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ausgabe 2       sonntag, 6. januar 2008

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Uli Schmetz hält den Elfmeter von Corina Schröder. Foto: sport-press

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Bayern-Frauen schnuppern am Pokalfinale

Von Rainer Gmach
Es ist jede Saison das erklärte Ziel der Frauen des FC Bayern München, das DFB-Pokals in Berlin zu ereichen. In den letzten Jahren scheiterten sie allerdings regelmäßig am Lospech, umstrittenen Schiedsrichterleistungen oder den eigenen Nerven. Doch am Sonntag machten sich die Kickerinnen von der Säbener Straße das schönste Weihnachtsgeschenk, als sie im Viertelfinale des DFB-Pokals das favorisierte Team des FCR Duisburg mit 5:2 nach Elfmerterschießen bezwangen und so zumindest schon einmal ins Halbfinale einzogen.
Dabei war es nicht nur der Sieg alleine, der beigeisterte. Vielmehr war es auch die Art und Weise, wie das Spitzenteam aus dem Ruhrpott, immerhin Pokalfinalist 2007 und von 2005 - 2007 drei Mal in Folge deutscher Vizemeister, niedergerungen wurde. Nach dem Positiverlebnis aus der Vorwoche, dem 2:1-Auswärtserfolg in Potsdam, hatten sich die Frauen des FC Bayern durchaus Außenseiterchancen ausgerechnet. In die Karten spielte ihnen dabei, dass die Gäste neben der ehemaligen Münchnerin Simone Laudehr kurzfristig auch auf Lira Bajramaj verzichten mussten - der zweiten von vier Weltmeisterinnen im Team.
Doch die verbliebenen Hochkaräter zeigten Mitte der ersten Hälfte Stärke: Weltmeisterin Annike Krahn versenkte nach einer Ecke per Kopf den Ball zur Duisburger Führung (25. Minute). Als sich Bayerns Frauen langsam vom Rückstand erholten, schlug die ehemalige Bundesliga-Torschützenkönigin Inka Grings zu. Mit einem 20-Meter Schuss ins rechte Toreck ließ sie in der 32. Minute Bayern-Torfrau Ulrike Schmetz kaum eine Chance. Ein Zwei-Tore-Rückstand - die Hoffnungen auf das Pokalfinale schienen nach einem Drittel der Spielzeit bereits zerschlagen.
Doch in Halbzeit zwei sahen die knapp 400 Zuschauer einen verwandelten FC Bayern, der den Duisburgerinnen kaum noch Zeit zum Verschnaufen lies. Trainerin Sissy Raith schickte Vanessa Bürki aufs Feld und die Schweizer Nationalspielerin entludt den Frust über ihren 45-minütigen Bankplatz in Tore. Nur zwei Minuten waren gespielt, da entwischte Bürki nach Pass von Nina Aigner der Duisburger Innenverteidigung um Weltmeisterin Annika Krahn und überlupfte Torfrau Lena Hohlfeld zum schnellen 1:2-Anschlusstreffer. Genau das Signal, das für die Stimmung im Team und Publikum notwendig war. Mit frühem Stören tief in Duisburgs Hälfte verdammten die Bayern das Duisburger Mittelfeld um die hochgelobten Patricia Hanebeck und Weltmeisterin Sonja Fuss mehr und mehr zur Bedeutungslosigkeit und starteten seinerseits Angriff um Angriff aufs Gästetor. Und in der 68. Minute wurde das Engagement belohnt: Diesmal von Julia Simic auf die Reise geschickt gewann Vanessa Bürki das Laufduell gegen Annike Krahn und war erneut mit einem Lupfer gegen Duisburgs Torfrau Hohlfeld erfolgreich. Der zur Halbzeitpause kaum noch für möglich gehaltene 2:2-Ausgleich war gefallen.
Wie sehr Duisburg schwamm zeigte die Tatsache, dass Trainer Oberlies Sonja Fuss nun aus dem Mittelfeld in die Abwehr zurückzog, um dort für mehr Stabilität zu sorgen und sich zumindst in die Verlängerung retten zu können. Dass die Gäste dies dann auch schafften, hatten sie möglicherweise aber auch Bayern-Trainerin Sissy Raith zu verdanken, die elf Minuten vor Spielende Mittelfeldmotor Julia Simic auswechselte - eine für viele nicht nachvollziehbare Entscheidung.
Dies und auch die Pause bis zum Beginn der Verlängerung nahm den Schwung aus dem Bayern-Spiel. So kamen die Gäste in der Verlängerung wieder zu einigen Halbchancen, konnten daraus jedoch kein Kapital schlagen.
So musste das Elfmeterschießen die Entscheidung bringen, was bei den Bayern-Spielerinnen schlechte Erinnerungen ans Achtelfinale des Vorjahres hervorrief. Dort unterlag man in Wolfsburg, nachdem man im Elfmeterschießen bereits den Sieg auf dem Schuh hatte. Doch das im Abschlusstraining am Freitag noch eingeschobene Elfmetertraining machte sich bezahlt - die ersten drei Bayernfrauen (Nina Aigner, Vanessa Bürki und Katharina Baunach) trafen. Dass nach drei von eigentlich fünf Schützinnen bereits die Entscheidung gefallen war, lag an Bayern-Torfrau Ulrike Schmetz. Die Nationaltorhüterin tauchte bei allen drei Duisburger Versuchen ins richtige Eck, parierte in überragender Manier die Schüsse von Sonja Fuss und Corina Schröder und hatte beim Elfmeter zwei von Annemeike Kiesel das Glück der Tüchtigen, als der vom Pfosten abprallende Ball von ihrem Körper nicht in, sondern neben das Tor sprang.
Der Rest waren Freudenszenen auf dem Platz, die Spielerinnen und Offizielle bejubelten das selbstgemachte Weihnachtsgeschenk.
Es ist der zweite Halbfinaleinzug in drei Jahren, bereits in der Saison 2005/2006 schnupperten die Bayern-Frauen am Pokalfinale. Doch im Gegensatz zu damals, als man unglücklich und knapp in Potsdam verlor, liegt diesmal mit dem FFC Frankfurt nur noch ein anderes Top-Team der Bundesliga im Lostopf. Daneben warten Aufsteiger 1. FC Saarbrücken und mit dem TuS Köln rrh sogar ein Zweitligist auf das mögliche Duell mit den Bayern-Frauen. Die Chance, einen nominell schwächeren Gegner im Halbfinale zu erhalten, stehen damit 2:1. Und bei dem Losglück, dass die Bayern-Frauen in dieser Saison bislang im DFB-Pokal-Wettbewerb hatten, sind die Hoffnungen auf eine Partie gegen Saarbrücken oder Köln groß.
Die Auslosung findet am 12.01.2008 im Rahmen des Hallenpokals der Frauenbundesliga statt - ein weiterer Grund aus Münchner Sicht, dem Hallenspektakel in der Bonner Hardtberghalle entgegen zu fiebern. Doch bis dahin genießen die Spielerinnen und Offiziellen der Frauenmannschaft im Gegensatz zur Profiabteilung erst einmal ein freudiges Weihnachtsfest.

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Hier freuen sich Werner Kern, Günter Wörle, Sissy Raith und Karin Danner noch über den Trainerwechsel - dann erfolgte die sofortige Kündigung Wörles durch den TSV Crailsheim. Foto: sport-press

Hier freuen sich Werner Kern, Günter Wörle, Sissy Raith und Karin Danner noch über den Trainerwechsel - dann erfolgte die sofortige Kündigung Wörles durch den TSV Crailsheim. Foto: sport-press

Zusatzbescherung bei den Bayern-Frauen

Von Rainer Gmach
Man hätte können denken, dass der Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale das Weihnachtsgeschenk für die Frauen des FC Bayern war. Doch das Christkind hatte kurz vor den Feiertagen noch eine zusätzliche Bescherung eingeplant:
Zum Ende des alten Kalenderjahres präsentierte die Frauenabteilung des FC Bayern München bereits die erste Neuerung für die Saison 2008/2009. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz im Gebäude des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) gaben der Präsident des BFV, Herr Dr. Rainer Koch sowie der Abteilungsleiter Frauenfußball des FC Bayern München, Werner Kern, bekannt, dass die bisherige Trainerin des Frauen-Bundesligisten, Sissy Raith, nach dem Ende dieser Saison ihr Engagement an der Säbener Straße beenden und als hauptamtliche Verbandstrainerin des BFV einsteigen wird. Gleichzeitig wurde der ebenfalls anwesende Günther Wörle als Nachfolger von Sissy Raith vorgestellt.
So erfreut sich die Verantwortlichen des BFV über den Wechsel von Raith zum Verband zeigten (Geburtstagskind Dr. Koch: "Ich wollte mich heute nicht auf die Geschenke der anderen verlassen und mir das wertvollste Geschenk deshalb selber machen: Ich schenke mir heute eine Trainerin"), so sehr bedauerten es Werner Kern und Koordinatorin Karin Danner, dass Raith nach dreieinhalb Jahren die Säbener Straße verlassen wird. Seit Übernahme der Mannschaft führte sie das Team beständig in die vorderen Mittelfeldregionen (in der letzten Saison gar auf Platz vier) und 2006 bereits in das Pokalhalbfinale. Dort steht das Team nach dem Sieg gegen Duisburg am Sonntag auch in dieser Saison wieder. "Unsterblich" könne sich Raith deshalb vor ihrem Wechsel noch machen, wenn es gelingt, ins Pokalfinale einzuziehen.
Doch die frühe Einbindung der Bayern-Verantwortlichen und absolut faire Vorgehensweise von Raith und BFV ermöglichte auch, dass Karin Danner sich ohne Zeitdruck auf die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin begeben konnte. Und da gleich der "absolute Wunschkandidat" zusagte, musste nicht nur der Verlust von Raith, sondern konnte auch schon der Ersatz in Person von Günther Wörle vorgestellt werden. "Ich war beim ersten Gespräch überzeugt, dass er der richtige Trainer ist" zeigte sich auch Abteilungsleiter Kern von der Auswahl angetan. Auch die Mannschaft freut sich auf die Zusammenarbeit, insbesondere die älteren Spielerinnen. Denn diese kennen den Menschen Wörle noch aus der Zeit, als seine Tochter Tanja beim FC Bayern spielte  (und zwar als absolute Leistungsträgerin und Führungsspielerin, bevor sie im Sommer 2005 zum HSV wechselte sogar als Kapitänin). Tochter Tanja, deren Bruder Thomas Profi bei den Offenbacher Kickers ist war es auch, die ihren Vater, nach vielen erfolgreichen Jahren als Spieler und Trainer im männlichen Bereich im Sommer 2006 zum Frauenfußball brachte. Damals übernahm er den Bundesligaaufsteiger TSV Crailsheim und schaffte mit der Mannschaft den Klassenerhalt.
Noch bei der Pressekonferenz gingen alle Anwesenden davon aus, dass er seine erfolgreiche Arbeit in Crailsheim bis zum Saisonende fortsetzen wird. "Ich habe den Verein am Sonntag nach dem Pokalspiel über den Wechsel informiert", so Wörle, der offensichtlich sehr am Weiterbestehen des bislang guten Verhältnisses zwischen dem FC Bayern und dem TSV Crailsheim interessiert war: "Es war nach dem Pokalaus natürlich ein schlechter Zeitpunkt, aber es musste ja sein, damit wir heute hier an die Öffentlichkeit gehen konnten". Doch nachdem die Vorstellung Wörles als Nachfolger von Raith am Dienstag Abend erfolgt war, erhielt er von seinem bisherigen Verein den Laufpass. Etwas merkwürdig, dass man in Crailsheim dazu zwei Tage Anlaufzeit benötigte und die Ehrlichkeit dann auf diese Weise "belohnte". Man sei enttäuscht über den Zeitpunkt, an dem Wörle seinen Wechsel offiziell bekannt gab, verkündeten die Verantwortlichen in Crailsheim dazu.
Diese Trennung bringt jedoch auch die Personalie Tanja Wörle zurück in den Fokus. Bereits bei der Vorstellung ihres Vaters als neuem Bayern-Coach wurde von der anwesenden Presse die Frage gestellt, ob sie ihm an die Isar folgen wird. Eine offizielle Bestätigung durch ihn, Karin Danner oder Werner Kern blieb zwar aus (immerhin wurden entsprechende Gespräche in der vergangenen Saison bestätigt), ein Dementi erfolgte aber auch nicht. Die Entlassung ihres Vaters könnte für sie nun erst recht ein Anstoss sein, Crailsheim auch zu verlassen - und möglicherweise nun sogar schon zur Winterpause. Es bleibt also spannend bei den Bayern-Frauen bis zum Trainingsauftakt am 07.01. und insbesondere dem Hallenpokal am 12.01., bei dem dann möglicherweise nicht nur eine gute Halbfinalauslosung im DFB-Pokal, sondern auch ein hochkarätiger Neuzugang die Bayern-Frauen erfreut.

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