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Je t`aime Joschi Memoiren eines Film-Katers
von Andrea und Peter Pollak „Ein Teufelsweib, diese Jane Birkin!“ schnurrt Joschi wohlig. Seine Nackenhaare stellen sich von ganz alleine auf, wenn er an die heißen Filmszenen mit der Schauspielerin denkt, die durch ihr Stöhn-Duett „Je t´aime (moi non plus)“ mit Serge Gainsbourg weltberühmt geworden ist. Da kommen Erinnerungen hoch. Joschi schließt genießerisch seine grünen Augen. Jane Birkin im Neglige, ihr wütender Liebhaber packt Joschi am Schlawittel und schleudert ihn ihr an die Brust. Jane fängt ihn liebevoll, streichelt ihn und drückt ihn ganz fest an ihren Busen. Joschi gerät in Ekstase. Er legt sich auf den Rücken, streckt alle Viere von sich und schnurrt wie eine gut geölte Nähmaschine. Natürlich nur bei dem Gedanken an die Filmaufnahmen. Denn während der Filmaufnahmen ist Joschi ganz Profi. Da konzentriert er sich ganz auf seine Rolle. Apropos Rolle: Wenn Joschi sich jetzt wieder aus seiner Ekstase hochrollt und auf allen Vieren dasteht, ist der ein Bildvon einem sibirischen Waldkater! Richtig: Joschi ist eine Katze beziehungsweise ein Kater. Und er ist ein Filmstar. Geschmeidig trotz seiner inzwischen schon 15 Jahre, die er auf dem Buckel hat, lässt sich Filmkater Joschi auf seinen Ehrenplatz am Fenster nieder. Aus dem Fensterschauen ist seine drittliebste Beschäftigung nach Fernsehschauen. Was seine liebste Beschäftigung ist, ist wohl klar - schließlich ist Joschi ein Film-Kater. Und ein Macho, wie er im Buche steht. Kein weibliches Wesen ist vor ihm sicher. Und er hat wegen seiner Allüren auch überhaupt kein schlechtes Gewissen. Weder wegen seiner Macho- noch wegen seiner Star-Allüren. Keine Gedanke an „Neue Sensibilität“ oder „Die Frau im Manne wecken“ - Joschi steht zu dem, was er ist: Ein prächtiger Kater mit all seinen Stärken und Schwächen. Und natürlich ein Filmstar. Wie er zum Film gekommen ist? Joschi räkelt sich konzentriert auf seinem prachtvollen Seidenkissen: „An sich sind alle Katzen gute Schauspieler. Bei mir allerdings, wie alles andere auch, besonders ausgeprägt. Ich überredete daher meine Mitbewohnerin Andrea als meine Agentin tätig zu werden. Eine ganz liebe Seele übrigens, aber ohne meine Hilfe völlig aufgeschmissen!“ Das freilich sieht Andrea ganz anders: „Ich habe immer schon eine besondere Beziehung zu Tieren gehabt, einen direkten Draht sozusagen. Und Joschi zeigte sich besonders gelehrig.“ Zum Film sind die beiden aber eher durch Zufall gekommen, eine Freund kannte jemanden, der einen Freund hatte, der jemand suchte, der ... Einmal drin im Geschäft, überzeugten sie durch Leistung. Andrea: „Joschi ist anfällig für Schmeicheleien. Nach einem Weilchen zärtlichen Kopfkraulens ließ er sich sogar einmal eine Maus aufs Haupt setzen, die sich dann frech putzte.“ Über diese Szene freuen sich österreichische Kinder beim Biologie-Unterricht heute noch. Ganz ohne Tricks kommt Andrea freilich nicht aus. Dabei helfen die beiden Urtriebe Hunger und Sex. Für eine „Soko“-Folge sollte der Kater einem Einbrecher um die Beine streichen und so freundschaftliches Wiedererkennen signalisieren. Also hat sie den Schauspieler zwei Paar Socken anziehen lassen und ein paar aufgetaute Tiefkühl-Küken dazwischen gelegt - und schon folgte Joschi dem Duft seiner Leibspeise. Für die Zuschauer schien es wahre Liebe. Joschi fährt die Krallen aus und betreibt wie zufällig Krallenpflege. Er sieht das ganz anders. Joschi: „Lächerlich! Ich bin der Künstler! Dieser Mensch war nur dazu da, mich zu chauffieren und auch ansonsten dafür zu sorgen, dass am Set alles so war, wie ich es erwartete!“ Dazu gehörten seine Lieblingsspeise in rauhen Mengen und vor allem Kraulen, wann immer er es wollte. Also ganz ungeteilte Aufmerksamkeit und Hinwendung. Die vermisst er heute schon manchmal. Denn seitdem sich Joschi vom Filmgeschäft zurückgezogen hat („aus persönlichen Gründen“ -tatsächlich hat Andrea eine Familie gegründet und keine Zeit mehr für das Filmgeschäft - und sich ein anderes Frauchen suchen, Joschi: „Der Zug ist abgefahren!“), ist es stiller um ihn geworden. Aber er ist zufrieden. Denn er hat ja seine Erinnerungen. Und Andrea nebst Familie. Und wenn er es gar nicht mehr aushält, zieht er sich Videos seiner Glanzrollen rein oder wartet solange vor dem Fernseher, bis ein alter Film aus seinen goldenen Zeiten gezeigt wird. Dann schnurrt er - der Künstler, der Macho, der Kater.
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