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Diese Woche in Winfried Noés isarbote-Kolumne ... Foto: Andrea Pollak

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Bernhard Ganter (Mitte), Martin Schönleben mit seinem Sohn und natürlich die fabelhaften Rosenplätzchen. Foto: Andrea Pollak
Rosenplätzchen. Foto: Andrea Pollak

Bernhard Ganter (Mitte), Martin Schönleben mit seinem Sohn und natürlich die fabelhaften Rosenplätzchen. Foto: Andrea Pollak

Eva und Horst Kummeth sind begeistert von Martin Schönlebens Luziussternen. Foto: Sigi Müller

Eva und Horst Kummeth sind begeistert von Martin Schönlebens Luziussternen. Foto: Sigi Müller



Backen ist Kunst
Immer schon gehörten bestimmte Speisen und Gebäcke traditionell zu bestimmten Feiertagen. Unsere Großeltern können sich oft noch an die überlieferten Traditionen erinnern. Manches ist auch erhalten geblieben, wie z.B. an Weihnachten die Christstollen und die Weihnachtsplätzchen, in der Faschingszeit die Krapfen oder an Kirchweih die Nudeln. Das Küchenjahr passte sich automatisch den Jahreszeiten an. Aber viele alte Rezepte sind in den letzten Jahrzehnten verloren gegangen.


Früher als man noch stärker im Brauchtum verhaftet war, und noch stärker im Lauf der Jahreszeiten lebte, gehörte zu jedem Jahreszeitenfest auch immer eine bestimmte Speise, ein besonderes Brot oder ein gewisses Gebäck. Manche Brauchtumsgebäcke sind uns bis heute erhalten geblieben, aber viele Traditionsbackwaren sind leider in Vergessenheit geraten. Vor allem in der Fastenzeit gab es viele Spezialitäten, denn die Bauern wollten natürlich nicht wirklich auf etwas Genuss verzichten. Also versuchten Sie mit dem Erlaubten, besonders leckere Speisen herzustellen.

Warum aber der Begriff Gebildbrot? Eigentlich ganz einfach, weil ja ein Bäcker mit einem solchen geformten Gebäck etwas bildlich darzustellen versucht. Und wenn man also etwas althergebrachtes nachbäckt, dann kommen dadurch sozusagen die Vorstellungen längst vergangener Zeiten bildlich zum Ausdruck. Es sind dies die verschiedensten Gebäckformen, die in ganz Europa zu bestimmten Fest- und Feiertagen gebacken wurden.

Zuerst noch einmal eine kleine Unterscheidung, man kann die Gebäcke oder Brote in zwei Gruppen unterteilen. Erstens die Gebildbrote, die meistens als von Hand geformte Gebäcke definiert werden. Zweitens das Brauchtumsgebäck, welches an einem bestimmten Tag oder zu einem bestimmten Fest gegessen wurde. Wobei natürlich die meisten Gebildbrote auch an einem bestimmten Fest verzehrt wurden. Die gebräuchlichsten Motive sind Männlein, Weiblein, Hasen, Hirschen, Wickelkinder, Hähne, Hennen, Osterlämmer, Pferde, Zöpfe, Hörnchen. Zu diesen Mensch- und Tierformen gesellen sich noch das berühmteste aller Gebildgebäcke die Brezel und allerlei Ringformen.

Die meisten Gebildbrote haben ja einen kultischen Ursprung und es gibt einige Brotforscher, die glauben, dass diese oftmals wie Tiere geformten Gebäcke, als Ersatz dienten für die in alter Zeit üblichen Tieropfer. Man hat also den Göttern anstatt eines geschlachteten Tieres, ein geformtes Brot rituell geopfert, um damit die höheren Wesen milde zu stimmen. Dies ist jedoch nur eine mögliche Deutungsweise und wahrscheinlich sind auch viele Gebildbrote so entstanden. Aber man darf nicht unterschätzen, dass wir Menschen immer schon ein schöpferisch gestalterisches Wesen waren und immer noch sind. Und deshalb gab es immer schon Bäcker, denen die einfache Funktion eines Gebäckes nicht genug war. Und so schufen diese, alleine aus dem Spaß heraus etwas Neues zu kreieren, neue Brot- und Gebäckformen. Die besten Vorbilder waren schon immer die Natur und so ist es nicht verwunderlich, dass es viele gebackene Tiere, Menschen und Blumen gibt.

Vielfach war es üblich, dass die Paten früher an den bestimmten Feiertagen ihren Patenkindern Gebildbrote geschenkt haben. Aber durch die vielen anderen Süßigkeiten und vielfältigen sonstigen Spielsachen, die heutzutage verschenkt werden, ist kein Platz mehr für diese symbolhaften Gebäcke. Und so haben diese ihren wundersamen oder magischen Charakter verloren. Oder kann sich hier einer vorstellen, was sein Patenkind für ein Gesicht machen würde, wenn es anstatt des gewünschten Computerspiels, oder der lange ersehnten Puppe einen Hefezopf bekommen würde.

Kleine Brotfiguren, die uns vor Krankheit und Unheil schützen sollen. Symbole in Brot gebacken, die unser Glück und die Fruchtbarkeit heraufbeschwören sollen. Berührt uns dies, in unserer säkularisierten Zeit überhaupt noch? Können uns die gebackenen Figuren und die dazugehörigen Rituale im Zusammenhang mit dem Wachstums- und Jahreszeitenzyklus überhaut noch etwas geben?

Im „Handbuch des deutschen Aberglaubens“ dies ist eines der wichtigsten wissenschaftlichen Bücher auf diesem Gebiet stehen sechs Gründe für die Entstehung von Gebildbroten:

Die Vorstellung, dass die Macht eines Geistes oder Gottes in seinem Abbild ruht und in seinen Symbolen, und somit zauberkräftige Wirkung hat.
Der Glaube, dass man sich die Kraft und die Vorzüge eines Lebewesens oder eines Gottes oder Symbols durch den Verzehr desselben erwerben kann.
Bei den Vorstellungen liegt die Nahrungsaufnahme eines Gottes zugrunde, für die sich Hinweise in alten europäischen Überlieferungen finden
Religiöse Opferriten, vor allem die Fruchtbarkeitsriten, welche die Erde und den der Erde anvertrauten Samen zur Fruchtbarkeit zwingen sollten oder bei denen Teiggebilde als Symbole der Fruchtbarkeit eine Rolle spielen.
Der Toten-, Seelen- und Fruchtbarkeitsdämonenkult, insbesondere der Kult um die Hausgeister.
Ersatz der realen Tieropfer durch Teiggebäck aus Sparsamkeit oder wegen des Verbotes tierischer Opfer aus philosophisch-religiösen Motiven.
Die Umdeutung ursprünglich heidnischer Gebildbrote im Zuge der Christianisierung; an die Stelle der alten „Kultbrote“ treten christliche „Wunder- und Heiligenbrote“.

Gebackene Götterbildnisse finden sich bereits im alten Testament. Im Buch Jeremia (44,14) wird berichtet, dass die Frauen Opferkuchen mit dem Bildnis der „Himmelskönigin“, der Fruchtbarkeitsgöttin Astarte, gebacken und ihr Rauch- und Trankopfer dargebracht haben.

Früher waren die einzelnen Gebäcke auch eine Art Zeitmesser. Sie markierten einen besonderen Termin des Jahres. Sie stellten eine Art Kalender dar. Durch ihre ständige Wiederkehr bildeten die Brote verlässliche Orientierungspunkte im Jahreslauf. Und das Fest war zu Ende, wenn das Gebäck gegessen war. Ein gutes Beispiel hierfür ist ein Fastengebäck aus Sardinien: „die Frau mit den sieben Beinen“, jede Extremität stand für eine Fastenwoche. Am Ende einer jeden Fastenwoche wurde ein Bein abgebrochen und gegessen. Wenn alle Beine verzehrt waren, dann war auch die lange siebenwöchige Fastenzeit zu Ende und am Osterfest konnte dann der Rest der Figur verzehrt werden.

Um zu verdeutlichen was manchmal dahinter steckt, bei solchen Gebildbroten, habe ich eines meiner Lieblingsfiguren herausgesucht, um dieses näher zu erklären, nämlich die gebackenen Melusinen, jenes Fantasiegebäck, das aus Frankreich (Poitou) zu uns eingewandert ist. Eigentlich ein Gebäck aus dem 19. Jahrhundert. In unserer Bäckerei haben diese magischen gebackenen Schlangenfrauen um Asyl nachgefragt und dies wurde diesem archaischem Brot gerne gewährt. Melusine war eine mystische Feengestalt halb Mensch halb Schlange. Die Geschichte ist schnell erzählt:

Im Wald erscheint Melusine dem Grafen Raimund von Poitiers in Menschengestalt. Dieser ist sofort in Liebe entflammt. Sie verspricht ihm Glück, Ehre und Reichtum, wenn er sie denn zur Gemahlin nähme. Jedoch müsse er ihr versprechen sie jeden Samstag frei zu stellen und ungestört lassen. Er dürfe auch nicht danach fragen, was sie an diesem Tage treibe. Wenn er dieses Tabu brechen sollte, dann wäre ihrer beider Glück dahin. Diese Bedingung erscheint dem verliebten Bräutigam leicht zu erfüllen. Doch nach vielen glücklichen Ehejahren und einigen gemeinsamen Kindern, säht der Bruder Raimunds Zweifel an den ehrenhaften Gründen für Melusines samstägliche Abwesenheit. Blind vor Wut und Eifersucht dringt Raimund in die verschlossene Kammer ein und sieht seine Frau beim Bade. Deren Körper geht jedoch vom Nabel an in einen Schlangenleib über. Halb Frau halb Schlange liegt Melusine in einem hölzernen Zuber. Er erkennt also, dass seine Frau kein Mensch ist, sondern eine Nymphe die im Wasser beheimatet ist. Zuerst verschweigt er seinen Vertrauensbruch und Melusine verzeiht ihm stillschweigend seinen Tabubruch. Jedoch als einer ihrer Söhne ein grausames Verbrechen begeht, verliert Raimund die Selbstbeherrschung und bezichtigt seine Frau vor dem versammelten Hofstaat als Schuldige und wirft ihr ihre Schlangengestalt vor. Dies ist der Bruch des Paktes und Melusine muss zurück in ihre Welt der Elementgeister. Sie verwandelt sich in einen Geist und fliegt aus dem Fenster in die Lüfte davon. Das Glück der beiden ist damit für immer dahin und Melusine kehrt nur noch auf das Schloss zurück, wenn einer aus dem Geschlechte der Lusignan sterben wird. In Geistergestalt schwebt sie dann um den Turm des Schlosses.

Und diese magische Schlangenfrau gibt es eben auch als Gebäck. Und wir backen diese Melusinen immer am 30. April der Walpurgisnacht, die Nacht der Hexen, Feen und magischen Frauen. In dieser Nacht sind alle weiblichen Zaubermächte losgebunden, die Hexen reiten um den Blocksberg, man kann die Menschen verwandeln, Pflanzen am Wachsen hindern, ja sogar Wasser zu Wein verwandeln. Oder man isst einfach nur unsere gebackenen Melusinen um so an diesen magischen Kräften teil zu haben. Aber nicht einmal dies ist notwendig, wir können uns in unserer heutigen Zeit einfach nur erfreuen an den schönen Formen dieser altertümlichen Gebäcken.

Aber an dieser Stelle wird es natürlich nicht nur Gebildebrote und andere magische Gebäcke geben. Sie werden hier auch noch andere Süßigkeiten kennen lernen, die an bestimmten Feiertagen gebacken wurden. Die Bauern waren nämlich früher einfach auch nur praktisch veranlagt, und wenn die Äpfel reif waren, dann wurde natürlich mit Äpfel etwas gebacken. Einen weiteren Vorteil hatten diese alten Traditionen natürlich auch noch. Wenn vorher schon klar war was an welchem Tag gekocht oder gebacken wurde, dann brauchte man sich auch nicht so viele Gedanken darüber verschwenden, was man denn nun am nächsten Feiertag seinen Liebsten servieren sollte. Damit Sie sich voll auf die Zubereitung konzentrieren können, bekommen Sie hier von mir jeden Monat ein magisches Rezept.

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