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Sein erster öffentlicher Auftritt als neuer Einrichtungsleiter des SOS-Kinderdorfs: Andreas Brommont begrüßt die Gäste zur Kunstausstellung der Kinder. Fotos: Mareike Spielhofen

Sein erster öffentlicher Auftritt als neuer Einrichtungsleiter des SOS-Kinderdorfs: Andreas Brommont begrüßt die Gäste zur Kunstausstellung der Kinder. Fotos: Mareike Spielhofen

SOS_Lesung

„Es war einmal…“: Die Kinder lesen vor einer gut gefüllten oberen Etage des Taubenturms konzentriert aus ihren Werken vor.

Kinder der Kunstwerkstatt des SOS-Kinderdorfs Dießen präsentieren ihre Bilder im Taubenturm und lesen vor

„Es war einmal ein blauer Wal, und der hieß Paul!“ Mutig und entschlossen lasen die sechs Kinder der Kunstwerkstatt des SOS-Kinderdorfs Dießen den Besuchern ihrer Ausstellung im Taubenturm aus ihren Werken vor. Seit einem halben Jahr haben die Sechs- bis Neunjährigen Geschichten ersonnen, niedergeschrieben und dazu Collagebilder erarbeitet. Aus aktuellem politischem Anlass ging es um die Umwelt, um saubere Erde und saubere Ozeane.

Aber in den Bildern und Geschichten erzählen sie auch von Freundschaft und Zusammenhalt. Entstanden sind 30 Collagebilder, die am Wochenende im Taubenturm ausgestellt wurden, und drei Bücher. Zu Getränken und Häppchen lauschten die Eltern, Freunde und Betreuer, wie der Panda Pauli zunächst einsam wurde, der blaue Wal fröhlich mit seinen Freunden im Meer herum planschte, bis etwas dramatisches geschah und das Mädchen Lilly auf ein wunderschönes Pferd stieß und damit ein Abenteuer begann.

„Lest immer nur die ersten paar Seiten, damit die Leute auf eure Bücher neugierig bleiben“, riet Roger Kretschmann, Leiter der Kunstwerkstatt, den Kindern, während er ihnen ihre Bücher feierlich unter den Toren des Taubenturms übergab. Dass er ihre Geschichten und Bilder als richtige Bücher drucken ließ, war eine besondere Überraschung für die jungen Künstler und Autoren. Jedes Kind erhielt drei Freiexemplare und die übrigen 90 Bücher waren ruck-zuck gegen eine kleine Spende an verteilt.

Kretschmann, der während der feierlichen Eröffnung der Ausstellung mit seiner
„Karacho-Band“, der Kinderband aus dem SOS-Kinderdorf, ein paar fröhliche Lieder spielte, wurde dann selbst überrascht: Eine ehemalige SOS-Kinderdorfmutter war extra für die Ausstellung aus Sachsen-Anhalt angereist. „Du hast noch jedes Kind aus der Reserve locken können“, lobte sie seine Arbeit. Für den Kunsttherapeuten ist es die 15. Ausstellung mit Kindern der Kunstwerkstatt, die er vor 18 Jahren ins Leben gerufen hat.

Ein Neuanfang ist es hingegen für Andreas Brommont, der ab Juni die Einrichtungsleitung des SOS-Kinderdorfs Ammersee-Leich übernimmt. Er begrüßte die Gäste zum ersten Mal in seiner neuen Funktion, war beeindruckt von den Werken der Kinder und betonte, wie sehr er sich auf seine neue Aufgabe freue.

Roger Kretschmann, Leiter der Kunstwerkstatt im SOS-Kinderdorf überraschte die Kinder mit „echten“ Büchern, in denen sie ihre Werke nun betrachten können.

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Angelika Hammer-von Au von SOS-Kinderdorf versucht den jungen Afrikaner Abbubakar immer wieder aufzumuntern und ihm Mut zu machen. Fotos: Mareike Spielhofen

Angelika Hammer-von Au von SOS-Kinderdorf versucht den jungen Afrikaner Abbubakar immer wieder aufzumuntern und ihm Mut zu machen. Fotos: Mareike Spielhofen

Abbubakar: Zum Nichtstun verdammt
SOS-Kinderdorf begleitet den jungen Mann aus Burkina Faso

Abbubakar, der 21jährige junge Mann aus Burkina Faso, sitzt im Sportlerheim des
SV Prittriching. Er trägt den rot-schwarzen Fußball-Trainingsanzug des Vereins. „Ich bin Stürmer“, erklärt er nicht ohne Stolz. Seine Vereinskameraden wollen nicht mehr auf ihn verzichten. Er ist wichtig für die zweite Mannschaft und außerdem mögen sie ihn. Doch ein Damoklesschwert kreist über dem jungen Mann, der inzwischen fünf Jahre in Deutschland lebt.

Er kam 2014 als noch 16jähriger Flüchtling nach Landsberg und wohnte bis 2018 in einer Wohngruppe von SOS-Kinderdorf. In der Zeit lernte der damalige Analphabet Deutsch und machte seinen Mittelschulabschluss. „Bei ihm lief alles problemlos“, erzählt Renate Sauberzweig vom Jugendamt Landsberg. „Er ist ein freundlicher, arbeitswilliger, zuverlässiger junger Mann“. Dies sei keine Selbstverständlichkeit bei einem afrikanischen Jungen, der durch seine Kultur geprägt ist. Nachdem er in der Baufirma Ditsch in Prittriching ein Praktikum absolvierte, war man hier von Abbubakar so begeistert, dass er als Hilfsarbeiter übernommen werden sollte und ihm eine Ausbildungsstelle in Aussicht gestellt wurde.

Seine Betreuer freuten sich darüber, wie gut der junge Mann sich integrierte und mit seiner verbindlichen Art einen Arbeitgeber von sich überzeugte. So verschaffte man Abbubakar in der dezentralen Flüchtlingsunterkunft in Prittriching ein Zimmer, damit er in der Nähe seines Arbeitgebers untergebracht ist. „So weit war alles so gut und dann war plötzlich nichts mehr gut“, berichtet Sauberzweig.

Abbubakar schaut traurig und hilflos aus, wenn er davon erzählt, wie schwierig es war, den offiziellen Stellen zu erklären, was ihm widerfahren ist, als er als 15-Jähriger eine Flucht über verschiedene Länder und das Meer auf sich genommen hat. Er sei misshandelt worden, erzählt er und zeigt eine Narbe an seiner Schulter. Sein Vater sei von Rebellen getötet, sein Dorf niedergebrannt worden und seine Mutter habe ihn aus Angst fortgeschickt.

In Deutschland durfte Abbubakar zunächst als minderjähriger Flüchtling bleiben, doch dann wird sein Asylantrag abgelehnt. „Es bleibt ihm nur noch der Weg über Artikel 25a des Aufenthaltsgesetzes“, so Hildegard Kamp-Hell, die ehrenamtlich die Flüchtlinge in Prittriching betreut. Dieser besagt, dass gut integrierte Jugendliche und junge Erwachsene eine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Dies würde bedeuten, dass er arbeiten dürfte. Im Moment ist er nur geduldet, von Monat zu Monat – und das schon seit mehr als einem Jahr. Er sitzt in seiner Unterkunft und dreht Däumchen, spielt Fußball, versucht sich zu beschäftigen, nimmt an Deutschkursen teil, die weit unter seinem Niveau liegen, weil nichts anderes angeboten wird – und ist zum Nichtstun verdammt.

„Egal was kam, Abbubakar war immer nett und freundlich, obwohl er einen Rückschlag nach dem andern abbekam“, kommentierte SOS-Kinderdorf-Mitarbeiterin Angelika Hammer-von Au die Situation des jungen Flüchtlings. Inzwischen schwankt der junge Mann zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, Mut und Mutlosigkeit. Ein Mal im Monat fährt er zur Ausländerbehörde nach Landsberg, um die Duldung um einen weiteren Monat zu verlängern. 8,50 Euro kostet die Busfahrt dorthin, die er von den 150 Euro bezahlen muss, die er monatlich vom deutschen Staat zur Deckung seiner Lebenshaltungskosten - für Essen, Trinken, Kleidung und Mobilität - erhält. Dabei würde er so gerne arbeiten, dem Staat nicht auf der Tasche liegen – und dabei auch gerne selbst ein wenig mehr Geld in der Tasche haben.

„Er wäre ein wertvolles Mitglied unserer Gesellschaft. Er ist fleißig, er würde gerne arbeiten, er würde dann Steuern zahlen. Er tut alles, was er kann, das muss doch wertgeschätzt werden!“ Angelika Hammer-von Au, genauso wie Renate Sauberzweig vom Jugendamt Landsberg, können nicht verstehen, warum ausgerechnet Abbubakar so viele Steine in den Weg gelegt werden. „Es ist keine Humanität mehr, finde ich!“, so Hammer-von Au. „Was passiert, wenn er in seine Heimat zurückkehren muss, die er als Kind fluchtartig verlassen hat.
Wo soll er denn dann hin?“

Abbubakar steht inzwischen auf dem Sportplatz, ein Ball am Fuß, dann ein Schuss aufs Tor. Bei aller Verzweiflung und Perspektivlosigkeit ist er dankbar: „Ich habe in Deutschland viel mehr gelernt, als ich in 100 Jahren in Burkina Faso lernen könnte!“ Es liegt ein steiniger Weg hinter ihm. „Und leider auch noch vor ihm“, prognostiziert Hildegard Kamp-Hell. Doch eine kleine Hoffnung tut sich auf: „In Bayern dürfen besonders gut integrierte Asylbewerber künftig öfter arbeiten“, so lautet eine Pressemeldung aus dem Bayerischen Innenministerium im März dieses Jahres. Damit möchte man Einzelfällen und Besonderheiten gerecht werden – und auch den händeringend nach zuverlässigen Mitarbeitern suchenden Arbeitgebern entgegenkommen.

Abbubakar ist gut integriert in Prittriching. Er spielt in der zweiten Mannschaft und seine Vereinskollegen mögen ihn.

SOS_Abbubakar_Fußball

SOS_Koreck_im-Haus8

Menekse Kaross (Dritte von links) hat Claudia Koreck (links), Susanne Dillitzer und Bernhard Schloemer zum Kaffee in ihr Familienhaus eingeladen, damit die Besucher einen Eindruck vom Leben einer SOS-Kinderdorffamilie bekommen. Später singt Claudia Koreck für die Kindern der Familie noch eines ihrer Kinderlieder und spielt mit ihrer Gitarre. Fotos: Mareike Spielhofen

Von Schildkröten, Stinktieren und bayerischen Liedern
Sängerin Claudia Koreck besucht das SOS-Kinderdorf

„Das Stinktier Rudi geht gerne auf Partys!“ Was dann immer passiert, erzählt die aus Bayern stammende Singer-Songwriterin Claudia Koreck den Kindern der Familie Kaross im SOS-Kinderdorf mit ihrer Gitarre. Vielleicht noch ein wenig verschlafen rieben sich die Kinder auch die Augen, weil ein echter Star in ihrem Wohnzimmer saß. Denn Claudia Koreck, die 2007 mit ihrem Album „Fliang“ (Fliegen) als Sängerin durchstartete und schon mit den Eagles auf der Bühne stand, war einer der Top-Acts der Andechser Musikwoche vom 30. April bis 4. Mai.

„Mit der Musikwoche wollten wir uns auch für ein soziales Projekt in der Region einsetzen. Da sind wir auf das SOS-Kinderdorf gestoßen“, erklärte Veranstalter Bernhard Schloemer, der die Sängerin ins SOS-Kinderdorf begleitete. Unterstützt wird bei der Spendenaktion der Um- und Ausbau von Haus 14. Die Baustelle schauten sich Claudia Koreck und Bernhard Schloemer während eines Rundgangs mit Einrichtungsleiterin Susanne Dillitzer persönlich an. „Wir haben in den letzten Jahren ständig Baubetrieb“, so die Einrichtungsleiterin. Viele der Häuser werden nach und nach den neuen Standards angepasst oder sind schon umgebaut.

Claudia Koreck, die mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Traunstein lebt, zeigte mit ihren neugierigen Fragen persönliches Interesse am SOS-Kinderdorf. Sie erzählte auch, wie es bei ihr zu Hause mit der Kinderbetreuung funktioniert: „Wir haben das Glück, dass meine Eltern und mein Opa auf die Kinder aufpassen, wenn mein Mann und ich unterwegs sind.“ Denn ihr Mann, der Produzent Gunnar Graewert, spielt ebenfalls in ihrer Band mit. „Keyboard, Percussions oder Ukulele, was gerade gebraucht wird“, lachte Koreck. Für sie ist es wichtig, dass ihre Kinder wissen, dass sie mit allen Sorgen, Ängsten oder auch wenn sie mal Quatsch gemacht haben, zu ihren Eltern kommen und über alles offen reden können.

Über ihren bayerischen Dialekt, in den die lebensfrohe Sängerin fast alle ihre Lieder kleidet, diskutierte Koreck dann mit Kinderdorfmutter Menekse Kaross, die gebürtig aus der Türkei stammt und in Niedersachsen aufgewachsen ist. „Mir gefallen Ihre Lieder, aber ich verstehe nicht alles“, gibt die fünffache SOS-Kinderdorfmutter zu. Sie lud Claudia Koreck und Bernhard Schloemer zu Kaffee und Kuchen in ihr Familienhaus ein. Am Tisch plauderten die Frauen dann noch ein wenig von Mutter zu Mutter. Kaross schilderte ihr Leben und den Alltag in der
SOS-Kinderdorffamilie und gab zu, dass sie sich bei den vielen Terminen der Kinder ganz schön strukturieren musste: „Ich habe alle Termine im Kopf, aber nun habe ich mir für das Team angewöhnt, Pläne zu schreiben.“

Auch die Kinder erzählten, nachdem die Sängerin die anfängliche Schüchternheit durchbrechen konnte, von sich und fragen sie neugierig „Wo gehst du heute noch hin?“ So berichtete Koreck den Kindern von ihrem Auftritt am Abend im Florian-Stadl von Kloster Andechs. Dann packte sie ihre Gitarre aus: „Soll ich euch schon mal etwas vorspielen?“ fragt sie und besingt mit ihrem selbstkomponierten Kinderlied Rudi das Stinktier, bei dem immer alle die Party vorzeitig verlassen, weil er so müffelt. Die Kinder atmen auf, als es mit Rudi dann doch ein glückliches Ende nimmt, als alle Tiere ein Fest im Schlamm feiern. Zur Erinnerung schenkte Claudia Koreck den Kindern eine CD mit ihren Kinderliedern und der Kinderdorfmutter ihr neues Album.

Die Andechser Musiktage unterstützen den Um- und Ausbau von Haus 14 im SOS-Kinderdorf Dießen. Einrichtungs-
leiterin Susanne Dillitzer (rechts) erklärt Claudia Koreck, welche Maßnahmen durchgeführt werden.

SOS_Koreck_Dillitzer-vor-Haus14

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