zusammen und hielten zusammen.“ Und hielten zusammen durch.
Michi: „Und somit war das Durchhalten nicht mehr so schwer, denn Tag und Nacht arbeiten half sehr viel. Pünktlich ein Jahr später zur Wiesn war das Haus fast fertig bis zum Innenausbau.“ Auf zur Wiesn, erste Wiesn ohne Alkohol, und es ging gut. Michi: „Am letzten Wiesn-Sonntag zum Abschluss der Wiesn bin ich mit meinem Freund Franz ins Augustinerbierzelt gegangen, um das Wiesn-Ende zu feiern, ohne Alkohol. Wir saßen in der Augustinerbox beide Bauer Buam (Maibaumräuber). Neben mir war ein Platz frei. Dieser wurde gleich von einer sehr attraktiven Frau besetzt, alle begrüßten sie und kannten sie, doch ich kannte sie nicht. Im Laufe des Wiesn-Abends dämmerte es mir, diese Frau muss berühmt
sein. Mein Freund verabschiedete sich später und ich unterhielt mich mit dieser Frau. Ich wusste nur ihren Vornamen, Franzi. Ständig unterdrückte ich meine Notdurft, denn ich wollte nicht zum Tisch zurückkehren und sie wäre weg. Sie fragte mich, was ich trinke, ich meinte nur Wasser, das ist gut, sie trank einen Schluck aus meinem Wasser- Maßkrug und sagte, sie darf ja auch nichts trinken, morgen geht es ab nach Hongkong. Daraufhin fragte ich, was sie dort macht, sie meinte, sie ist die Volkssängerin vom Platzl und hat dort in Hongkong ein
14-tägiges Arrangement angenommen. Ich begleitete sie nach Hause, sie wohnte nicht weit weg von der Wiesn, da war mir alles klar, Isarvorstadt. Das passte.“
Im November 1992 fand Michi in Ismaning in der alten Agrob-Ziegelei eine alte Schreinerei als Untermieter. Michi: „Am 2.1.1993 meldete ich mein Gewerbe in Ismaning offiziell an. Somit hatte ich eine Schreinerei, wo ich meinem Freund alle Möbel für den Innenausbau seines Haus’ anfertigen konnte.“ Es war eine weiter Weg von seinem ersten Wiesn-Besuch 1982 bis zur Wiesn 1992, wo er die bekannte Münchner Volkssängerin kennenlernte. Doch der Weg hatte sich gelohnt. Fand die Wiesn-Besuch zwar noch mit Alkohol statt, so hatte Michi dort immerhin einen wichtigen Grundstein für sein Berufsleben setzen können. Im Augustinerzelt lernte er einen Herrn kennen, der eine „Autoschreinerei“ in der Schwindstraße 14 in Schwabing aufmachen wollte und ihn fragte, ob er nicht Lust hätte, die Firma mit
aufzubauen. Michi: „Das kam mir gerade recht, deshalb schaute ich mir die Schreinerei an und fragte mich, warum Auto? Weil in der Schreinerei auch noch eine Autowerkstatt war. Zwei Firmen in einer Werkstatt. Man hat recht und schlecht versucht, die Autos mit Holz und Intarsien auszustatten. In den Aufbaujahren der Schreinerei habe ich mir ein sehr gutes Wissen angeeignet, so dass ich gut vorbereitet in meine eigene Selbstständigkeit 1991 gegangen bin.“ Michis Schicksalstag 16.10. 1991: Weg vom Saufteufel, Beginn der beruflichen Selbstständigkeit. In vielerlei Hinsicht beginnt da sein eigentliches Leben.

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