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Die Geier kreisen noch Gnadenlos auf dem Nockherberg
Von Andrea und Peter Pollak Jeder bekommt sein Fett weg beim Paulaner-Starkbieranstich auf dem Nockherberg in München. Erst mal die, die da sind. Dann ärgern sich die, die ihr Fett nicht abbekommen haben. Und schließlich bekommt – nach teilweise zähneknirschenden Applaus und Lob – auch Fastenprediger Bruder Barnabas alias Michael Lerchenberg sein Fett weg. So soll es sein. Denn schließlich sind wir vor Gott und Spott alle gleich. Ersteren stimmt sicher auch Reinhard Marx zu, mit dem heuer zum ersten Mal ein Erzbischof dem allgemeinen bis gemeinen Abwatschn beiwohnte und der sich prächtig amüsierte, wurde er doch ziemlich human von Lerchenberg mit den Worten begrüßt: „Lieber einen pfundigen Westfalen als so einen Regensburger Chorknaben!“ Zum traditionellen Paulaner-Starkbieranstich gehören eine deftige Fastenrede und ein buntes Singspiel. Beides lockte wieder zahlreiche Gäste sowie die politische Prominenz auf den Münchner Nockherberg. Der Starkbieranstich 2008 fand mit drei Premieren statt: Erstmals saß Günther Beckstein als Ministerpräsident im Publikum und Michael Lerchenberg, ehemals Stoiber-Double im Singspiel, hat ihm als Fastenprediger die Leviten gelesen. Und drittens gab sich mit Reinhard Marx erstmals ein Erzbischof die Ehre. Ebenfalls neu: Christine Haderthauer als CSU-Generalsekretärin sowie Erwin Huber als CSU-Vorsitzender. Zu den mehr als 500 geladenen Gästen gehörte das bayerische Kabinett, das nahezu komplett auf dem Nockherberg erschienen ist. Aus Berlin kamen Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und Bundesverbraucherminister Horst Seehofer. Vertreten waren auch Bundes-SPD-Chef Kurt Beck und Bayern-SPD-Chef Franz Maget sowie die Grünen-Chefin Claudia Roth und FDP-Chef Guido Westerwelle. Bundeskanzlerin Merkel hatte ihre Teilnahme an der Salvator-Probe wie im vergangenen Jahr „aus terminlichen Gründen“ abgesagt. Am schärfsten erwischte es den bayerische Finanzminister und CSU-Chef Erwin Huber, dessen Ablösung Bruder Barnabas forderte. Eigentlich seien für die Verluste bei der Landesbank Rücktritte fällig. „Aber Ihren eigenen Parteivorsitzenden können’s schlecht rausschmeißen“, rief er Ministerpräsident Günther Beckstein zu. Auch SPD-Chef Kurt Beck bekam sein Fett weg. „Die Grünen sind in der Opposition und wollen regieren. Und Sie regieren, können’s aber nicht und machen daher Opposition“, stichelte Lerchenberg. Im Singspiel wurde Beck als derber Trucker dargestellt, der lauthals „Der King ist der Kurt“ sang. Der Politiker nahm es mit Humor. Schon auf dem Weg in den Festsaal hatte er erklärt, dass er ja von der Mainzer Fastnacht abgehärtet sei. Später sagte er, das Singspiel sei lustig und in besonderer Weise treffend gewesen. Auch der ehemalige Ministerpräsident Edmund Stoiber war gekommen und hatte schon bei der Begrüßung im Saal auffällig langen Beifall bekommen. Als sein Darsteller im Singspiel dann noch in Anbetracht seiner Nachfolger sang: „Gebt mit mein Amt zurück, so ist das doch fürchterlich. Gebt mir mein Amt zurück, wir machen uns lächerlich“, mögen Beckstein und Huber kurz besorgt gewesen sein, doch der entspannt wirkende Stoiber stellte schnell klar, dass er sich den Posten nicht zurückwünsche. „Was vorbei ist, ist vorbei“, sagte er.
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