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Geniale Präzision des Bösen! Jeffrey Deaver, Der gehetzte Uhrmacher
Und wenn man erleichtert aufatmet, weil man denkt, man habe alles durchschaut, hat die Hölle schon wieder eine neue Wendung parat. Atemlose Spannung und wenn man denkt, das Ende ist nahe, ist das erst der Anfang. Blutige Handabdrücke auf einem Pier – die Leiche fortgerissen von den eiskalten Fluten des Hudson River. Ein toter Mann in einer dunklen Seitengasse des Broadway – sein Brustkorb zerquetscht von einem tonnenschweren Eisenquader … Lincoln Rhyme und Amelia Sachs können zwar kein Motiv für die quälend grausamen Morde entdecken, doch dafür hat der Täter an beiden Tatorten deutliche Spuren hinterlassen: kleine, laut tickende Standuhren, die unerbittlich die letzten Sekunden im Leben der Opfer herunterzählten – die unverwechselbare Visitenkarte des „Uhrmachers“. Fieberhaft machen sich die beiden Ermittler auf die Jagd und erhalten dabei unschätzbare Hilfe von einer neuen Kollegin: Kathryn Dance, eine weltweit anerkannte Spezialistin für Körpersprache, entlarvt Falschaussagen präziser als jeder Lügendetektor. Und tatsächlich scheint mit ihrer Unterstützung der Täter schon bald entlarvt. Doch dann wird klar: Der Uhrmacher ist seinen Verfolgern längst einen entscheidenden Schritt voraus, und irgendwo im Verborgenen tickt ein Zeitzünder unerbittlich gegen Null … Der siebte Fall für den genialen gelähmten Ermittler Lincoln Rhyme und seine Partnerin Amelia Sachs! Jeffrey Deaver, Der gehetzte Uhrmacher, Blanvalet (www.randomhouse.de), Gebundenes Buch, 512 Seiten, ISBN 978-3-7645-0202-7, 19,95 Euro.
Falsch verbunden ... hoffentlich Greg Bear, Stimmen
Nach diesem Thriller überlegen Sie sich die Wahl Ihres Handys und Netzes ganz bestimmt sehr sorgfältig, wenn Sie nicht gar wieder auf die gute alte Post zurückgreifen. Entschuldigung, mein Handy läutet ... ich muss es wegwerfen. Gänsehaut beim Telefonieren – und beim Lesen dieses Schmökers. Trans, die Revolution in der Telekommunikation, verbreitet Informationen rund um die Welt schneller als das Licht. Doch das hochmoderne Telefonnetz, verpackt in Designer-Handys, erweist sich auch in anderer Hinsicht als bahnbrechend: Jeder, der Trans benutzt, muss feststellen, dass in seinem Umfeld unerklärliche Dinge geschehen, dass er mit Stimmen von Menschen konfrontiert wird, die eigentlich schon lange tot sind … Greg Bear wurde 1951 in San Diego geboren und studierte dort englische Literatur. Seit 1975 als freier Schriftsteller tätig, gilt er heute als einer der ideenreichsten wissenschaftlich orientierten Autoren der Gegenwart. Seine zuletzt veröffentlichten Romane "Das Darwin-Virus", "Die Darwin-Kinder", "Jäger" sowie "Stimmen" wurden zu internationalen Bestsellererfolgen. Greg Bear, Stimmen, Heyne TB (www.randomhouse.de), 384 Seiten, ISBN 978-3-453-52283-1, 7,95 Euro.
Anarchie in Germany Tom Hodgkinson, Die Kunst, frei zu sein
Nützlicher und amüsanter Leitfaden für Schwarzseher und damit natürlich das ideale Buch für uns Deutsche – danach ist jede Krise nicht nur zu meistern, sondern her damit! Bzw. um mit den Worten des Autors zu spreche: „Grab die Erde um!“ Super und anarchistisch, also vorsichtig lesen, nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln in hemmungsloses und befreiendes Gelächter ausbrechen! Wenn Philosophie das eine Extrem der Weltliteratur ist und How-To-Bücher das andere, dann ist Tom Hodgkinson der unmögliche Spagat gelungen. Sein Buch "How to be idle" wurde ein Kult-Bestseller. Unsere deutsche Ausgabe "Anleitung zum Müßiggang" im Verlag Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins wurde fast schneller bestellt, als nachgedruckt. In seinem neuen Buch widmet sich Hodgkinson einem wesentlich höheren Gut als der Faulheit: Der Freiheit. In 29 Kapiteln nimmt sich Hodgkinson vor, was uns die Freiheit raubt: Angst, Langeweile, Gier, Einsamkeit, Eitelkeit, Armut, Schulden, Regierungen, Armbanduhren, Schmerz, Supermärkte, Hässlichkeit, Verschwendung. Er nimmt das Beste der Existenzialisten, der Hippies, der mittelalterlichen Freidenker und britischen Punks und macht daraus eine freudvolle Anleitung für ein erfülltes, wirklich freies Leben. Seine Erkenntnisse fasst er in klare Sätze: Hör auf zu arbeiten! Ignoriere den Staat! Meide die Supermärkte! Befreie Deinen Geist! Mach Musik! Feuere und trinke! Brate ein Schwein! Iss Kapaune und gute Schinken! Trink Wein und vortreffliches Bier. Sorge dafür, dass dein Tisch unter Speisen ächzt! Fang endlich an zu leben! Tom Hodgkinson "Die Kunst, frei zu sein. Handbuch für ein schönes Leben". Aus dem Englischen von Bernd Rullkötter. 380 Seiten. Fester Einband. Rogner & Bernhard. Nur bei Zweitausendeins (www.zweitausendeins.de). Nr. 270144. 17,90 Euro.
Schatzkästlein für Zugereiste und Einheimische Zeitgeister, München – Wo Vergangenes lebt
Lebendige Tradition, magische (weil ursprünglich) Orte, Menschen mit Charakter und Eigenständigkeit, München, mon amour – mit diesem Buch, das eine Liebeserklärung ist, ist dem A1 Verlag ein großer Wurf gelungen. Und natürlich den Absolventen des Aufbaustudiengangs Buchwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität, die auf ihren Streifzügen durch die Stadt ein magisches München voller Sehenswürdigkeiten entdeckten. Es gibt sie in jeder Stadt – diese Schauplätze, die eigentlich gar nicht mehr in unsere Gegenwart gehören. An denen man das Gefühl hat, durch ein Zeitfenster zu schauen. Fremdartiges oder verlorene Heimat zu sehen. Die erinnernd für einen bestimmten – manchmal auch ganz kleinen – Abschnitt in unserer Geschichte stehen. Der traditionelle Münchner Pferdemarkt ist so ein Beispiel. Mitten in der Stadt, im alten Schlachthofviertel, treffen sich noch heute Rosshändler und Kutscher, um nach wie vor per Handschlag ihre Geschäfte zu besiegeln. Oder das »Kleine Spiel«, ein winziges Schwabinger Off-Theater, wo seit 1947 die Puppen tanzen. Die schrullige Friesische Teestube, wo die Uhr stehenzubleiben scheint. Der Schäfer, der sich am Ende des Englischen Gartens um seine 400 Tiere sorgt. Die alte Fröttmaninger Kirche, die sich zwischen Windrad und Allianz-Arena in die Schleifenlandschaft des Autobahnkreuzes Nord schmiegt. Zeitgeister, München – Wo Vergangenes lebt, A1 Verlag (www.a1-verlag.de), 184 Seiten, gebunden mit 158 vierfarbigen Fotos, ISBN 3-927743-90-9, 19,80 Euro.
Der Appetit kommt ganz bestimmt beim Lesen Wiglaf Droste, Nikolaus Heidelbach, Vincent Klink, Wurst
Das Problem ist nur, dass plötzlich leiblicher und geistiger Appetit im Widerstreit liegen, das geniale Buch über die Wurst oder doch lieber die Wurst an sich, und tatsächlich gewinnt das Buch. Kleiner Tipp: Danach schmeckt die Wurst um so besser! Es geht um die Wurst – um dieses universelle, weit unterschätzte Kulturgut, die Legende unter den Lebensmitteln. Ob Blut-, Brat-, Hart- oder Mett-, die Wurst ist in aller Munde. Nur der liebe Gott weiß, was in ihr steckt: Auch wenn diese Redensart zum Siegeszug der Wurst beigetragen hat, löst sie heute Bedenken aus. Es ist an der Zeit, der Wurst ein bisschen auf die Pelle zu rücken. Starkoch Vincent Klink erinnert sich an blutige, aber beseelte Schlachttage und gibt Wurstrezepte bis hin zum Selberstopfen. Illustrator Nikolaus Heidelbach richtet mit seinen kulinarischen Stillleben die Kalte Platte aufs Liebevollste und Überraschendste an. Und Wiglaf Droste, der »Tom Waits der satirischen Schnappschüsse« (Galore), schlägt den Bogen von der Currywurst zur Wurst als Lustobjekt, von regionalen Vorlieben zum Versuch, die Welt als Wurst zu erklären. Wiglaf Droste, Nikolaus Heidelbach, Vincent Klink, Wurst, DuMont Kunst und Literatur Verlag (www.dumontliteraturundkunst.de), 160 Seiten mit ca. 40 farbigen Abbildungen, gebunden in Leinen, ISBN 9783832179922, 24,90 Euro.
Der Münchnerichste aller Münchner Alfons Schweiggert, Karl Valentin
Von Diane Freiberger „Der Münchnerichste aller Münchner“, so bezeichnet Alfons Schweiggert den Volkssänger, Komiker, Clown, Kabarettist, Schauspieler, Regisseur und Theaterdirektor Karl Valentin im Untertitel seiner neuen Valentin-Biografie. Die vielen Berufsbezeichnungen stehen für ein facettenreiches Leben, das jedoch - so Scheiggert - kein einfaches Leben war. Der Autor stellte diese vielseitige Lebensgeschichte jetzt bei meandis Biografie & Dokumentation einem interessierten Publikum vor. Besonders an dem Vortrag von Schweiggert war, dass er nicht nur vorlas oder vortrug; Schweiggert erzählte und dies machte den Abend kurzweilig und spannend. Sicherlich kam es dem Erzähler zu gute, dass er neben umfangreicher Recherche zu seinem Buch auch Zeitzeugen über die Person Valentin befragen konnte und so einen umfassenden Eindruck des Münchner Originals bekam. Zu Lebzeiten waren nicht alle Münchner von dem Volkssänger angetan, im Gegenteil, die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg bot für Valentin keine Möglichkeit des Comebacks. Dennoch: das Multitalent Valentin ist längst über die Landesgrenzen hinaus eine international bekannte Persönlichkeit geworden. Tatsächlich hatte er mit seiner Art Humor (der ja eigentlich eher groteske Lebenswirklichkeit ist) diese Grenzpfähle schon zu Lebzeiten längst überschritten, wie seine großen Erfolge vor allem in Berlin, aber auch in Wien und Zürich belegen. Heute ist es keine Besonderheit mehr, dass der Kabarettist auch in der Fremde kein Fremder mehr ist. Mit großem Erfolg wird „Carlo Valentino“ etwa in Italien, Spanien, Frankreich, Portugal, Schweden und vielen anderen europäischen Staaten gespielt, und das in deren Landessprache. Hätte Valentin zu Lebzeiten nie eine Reise zu einem anderen Kontinent gewagt (er war ein extrem ängstlicher Mensch), so spielt dies heute keine Rolle mehr, sowohl in Lateinamerika wie auch Nordamerika ist Name Valentin ein Begriff. Die New York Times nannte ihn „Germany’s Charly Chaplin“. Diese Einblicke in die Vita des Originals aus Bayern und unterhaltsame Anekdoten desselbigen präsentierte Alfons Schweiggert, der Mitglied der Münchner Turmschreiber ist, engagiert und lebendig in seinem Vortrag. Alfons Schweiggert, Karl Valentin, München Verlag (www.muenchenverlag.de), ISBN 978-3-937090-15-3, 16,80 Euro.
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