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Tagebuch von Ysabelle Sauer-Saaliste exklusiv bei isarbote.de

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Bilder: Ysabelle Sauer-Saaliste

Wenn Träume auf Reisen gehen

Von Ysabelle Sauer-Saaliste, www.ysaluma.de
Durch ein Fenster getrennt schweifen meine Blicke durch vorüberschleichende Landschaften, Berge, weite Fluren, Wälder mit Geheimnissen beladen, Bäume mit sich wiegenden Wipfeln , gleich einem Elfentanz, Flüsse, wild und stumm, sanfte Ebenen die sich plötzlich an schroffen Felsen stauen ...
Eindrücke festigen sich - um sich wieder zu verlieren.


Wo bin ich? In meinen Träumen überall.

Auf endlos erdigen Feldwegen, die irgendwo im scheinbaren Nichts enden, umsäumt von sich wiegenden Gräsern im lauen Wind flirren Insekten flatternd von Halm zu Halm. Felder, unbegrenzt, ziehen an mir vorüber, satt gelber Raps, Getreideähren sprießen empor von einzelnen bunten Klecksen unterbrochen, Blumen. Vermeintlich versteckte Pfade schlängeln sich durch die Fülle der Leere. Stille.

Bäume rascheln, unhörbar für mich, durch Glas getrennt.

Sanfte Hügel im Hintergrund verschwinden im Nichts, lauern den Geheimnissen des Lebens, verborgen im Dahingleiten der Zeit, nie stehen bleibend auf der Spurensuche nach dem Gestern, Jetzt und Morgen. Unendlichkeit am Horizont.

Wolken spielen, mal dick aufgebläht purzeln sie durch die imaginäre Schwerelosigkeit, mal nur als durchsichtiger Schleier, wellengleich, der Himmel verändert sich mit jedem Augenblick, mein Blick bleibt fest, meine Gedanken wandern sich wandelnd durch das Gestrüpp meiner Gefühle.

Junge, sprudelnde Bäche, trudeln in ihrem Lauf dahin, um sich irgendwann, erst fröhlich kräuselnd, dann kraftstrotzend fließend, in tosenden Flüssen zu vereinen und in der Gischt der Meere zu einem Eins zu werden, naturgewaltig, groß, im Rausch der Sinne und Emotionen.

Das Tageslicht will sich verabschieden, spiegelt sich im Reflex der Schattenspiele im Blätterlaub - grell, hell, dann dunkel, trüb - Flimmern vor Augen, Regenbogenfarben perlen in meinen Tränen, die ungeweint im Lid verharren.

Langsam schiebt sich die Sonne ihrem Abschied für diesen Tag entgegen. Das Himmelsblau verändert sich von zartem Ton ins Dunkel hinein. Mit einem letzten flammenden Aufschrei in buntem Rot, sich ins Purpur wandelnd , einem Feuerball gleich, den lodernden Abendhimmel hinterlassend, verschwindet sie in geringer Schnelle um den glitzernden Herrschern der Nacht das Firmament zu überlassen. Der Abendstern begrüßt mich funkelnd und strahlend, seine unzählbaren Gesellen platzieren sich auf ihren angestammten Plätzen, kleine glimmernde Lichter, der Mond wandert in seiner gewohnten Bahn, wie immer schon und ewig bleibend? Beruhigend. "Vater der Nacht" habe ich ihn genannt.

Ich danke der Natur, die mich zu meinen Träumen inspiriert, die meine Seele in gefühlige Höhen und Tiefen schnellen lässt, die mir mein eigenes Spiegelbild zeigt, die mir mein Leben erst ermöglicht, durch meine Sinne und die Sinne und das Leben in ihr.

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Frühlingsboten. Fotos: Ysabelle Sauer-Saaliste

Frühlingsboten. Fotos: Ysabelle Sauer-Saaliste

Frühling, bist Du da?

Von Ysabelle Sauer-Saaliste, www.ysaluma.de
Am Samstag hat es noch geschneit, und wie! Ein typisches Aprilwetter. Zwischen den tanzenden Schneeflocken hat immer wieder die Sonne durch den grauen wolkenverhangenen Himmel gespitzt. Kalt wars dazu, aber nicht arg. Der Winter
heuer, bisher, war ja sehr durchwachsen, mit zum Teil frühlingshaften Temperaturen und wenigst Schnee, bis auf die kleinen Ausnahmen. Mir ist es recht so.

Am Neujahrstag habe ich bereits die Zaubernuss in voller intensiv rosafarbener Blüte entdeckt, sogar Schneeglöckchen haben sich an sonnenbeschienen Stellen gezeigt und die Hasel ist mit ihren würsteligen männlichen Kätzchen in vollem Blütenstand. Sogar Gänseblümchen habe ich finden können und die kleinen Winterlinge, auf der Wiese nebenan, seit einer Woche etwa.

Gestern bin ich am Chinesischen Turm vorbei gefahren und die Menschen saßen bereits freudig an den Biertischen und haben ihr Masserl Bier geschlürft und eine Brotzeit dazu. Auf der gegenüber liegenden Wiese haben die ersten Sonnenanbeter mit nacktem Oberkörper auf Isomatten liegend sich dem wärmenden Sonnenschein hingegeben. Lustig umher springende Hunde haben miteinander gespielt, mit fröhlichem Gebell und hintereinander her hetzend, ein Steckerl oder den geliebten Ball im Maul. An schattigen Stellen finden sich noch weißgraue, mit Kieselsteinchen und Ruß bedeckte Altschneehaufen, die dem endgültigen Schmelzen
harren. Ein laues Lüfterl weht um meine Nase.

Zuhause habe ich es mir auf dem Balkon bequem gemacht und nur gelauscht und geschaut und geträumt. Frühmorgens zwitschern schon die Vögel und beginnen mit ihrer Balz. Ein verrücktes Gequieke und Gepiepse schallt zu mir. Im Garten spielen sie, wenn es zu dämmern beginnt, „Fangermandl", im Fliegen allerdings. Und das Eichhörnchen besucht mich jeden Tag, heute sind sie sogar zu zweit gekommen, um sich ihre Nüsslein zu stibitzen, die dann genüsslich verputzt werden. Meistens hockt das Eichkatzerl eine halbe Stunde in meinem Balkonkasten und holt sich mit dem Mäulchen die Nuss, die dann mit den Pfötchen gehalten und mit unglaublich schnellen Kaubewegungen abgenagt werden.

Auf der Esche jagen sich zwei Krähen mit lautem "Krah krah" von Ast zu Ast, um dann im Gleitflug hoch in den Himmel zu entfliehen. Eine Fliege tanzt herbei und krabbelt auf den Rosinen, die ich für die Amseln hingelegt habe, die in meinem Vogelhäuschen bei Kälte und Regen Zuflucht suchen. Die kleinen frechen Meisen flirren herbei mit flinken Flügelschlägen, holen sich ein Körnchen vom Kraftfutter, anstatt an ihrem Knödel zu picken, und entschwinden mit einem kleinen Hopser in die Luft. Ich bin ganz still und kann diese herrlichen Szenen wunderbar beobachten. Ich mache das nahezu jeden Tag, weil mich dies so sehr erfreut.

Heute habe ich in der Zeitung gelesen, dass es immer weniger Vögel gibt. Das macht mich sehr traurig. Ich habe dies schon seit einigen Jahren bemerkt. Schade. Ich freue mich auf die nächsten Wochen, wenn der echte Frühling ins Land ziehen wird, die Tage wieder länger und die Abende lau sein werden. Und wenn die zarten Knospen an den Bäumen zu blühen beginnen. Und da fällt mir eines meiner ersten Gedichte ein, das ich in meiner frühen Pubertät geschrieben habe:

Gänseblümchen wird’ ich genannt
und bin euch allen wohlbekannt.
Schenkt der Frühling sein erstes Grün,
so lässt er tausendfach mich erblüh’n.

Mit Schwestern und Brüdern im weißen Kleid
schmück’ ich die Erde weit und breit.
Bin ich auch nur ein winzig’ Ding,
so ich doch vielen Freude bring.

Ein kleines Wunder bin ich nur
von all den Großen der Natur.
Doch zeug’ auch in bescheid’ner Pracht
von Gottes Liebe und Gottes Macht.

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Blick über Münchens Christkindlsmarkt.

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Weihnachten am Tierfriedhof. Fotos: Ysabelle Sauer-Saaliste

Jahresende - Neues Jahr

Von Ysabelle Sauer-Saaliste, www.ysaluma.de
Jedes Jahr immer dasselbe - und doch, immer anders. Gerade ist Weihnachten
vorüber, die kulinarischen und prassenden Tage und Pfundezunehmer, und schon locken die Geschäfte mit köstlichen Silvesterverführungen und Neujahrsdelikatessen. Dabei sind wir doch alle satt, mehr als satt. Wir haben zu essen und zu trinken und doch wollen wir immer mehr haben und Besseres und Teureres und übertrumpfen uns selbst - die Spirale schraubt sich höher und höher.


Wenn ich an meine Kindheit denke, erinnere ich mich noch gern daran, mit welcher Muße und Besinnlichkeit wir den Advent gelebt haben. Am Nachmittag des Heiligen Abends bin ich mit dem Vater in den Wald gegangen, wir haben die Stille genossen, den weichen Schnee unter unseren Füßen und wir durften erst bei Dämmerlicht nach Hause kommen, weil das Christkind den Tannenbaum geschmückt hat und wir nicht stören durften. Einmal habe ich durch das Schlüsselloch gelinst und tatsächlich die goldenen Haare des Christkindls gesehen.

Das Abendessen war einfach, Wiener Würstl und Kartoffelsalat - und hat geschmeckt, ganz besonders sogar. Wahrscheinlich auch deshalb, weil die spannende Erwartung der Bescherung vor mir lag. Wie schön war es dann, wenn das Engerl das Glöckchen geläutet und die Mutter die Türe aufgemacht hat, der Christbaum mit silbernem Lametta und bunten Kugeln geschmückt und Engelshaar überzogen war. Die Sternwerfer haben ihre letzten Funken versprüht, die Kerzen geflackert und wir sangen die altbekannten Weihnachtslieder. Nach dem Auspacken der Geschenke durften wir auch die in goldbunten Folien eingewickelten
Süßigkeiten, die gschmackigen Schokoladenpackerl und Goldtalersäckchen vom Baum stibitzen und so gestärkt haben wir die Christmette besucht.

An den Weihnachtsfeiertagen gingen wir zuerst in den Gottesdienst, dann gab es das Mittagessen und die Besuche von der Verwandtschaft, wobei die Weihnachtsweisen gesungen wurden und wir allesamt miteinander musiziert haben. Die Mama spielte am Klavier, der Papa auf der Gitarre und wir mit dem Akkordeon und der Flöte. Grad schön war’s. Alles in Ruhe und ohne Hektik.

Und die Zeit zwischen den Jahren da haben wir mit unseren Puppen oder anderem Spielzeug gespielt, zusammen gelesen oder die Eltern haben uns Geschichten erzählt und wir konnten stundenlang zuhören. Dazu gab es einen Kakao und die einfachen, aber himmlisch gut schmeckenden Butterplätzchen. Der Christbaum ist gewöhnlich bis zum 6. Januar gestanden, auch wenn der Fußboden mit Tannennadeln voll gerieselt war.

Am Silvestertag sind wir immer in die Stadt gefahren, zum Oberpollinger und zur Nordseefischhalle am Viktualienmarkt. Da hat der Vater frischen Fisch geholt, Aal und Seezunge mit Rogen, geräucherten Lachs und Heilbutt und Schillerlocken. Damals waren diese Delikatessen noch Seltenheitsware. Einmal, da war ich 15 Jahre alt und wir hatten Besuch aus Amerika, da hat der Vater sogar Hummer gekocht. Erst haben wir die vier Tierchen in der Badewanne rumlaufen lassen und ich habe sie getauft, mit Namen versehen. Essen mochte ich dann davon nichts, aber meiner Freundin Elli, der hat es geschmeckt.

Die Silvestertage waren jedes Mal etwas Besonderes. Wir haben an all unsere Verwandten und Freunde gedacht, an die Verstorbenen, haben Erlebnisse erzählt und gemeinsam am Tisch gesessen, die ganze Familie. Entweder wurde gespielt und musiziert oder Schallplatten gehört oder auch Gedichte vorgelesen. „Die Bürgschaft“ von Schiller, das mochte ich besonders gern, oder die romantischen und herzzerreißenden Gedichte von Möricke und Heine, vor allem in der Teenagerzeit, wenn ich jede Woche in einen anderen Filmstar oder Nachbarjungen verliebt
war. Allerdings hat es bis zum ersten Kuss noch etwas gedauert, und eklig war der auch, und das Läuten im Kopf habe ich auch nicht gehört, so wie es die Mama beschrieben hat.

Am frühen Silvesterabend sind wir in die Kirche gegangen und der Pfarrer hat uns dann seinen besonderen „Jahresendsegen“ gegeben. Ich fand das immer sehr befreiend, denn mit dem Segen, so habe ich gedacht, sind auch alle meine ungebeichteten Jahressünden vergeben. Und ich konnte reinen Herzens in das neue Jahr hineingleiten. Aber meistens haben wir dann auf dem Heimweg schon wieder was angestellt, vom Klingelputzen oder Zaunkapperlabziehen bis zum gemeinen und hinterhältigen Schneeballwurf in den schalfreien Halsausschnitt zwischen Mantelkragen und Mützenrand. Besonders fies waren die Schneebälle, die innen mit einem Eisklumpen gespickt waren, die haben dann echt wehgetan. Aber verraten haben wir davon nichts zuhause, denn das hätte Krach gegeben und wir hätten zuhause gleich
ins Bett gemusst.

Meistens habe ich es an Silvester eh nicht bis Mitternacht ausgehalten. Ich habe mich ins Bett gelegt, heimlich unter der Bettdecke gelesen oder ganz leise Musik vom Kassettenrecorder gehört, allerdings bin ich dabei meistens auch prompt eingeschlafen. Und wenn die Eltern mich zum Silvesterfeuerwerk geweckt haben, dann war ich meistens grantig. Zudem, ein Feuerwerk war es auch gar nicht so richtig. Der Nachbar hat einen kleinen Raketensatz gekauft und mein Papa auch, wie jedes Jahr, man ist auf der Straße gestanden, hat gefroren und gewartet, bis die Männer die in leeren Flaschen gesteckten Raketen angezündet haben. Damals hat noch jeder geraucht und man hat noch Zündhölzer benutzt oder die ganz edlen Gasfeuerzeuge, aber die haben zum Luntenzünden nichts getaugt. Hat der Wind geblasen, ist die Flamme umgekippt und hat den Daumen verbrannt.

Einmal haben sie den Christbaumkerzenanzünder benutzt und der lange Wachsdocht war recht windstabil. Kracher habe ich nie gemocht, die haben mich in gewisser Weise erschreckt und ich habe davor mich gefürchtet, weil die auf der Straße hin und her gehüpft sind, so unkontrollierbar. Ein andermal hat der Nachbarsbursch Harry mir mehrere vor die Füße geschmissen - da bin ich dann ausgeflippt. Auch heute noch meide ich diese grünen, umwickelten Knallschläuche. Es gab auch für uns Kinder so kleine Knallkugeln, die stanken fürchterlich. Man hat sie auf den Boden geworfen und dann sind sie mit lautem Geräusch geplatzt. Da waren unsere Stinkbomben schon besser, die wir heimlich hinter den Erwachsenen haben explodieren lassen, und dann ihr peinliches Schweigen. Wir haben uns kaputt gelacht, aber dann gab es Standpauken und wir wurden tüchtig ausgeschimpft und mussten gleich nach Hause gehen ins Bett, während die Eltern noch mit ihren Sektkelchen auf das Neue Jahr angestoßen haben.

Am Neujahrstag wind wir morgens wieder in die Kirche gegangen, das war so Tradition. Auch viel später noch habe ich daran festgehalten, und hin und wieder ist es ziemlich schwer gefallen, mit dem brummenden Schädel andächtig den Worten des Pfarrers zu lauschen. Manchmal war es recht lustig, wenn man im Gottesdienst in die geschlossenen Augen und andächtig wirkenden Gesichter geschaut hat und plötzlich ein lautes Grunzen aus dem halb geöffneten Mund zu hören war oder ein Körper sich immer weiter seitlich geneigt hat. Dann gab es entweder einen Rempler von der Ehefrau daneben oder es ist das Gebetbuch hinuntergefallen, das zuvor locker in der Hand gehalten wurde.

Früher war es immer sehr leise in der Kirche, also man hat das Husten vermieden und andere Geräusche auch, ganz schlimm war es, wenn einer einen Lachkrampf bekommen hat, den zu unterdrücken war arg schlimm. Vor allem wenn der Kopf dann immer röter wurde und das Gesicht durch Grimassen völlig entstellt wirkte und man kein Taschentuch parat hatte, um ein Schnäuzen vorzutäuschen - wir hatten noch keine Tempotücher, sondern
Schnäuztücher aus Stoff.

Die Neujahrspredigten fielen bei unserem Stadtpfarrer aber Gott sei Dank relativ kurz aus und wir Kinder, die wir Predigten gehasst haben, waren darüber recht froh. Heute glaube ich, dass der Herr Pfarrer wahrscheinlich magenknurrend schon innerlich an sein Mittagsmahl, den Schweins- oder Gänsebraten, gedacht hat. Seinerzeit musste man noch nüchtern sein, wenn man zur Kommunion gegangen ist und die Priester, die armen, erst recht. Sie haben ja mehrere Messen abgehalten, die erste um 6 Uhr früh und dann zweistundenweise bis zum Jugendgottesdienst um halb elf Uhr.

Jetzt ist es wieder so weit. Die langen dunklen Nächte sind bereits kürzer geworden, die Stille des alten Jahres schwindet so peu à peu, Tatendrang und gute Vorsätze belagern das Gedankennest und schlechtes Gewissen mäkelt marginal in mir herum. Was habe ich mir letztes Jahr doch vorgenommen - den Zettel habe ich wahrscheinlich irgendwann während des Jahres verlegt oder aus Versehen weggeworfen und vergessen habe ich auch ganz viele der letztjährigen guten Vorsätze. Ist auch wurscht. Denn diesmal nehme ich mir nichts vor - noch nichts. Vielleicht fällt mir in der Silvesternacht, wenn ich besinnlich das alte Jahr Revue passieren lasse, doch noch etwas ein, das ich für wichtig genug halte, es auch einzuhalten oder zu erfüllen.

Auf jeden Fall wünsche ich mir und uns allen Frieden und Gottes reichen Segen
und ein gesundes und gutes Neues Jahr 2018!

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Cartoon: Robert Chlad

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Kripperl.


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Fotos bzw. Zeichnungen: Alle Zeichnungen sind Originale von Ysabelle Sauer-Saaliste.

Das weiße Blatt Papier

Von Ysabelle Sauer-Saaliste, www.ysaluma.de
Es starrt mich an, das weiße Blatt Papier, jungfräulich und leer. Ich sollte etwas schreiben, aber mir fällt just gar nichts ein. Ich kenne dieses Symptom schon lange. Wenn ich eine Zeichnung machen oder ein Bild malen will, ergeht es mir genauso. In solch einem Moment streikt das Gehirn, die Hände werden eigenartig lahm, der schon hundertfach benutzte und getätigte Stift liegt wie ein bleischwerer Nagel in der Hand, wird kurz abgelegt, aufgenommen, intensivst betrachtet, als ob er das Geheimnis des ersten Wortes oder den ersten Strich aufs Papier zaubern könnte.

Es ist still, ich höre etwas tropfen, kaum wahrnehmbar, aber ich höre dieses Plopp-Plopp- Geräusch, welches nun, weil ich mich darauf konzentriere, doch lauter scheint. Nicht, dass es mich sonst stören würde, aber jetzt schon, weil ich hochkonzentriert in meiner Gedankenwelt krame, nach Ideen suche, für den Beginn, das erste Wort. Und da ist es wohl am besten, kurz aufzustehen und mir eine Flasche Mineralwasser zu holen, einen großen Schluck zu trinken und ja, noch schnell ins Bad und dann wieder in ganz bequemer Stellung Platz zu nehmen, vor meinem weißen Blatt Papier. Erneuter Versuch ...

Da, was ist das? Eine Fliege krabbelt am Fenster entlang, bleibt stehen, putzt sich mit ihren beiden kleinen Fühlern - schwups ein kurzer Flug nach links, ein kurzer flinker Lauf von ein paar Zentimetern, Abflug und zurück zur Ausgangsposition. Wie leicht so eine kleine Fliege ist, was mag sie wohl wiegen? Sie summt sogar, ganz leise, wieder ein Abfliegen, diesmal nach rechts. Ich erhebe mich, öffne das Fenster, damit das Tierchen ins Freie kann. Mit wedelnden Händen versuche ich, es hinaus zu lotsen, es will scheinbar nicht, aber mit meinem Block, damit klappt es. Fenster zu.

Oh oh, wann habe ich das letzte Mal die Fenster geputzt? Da sind doch Schlieren dran! Mit einem feuchten Tempotuch wische ich drüber. Ist es von innen oder von außen verschmiert? Oh je, nun sind Wischer drauf. Ach, was soll´s. Aus dem Putzmittelschrank hole ich mir das Fensterklar, sprühe die Scheibe ein, mit Mikrofasertuch drüber, sauber, picobello. Aber der andere Fensterflügel sieht nun verstaubt aus. Macht nichts - auch der wird in rasanter Geschwindigkeit geputzt, das Fensterkreuz dazu - zufrieden, so schön klar.

Wieder sitze ich vor meinem leeren Blatt Papier, aber leer ist es jetzt nicht mehr. Ein dicker wässrig- grauer Fleck ist drauf, sieht aus wie eine Sonne, mit kurzen, aber regelmäßigen Strahlen, ein Spritzfleck. Super, jubiliere ich im Stillen: ein beflecktes Blatt ist nicht mehr leer. Wie von Geisterhand geführt ist der Fleck nun eingekreist, mit immer größeren Kreisen und Linien drum herum. Wie schön so ein Schmutztropfen doch sein kann. Und die winzig kleinen grauen und schwarzen Pünktchen darin, wäre sicher sehr interessant,
unterm Mikroskop, vergrößert.

Die Uhr tickt, tatsächlich, und plötzlich so laut. Höre ich sie sonst nie? Das Rollo scheppert ein bisschen, im Kasten drin, weil ein Windzug vorbeigehuscht ist. Ich höre den Wind, wirklich, durch das Fenster hindurch und ich beobachte ihn. Toll, ich beobachte den Wind! Man kann ihn doch gar nicht sehen. Die Blätter der Esche bewegen sich, erst sachte sanft, dann schnell und wild, gebeutelt. Ich staune über das filigrane Ästesystem des sonst robusten Baumes, die unzähligen Zweige und Reiser, die ihr Blätterwerk im Wind hin und her schwingen und wiegen lassen, angeschubst von rechts, ein heftiges Beugen nach links, ein Zittern und dann wieder bewegungslos wie im Stillstand erstarrt. Eine Krähe krächzt mir ihren Gruß entgegen.

Ich beginne zu träumen, entferne mich von meinem weißen Blatt Papier. Wie lange Zeit verbringe ich schon mit dem Betrachten des quirligen Blätterspiels? Zeit! Zeit! Zeit! Jeder Augenblick huscht an mir vorüber. Ich blicke zur Uhr, der Sekundenzeiger läuft vor sich selbst davon - tick - tack. Nichts ist bewegungslos. Meine Zeit, das ist Vergangenheit und Zukunft in einem. Die Gegenwart ist auch nur ein Fließen, die Verbindung, der Bruchteil, der einzige "Nu". Der Augenblick. Aber das ist nicht die Gegenwart, mein Herz pocht, mein Blut fließt durch meinen Körper, ich atme, ich schaue und was ich eben erblickt habe ist ja
schon wieder vorbei.

Gegenwart - was ist das? Mein Tisch, mein Block, mein Stift, das Zimmer, das Haus, die Straße - das ist es, Gegenwart. Gestern war es schon da und heute ist es auch noch da und morgen wird es auch noch da sein, die Brücke, der Kirchturm, die Glocke - Bauwerke, sie sind Gegenwart. Denn der Mensch vor fünfzig Jahren oder noch länger zurück, hat eben genau diese Kirche gesehen, betreten, ist über diese Straße gegangen - Bauwerke sind Gegenwart, weil sie über Generationen stehen. Und ich gleite aus der Vergangenheit in die Zukunft, und meine Gegenwart ist nur der kurze Sekundenbruchteil, den ich im Fluss meines
Lebens durchlebe.

Meine Gedanken schweifen dahin, am Himmel bewegen sich die Wolken, verformen sich zu wilden Gebilden, entzerren sich zu fahrigen Streifen um dann hinter der Hauswand meinen Blicken zu entschwinden.

Allmählich hat sich mein leeres weißes Blatt Papier gefüllt, nicht mit dem, was ich ursprünglich drauf haben wollte, aber mit Gedanken, die entstanden sind, urplötzlich, in mir - mein beschriebenes weißes Blatt Papier.

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Ausblick in den Garten.

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Wassertropfen, Monotypie.

Federzeichnungen Herbstwind/Herbststürme.


Legenden – Leonhardiritt

Von Ysabelle Sauer-Saaliste, www.ysaluma.de
Jedes Jahr, wenn der Herbst den kahlen Winter einläutet, die Bäume ihre ockerfarbenen Blätter abwerfen und die stille Zeit sich ankündigt, dann werden noch die letzten Jahresfeste gefeiert, wie zum Beispiel das Erntedankfest, das Sankt Martinsfest oder der Leonhardiritt, der ja heuer in vielen bayerischen Gemeinden ausfallen musste, weil das Sturmtief Herwart so arg gewütet hat. Ich habe kürzlich Kindern und Jugendlichen die Legende vom heiligen Leonhard erzählt, der von
490 - 559 nach Christus gelebt hat und dessen Gedenktag der 6. November ist.
Hier die Geschichte:

Leonhard war ein junger Adliger aus Limoges (seinerzeit eine wichtige königliche Münzprägestätte, später auch bekannt wegen seiner berühmten Limogesbroschen und Medaillons, auf Porzellan gemalte Minigemälde). Er kam schon früh als Knappe an den Hof von König Chlodewig, wo er zum Ritter ausgebildet wurde. Leonhard war ein intelligenter und stets hilfsbereiter Knabe. Er eroberte mit seinem sonnigen Wesen im Nu die Herzen der Menschen am Hof und war schon bald der Liebling des Königs.

Eines Morgens befahl Chlodewig Leonhard zu sich und erzählte ihm, wie er seinen Glauben an Gott gefunden hat:
"Meine Gemahlin Chlothilde war schon lange Zeit gläubige Christin. Immer wieder versuchte sie mich zu bekehren, dass ich von meinen Göttern ablassen soll. Ich geriet mit den Alemannen in Krieg und als unsere Heere zusammenstießen, kam es zu einem gewaltigen Blutbad. Ich war nahe daran völlig vernichtet zu werden, da blickte ich zum Himmel empor und plötzlich durchzuckte mich ein eigentümlicher Schmerz und mein Herz erfüllte sich mit tiefer Liebe. Tränen stiegen mir in die Augen und ich flehte zu Chlodehildes Gott: ‚Jesus Christus, Chlodehilde sagt, du bist der Sohn des lebendigen Gottes. Hilfe schenkst du den Bedrängten und Sieg denen, die auf dich hoffen.´ Ich betete um Gottes Beistand und Gott hat mir den Sieg gewährt. Fortan glaubte ich, dass Gott mein Herr ist. Ich ließ mich taufen. Seither ist in meinem Reich Frieden eingekehrt. Viele Menschen aus meinem Volk haben ihren Göttern entsagt und bekennen sich zum Christentum."

Sprachlos hat Leonhard dem König zugehört. Er wollte mehr über diesen Gott erfahren. So wurde er dem Erzbischof Remigius von Reims vorgestellt, der an den Hof kam, und Leonhard war von der Lehre Gottes betört. Mit vielen Edlen des Landes wurde er dann von Remigius getauft und der König selbst war sein Taufpate.

Leonhard ging ganz und gar auf in seiner Liebe zu Gott und wollte von nun an nur noch in Demut für Christus leben. Er studierte Theologie, wurde zum Priester und bald schon zum Bischof geweiht. Voller Enthusiasmus predigte Leonhard das Christentum und immer mehr Menschen ließen sich bekehren, er sprach mit solcher Inbrunst, dass er sogar Heilungen vollbringen konnte.

Leonhard ging in die Stille der Wälder, wo er als Eremit lebte. Er hatte ausgesprochen gute Naturkenntnisse und ernährte sich nur von Brot und Kräutern, Pilzen und den Früchten des Waldes. Eines Tages traf er den König Chlodewig, der mit seiner hochschwangeren Gemahlin durch den Forst spazierte. Die Königin wurde von Geburtsschmerzen übermannt und der König bat Leonhard um Hilfe. Dieser rettete sie und das Kind, einen gesunden Knaben. Dafür schenkte der König ihm ein Stück Land. Leonhard erbaute eine Kapelle und
kleine Kloster Noblac.

Viele verzweifelte, ratsuchende, notleidende und kranke Menschen pilgerten zu Leonhard und er half ihnen durch Gottes Beistand. Er heilte Tiere und einmal kam ein Bauer in seine Klause und bat: "Du hast die Kuh meines Nachbarn gesund gemacht, bitte hilf auch meiner", und Leonhard half. Mit seiner Güte und Barmherzigkeit zog er noch mehr Menschen an, die auch so werden wollten wie er.

Besonders am Herzen lagen ihm die Gefangenen. So oft er konnte, besuchte er diese, sprach ihnen Mut zu und tröstete sie. Vielen Häftlingen konnte er dank seiner guten Beziehungen zum König die Freiheit vermitteln, er half ihnen auch dadurch, indem er bäuerliche Siedlungen schuf und sie landwirtschaftliche Arbeiten verrichten ließ.

Im Jahr 559 ist Leonhard gestorben. Heute wird er als Heiliger verehrt und ist Schutzpatron der Gefangenen, der Landwirte und Viehzüchter, des Viehs und der Pferde. In den Alpenländern finden alljährlich am 6. November ihm zu Ehren Leonhardiritte und Leonhardifahrten und Leonhardiwallfahrten mit Tiersegnung statt.

Die Tölzer Leonhardifahrt wurde 2016 als immaterielles Kulturerbe Bayerns anerkannt und durch die Unesco-Kommission in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Übrigens, nach Abschluss der Leonhardi-Wallfahrt hier in Tölz findet zum Ausklang das "Leonhardidreschen" (Goaßlschnalzen) in der Markthalle statt.

In eigener Sache möchte ich noch dranhängen: Am Donnerstag, 23. November ab 17 Uhr findet ein gemütlicher Abendflohmarkt statt, mit viel Neuwertigem, Klamotten (Escada etc.), Büchern, Rares, Antikes, Sammlungen, Bildern etc. in meinem Atelier und Margots Beautystudio, Englschalkinger Str. 196. Wir würden uns freuen über zahlreichen Besuch.


Edelstahlhaus

Das Edelstahlhaus. Fotos: Ysabelle Sauer-Saaliste

Solingen, die Klingenstadt – Oldtimertreffen

Von Ysabelle Sauer-Saaliste, www.ysaluma.de
Wir haben uns nicht in unseren goldfarbenen Citroen-SM gesetzt, um zum diesjährigen Oldtimer-Treffen in der Klingenstadt Solingen zu fahren, sondern sind - wie fast immer - bei strahlendem Sonnenschein bequem mit dem Zug angereist.

Eine wunderschöne Strecke entlang des Rheins mit herrlichen Aussichten. Die unzähligen Burgen, die an Rheinufer Hügeln imposant in den Himmel strotzen, lassen erahnen, wie sehr dieser "Grenz"-fluss seit Jahrhunderten immer wieder umkämpft und verteidigt wurde. Vorbei an Geisenheim, wo in der Hochschule für Wein- und Gartenbau nahezu alle bedeutenden Winzer weltweit ausgebildet werden, den steilen Weinberghängen mit dem Anbau der berühmten und besten Rheingau-Riesling-Weine (sogar das englische Königshaus bezieht seine Weine von
hier), das romantische Städtchen Rüdesheim mit der bekannten schnuckeligen Drosselgasse. Hier wird der älteste deutsche Weinbrand, der "Asbach uralt" hergestellt und 1924 hat Hugo Asbach die Weinbrandpralinen erfunden, die vor allem bei den Damen reißenden Absatz gefunden haben und seit den 50er Jahren gibt es auch noch den köstlichen "Rüdesheimer Kaffee", eine Spezialität aus Kaffee, Asbach, Zucker und Sahne, angezündet mit einem langen Schwefelhölzchen - mmhh.

Weiter zieht der Rhein dahin und schlängelt sich mit gefährlichen Strömungen bei St. Goarshausen am Schieferfelsen der Loreley entlang. Wir passieren Koblenz, das Deutsche Eck, eine künstlich aufgeschüttete Landzunge an der Mündung der Mosel in den Vater Rhein. Remagen, mit der berühmten Ludendorff-Brücke (Film: Die Brücke von Remagen) Fragmente der Brückentürme stehen noch, und schließlich erreichen wir Köln, unseren Umsteigebahnhof. Herrlich, wie der Dom neben den Bahngleisen prangt!

In Solingen angekommen, empfängt uns ein dunstiger, wolkenverhangener Horizont, trüb und sanfte Regentropfen ploppen fast zärtlich auf das graue Pflaster herab. Unser Hotel, der Grafräther Hof, liegt etwas außerhalb, aber diese kleine Dorfgemeinschaft ist im 2. Weltkrieg komplett verschont geblieben und erstrahlt mit entzückenden Fachwerkhäusern, man meint, in der "guten alten Zeit" zu weilen. Wir treffen unsere Clubfreunde zu einem urigen Abendmahl im Klosterbräu, mit selbstgebrauten Bieren.

Am Samstagvormittag nehmen wir an einer Werksbesichtigung bei Carl Mertens teil, einer über die Landesgrenzen hinaus bekannten Besteckmanufaktur. Ich wusste gar nicht, wie viele und welche Arbeitsgänge notwendig sind, um ein gutes Besteck, ein wirklich schneidendes Messer oder einen mundgerechten, wohlgeformten Löffel herzustellen. Curt Mertens, der heute den Familienbetrieb (1919 gegründet) leitet, ist übrigens der einzige vereidigte Besteck-
Sachverständige in Deutschland. Er führte uns durch seine Werkshallen und erzählte humorvolle Geschichten über den Wandel der Tischkultur im Laufe der Zeit. Hier werden in handwerklich geprägter Fertigung eine große Palette an Produkten aus Edelstahl hergestellt - ich habe mir einige Accessoirs für die Tischdekoration gekauft, Kellen, Schalen, Messer - und mein Mann hat freudestrahlend sein Portemonnaie gezückt.

Im Auto-Konvoi sind wir zum Schaberger Bahnhof gefahren, der fast neben der Müngstener Brücke liegt. Sie ist mit 107 m die höchste Eisenbahnbrücke in Deutschland und überspannt das Tal der Wupper zwischen Solingen und Remscheid. Das Schaberger Bahnhof-Restaurant, mit eigenem Bahnsteig, ist ein urtümliches Lokal: holzvertäfelte Wände, ein Kachelofen, nett gedeckte Tische. Es erwartete uns eine typisch bergische Hausmannskost, ein 3-Gänge-Menü, die Portionen unverschlingbar groß.: Wurst-Käseschnittchen, selbst gebackenes Brot, das eigentlich aussah wie Marmorkuchen, aber himmlisch im Geschmack, saisonale Suppen (meine Tomatensuppe unübertrefflich gut), das Fleisch butterzart (vom Hörensagen, weil ich Vegetarierin bin), ich habe das Hauptgericht ausgelassen, weil ich schon viel zu satt war. Den Nachtisch konnte auch fast keiner mehr zu sich nehmen, wir waren pappsatt. Mit müden Augen und schlappem Körper schlurften wir zum Bahnsteig, um mit der Lokalbahn über die Müngstener Brücke nach Remscheid zu fahren.

Remscheid-Lennep: Das Deutsche Röntgenmuseum - Toll! Ein Denkmal des Physikers Wilhelm Conrad Röntgen steht gegenüber vom Eingang in das hochmoderne und sehr unterhaltsame Museum. Zur Erinnerung: W.C. Röntgen, der 1845 hier geboren ist, hat 1895 während seiner Tätigkeit als Physiker und Dozent an der Universität Würzburg diese unsichtbaren (später nach ihm benannten) Strahlen entdeckt, wofür er dann 1901 den Nobelpreis erhalten hat. Die Durchleuchtung oder Durchdringung des Körpers mittels der Röntgenstrahlen wurde in Bildern dargestellt, die als Röntgenbilder noch heute von Bedeutung sind. Beim Durchstreifen des Museums erfährt man viel über den Standard der Medizin, begonnen vor über 100 Jahren bis in die heutige Zeit.

Ein kurzer Fußmarsch durch den Ortsteil Lennep in Richtung Bahnhof gab uns einen guten Eindruck dieser Kleinstadt im Bergischen Land, mit mittelalterlicher Struktur, vor allem in der Altstadt. Hier dominiert die evangelische Stadtkirche nicht nur durch den imposanten Turm und das einzigartige Kirchenschiff mit hölzernen Hochbalkonen links und rechts, sondern auch durch das herrlich laute Glockenspiel - die Schläge vibrieren durch den ganzen Körper. Mir gefällt das so gut und schon fast vergessene Kindheitserinnerungen werden wach ...

Am Sonntag, endlich, ließ sich die Sonne immer öfter blicken, mit stoßweisen Windbrisen, die die Wolkenlandschaften sekundenschnell veränderten. Wir besuchten den Medienhafen in Düsseldorf - nicht nur für Architekten und Künstler ein wohliger und zugleich aufregender Augenerguss. Ich bin schier ausgeflippt ob dieser "verzauberten Zeit" (ein Bilderbuchtitel von mir). Ich konnte (und wollte) nur staunen. Unsere Stadtführerin lotste uns durch diese einmalige Hafenanlage, einen Medienhafen, der durch repräsentative kreative Architektur besticht. Ein Arbeitsrefugium - fantasievoll, futuristisch. Werbeagenturen, Künstler, Rundfunk, Presse, TV, alle Sparten sind vertreten in diesen attraktiven Büro- und Wohnquartieren, aber auch Arztpraxen, Kanzleien, Kontore.

Deutsche und internationale Architekten haben dieses Stadtteil geschaffen, das zwar modern und flott ist, aber seine ursprüngliche Hafenatmosphäre behalten hat: die denkmalgeschützten Lagerhallen wurden saniert, restauriert und mit modernstem IT- und Medienequipment ausgestattet. Besonders beeindruckt haben mich das Haus aus Edelstahl, das so utopisch in den Himmel glänzt und spiegelt mit seinen "verbeulten" runden Wänden (erinnerte mich an Danzig-Zoppot, das schiefe Haus), das Hyatt-Hotel mit seinen gläsernen Twin-Towers, das "Lego"-haus, wie es von den Düsseldorfern liebevoll genannt wird. Es sieht aus wie ein Kunstwerk des holländischen Malers Piet Mondrian. Auch der Akademie-Professor Günter Ücker, der mit seinen reliefartigen Nagelbildern berühmt geworden ist (in den 70er Jahren habe ich zum ersten seine Werke in einer Münchner Galerie bewundert) hat sein Atelier an diesem
Hafen, gleich bei der Medienbrücke, neben dem von Jörg Immendorf entworfenen Bau.

Nicht zu vergessen sind die exklusiven Restaurants, Cafés und Klubs mit qualitativ hochwertigen Produkten (meine Pommes Frites waren handgemacht und haben so gut geschmeckt, wie ich sie nur in Belgien gegessen habe), aber auch die innenarchitektonische Ausstattung - fantastisch - im wahrsten Sinne des Wortes.

Unseren Abschlussabend haben wir wieder im Klosterbräu verbracht, bei ausgezeichnetem Mehr-Gänge-Menü. Mein Zanderfilet auf Blattspinat - vorzüglich, der Tafelspitz ist meinem Mann auf der Zunge zergangen, die Grütze ging nicht mehr in mich hinein, ich habe schlapp gemacht. Aber mit einem hausgebrannten Bierschnaps haben wir dann den Abend beendet und uns allesamt verabschiedet bis zum nächsten Jahr in der Uckermark.

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Röntgenmuseum.

Verstrahlte Hand.

Verstrahlte Hand
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Besteckmusterformen.

Statue W.C. Röntgen.

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Maschinenwalze.

Zahnarztpraxis 60er Jahre.

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Krankentrage 1. Weltkrieg.

Häuser im Medienhafen.

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Medienhafen.

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Hyatt Hotel.

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Kunstmalerin Heidi Winkler
Wohlmutserweg 2
87463 Dietmannsried
Tel. 0 83 74-80 81

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