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Auferstehung im Hexenhaus Der Künstler Tilmann Krumrey präsentiert zwei seiner Großskulpturen
Außergewöhnliche Vernissage im sogenannten “Hexenhaus”, dem ehemaligen Spielhaus des jungen Kronprinzen und späteren Königs Ludwig I., im Kronprinzengarten des Nymphenburger Schlosses in München. Die Gäste sind fasziniert von der Atmosphäre und den Kunstwerken des Künstlers Tilmann Krumrey, der hier zusammen mit seiner Galeristin Prinzessin Michaela Wolkonsky zwei seiner Großskulpturen in einem für diesen Ort geschaffenen besonderen Environment inszeniert hat. Das Hexenhaus ist dazu seit 20 Jahren erstmalig geöffnet! Ausstellung vom 30. Juni bis 20. Juli täglich geöffnet von 11 bis 17 Uhr. Tilman Krumrey: „Im Mythos lebt der spirituelle Körper der Gesellschaft, der ‚öffentliche Traum’. Die Kunst, einstmals im Dienst des Schamanen oder Priesters, wurde – als die Säkularisation voranschritt – einer der wenigen Berufe, die mit dem „Königreich“ des kollektiven Unterbewusstseins in direkter Verbindung stehen. Daher ist die Kunst einer der prinzipiellen Wege zur Transformation von Gesellschaft. Ich sehe im nackten menschlichen Körper den Ausdruck des mythologischen Symbols. Das intuitive Verständnis von Körpersprache und Gestik erschließt den spontanen Zugang zu den mythologischen Momenten des Lebens. Die alchemistische Kraft der Skulptur und des gebauten Raums (Environment) verändert das Bewusstsein des Betrachters. Dadurch schlage ich Brücken zwischen der inneren und der äußeren Welt. Als bevorzugte Materialien wähle ich Stein, Holz, Gips, Wachs, Bronze oder Silber und Gold. Ich arbeite im Steinbruch des Menschseins und habe das Herz eines Poeten.” Tilmann Krumrey (geb. 1966) stammt aus einer “Bauhaus”-Familie und praktizierte anfänglich als abstrakt arbeitender Bildhauer. Vor 23 Jahren begann er sich intensiv mit der klassischen Figur auseinanderzusetzen und machte den Mensch zum Sujet seiner kreativen Entdeckungsreise. Durch das Hinterfragen von Existenzthemen stieß er auf den Monomythos, das Erzählmuster, das allen mythologischen Geschichten zugrunde liegt. Dieser Zyklus von Berufung und Aufbruch des Helden, Grenzüberschreitung, Krise und Verwandlung sowie der Wiederkehr in die Welt der Menschen wurde zum programmatischen Thema der Monomythos- Serie von Krumrey. Nach dem Studium der Kunstgeschichte und Ökonomie begann er – nun schon seit 23 Jahren – als Künstler zu arbeiten. Seine ersten Lehrer waren Doris von Sengbusch-Eckart – eine Bildhauerin aus der Generation von Käthe Kollwitz – und sein Vater Immo Krumrey, Meisterstudent von Max Bill. Später wurde der bekannte Bildhauer und Silberschmied Prof. Hartwig Ullrich sein Mentor. Tilmann Krumrey ist tief beeinflusst vom physischen Körperausdruck sowohl in der Antike als auch bei Michelangelo und Rodin. Die spiegelbildliche Verdoppelung der Statue in der Plastik “Kain und Abel” kann als Innovation im Feld der figurativen Skulptur betrachtet werden. Der kleine hölzerne Pavillon wird im Volksmund wegen seines verschrobenen Aussehens „Hexenhaus“ genannt und steht im Schlosspark Nymphenburg (München) in einem rechteckigen Areal, durch das sich ein kleiner Bach windet und das sich links nach dem Eingang in den Park befindet. Dieser Teil des Parks, der Kronprinzengarten, ist die erste Arbeit Friedrich Ludwig Sckells, der damit 1799 begann, den ehemaligen Barockgarten im englischen Stil umzugestalten. Das Hexenhaus ist das ehemalige Spielhaus des jungen Kronprinzen und späteren Königs Ludwig I und danach auch von Ludwig II. Das zweigeschossige Holzbauwerk ist von einer goldenen Kugel und darüber von einer goldenen Sichel in Form eines liegenden Halbmonds bekrönt. Im Inneren klar durch einen oktogonalen Grundriss gegliedert, der auch in ein ebensolches Kuppeldach ausläuft, stellt das Haus in der Außenansicht ein seltsames „Zwitterwesen“ dar. Ist doch die eine Hälfte als ein aus (gemalten) Ziegeln und Fachwerk gebaut erscheinendes Haus, die andere als klassizistisch anmutendes Tempelchen gestaltet. Interessanter Weise ist die Fachwerkbauweise eine in Mitteleuropa seit dem frühgeschichtlichen Pfostenhaus weit verbreitete Bauform. Sie reicht somit bis an das matriarchal geprägte Neolithikum heran, wohingegen die Tempelformen der Antike die ersten patriarchalen Bauwerke darstellen. Der Künstler hat diese Eigenschaften des Bauwerks erkannt und für die Gestaltung des Environments für seine beiden Skulpturen genutzt. Die Dichotomie der beiden Kulturmodelle zieht sich in der gestalteten Form, den eingesetzten Materialien, Farben, Gerüchen, Klängen und in ihrer symbolhaften Verwendung durch die gesamte Ausstellung. Welch passender Ort, um die im Märchen angekündigte Auferstehung des matriarchalen Kulturmodells zu feiern. Übrigens: Prinzessin Wolkonsky versteht sich als Galeristin der unangepassten – dem gegenwärtigen Mainstream der Kunstwelt konträren künstlerischen Äußerung. Ihr geht es primär nicht um Effekt und Kommerz sondern um Suche und Förderung von substanziellen Aussagen zur heutigen Gesellschaft, in Form von Kunst, die emotional bewegt aber nicht zerstört, die provoziert aber nicht beleidigt. Diese Ausrichtung ist mit den drei Begriffen contemporan – figurativ – conträr gefestigt. Sie versteht sich als Galeristin – im Gegensatz zum Kunsthändler, der bereits etablierte „Künstler-Marken“ handelt –, als Entwicklerin und Förderin von jungen oder noch unerkannten Künstlern, die das Potenzial haben, die Kunstwelt dauerhaft zu verändern.
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