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40 Jahre Beatles "Sgt. Pepper's" Dreitägiges Beatles-Festival in Bellinzona zu Ehren der vier Idole aus Liverpool
Von Dustin Broomery Vor 40 Jahren schickten sich die Beatles an als ''Sergeant Pepper's Lonely Hearts Club Band'' die Welt des Pop zu revolutionieren. Bellinzona (Tessin/Schweiz) nahm dies zum Anlass drei Tage lang den vier Helden aus dem Pepperland zu huldigen: Vor 12.000 begeisterten Festivalbesuchern machten 15 Bands aus nah und fern John, Paul, George & Ringo am Piazzo del Sole ihre musikalische Aufwartung. Die Location hätte wohl nicht edler sein können, war sie doch erst kürzlich zum Weltkulturerbe der Unesco ernannt worden. Und das Programm der "Bellinzona Beatles Days" wird wohl kaum so schnell Nachahmer finden können, die es mit ihm aufnehmen können: "The Marmelade Sky", "The Nowhere Land", "A&G Band", "The Pretty Face", "Les Hirondelles", "The Troggs", "The Beat Barons”, "HMI Band", I V.A.G.H.I.", "The Beatops”, "The Shakers", "The Rebeatles","The Beatluv" u.a.m. auf einem International-Beatles-Festival zusammenzubringen, schafft wohl nur die Patriziato Kulturstiftung. „Wir freuen uns“ so Festivalmanager Carlo Chicherio, “dass es gelungen ist, unsere Besucher mit einem spannenden Eventmix aus Musik, Kultur und Entertainment begeistern zu können, in ganz Bellinzona grassiert steht seit Wochen das Sgt.-Pepper-Fieber”. In der Tat Ausstellungen, Lesungen, Live-Musik und drei Tage Nonstop-Open-Air-Meeting das konnte sich sehen und vor allem hören lassen. Wer alle Live-Acts mitbekommen und einen guten Platz haben wollte, wie Elvira aus München, musste sich frühzeitig seinen Platz vor der Bühne sichern: "Wenn ich schon extra soweit fahre, dann will ich auch die Bands ganz nah sehen können". Verständlich, denn Acts wie The Beatluv, The Rebeatles oder The Shakers hatten nicht nur musikalisch, sondern mit ihrer phantastischen Bühnenshow auch optisch etwas zu bieten.
Hatte die Liste der ‚Who-is-who’ der vorangegangenen Bellinzona-Beatles-Days - inzwischen mit Kultstatus nicht nur bei den Fans der Fab4 – bereits Hochkaräter wie Pete Best, Tony Sheridan oder Marco Zappa ausgewiesen, so konnte Kulturdezernent Graziano Lavizzari dieses Mal mit "The Troggs" und "The Beat Barons" zwei weitere Original-Acts hinzufügen.
"Fast hätte sogar", weiß Festivalunterstützer Herbert J. Süßmeier von der Agentur Angelos zu berichten, "einmal George Harrison persönlich, der 2001 gerade in Bellinzona zur medizinischen Therapie weilte, als ‚surprise guest’ unter den Besuchern der ersten Bellinzona Beatles Days entdeckt werden können". Er wollte das Festival incognito besuchen, doch dann musste Schwester Damiana, George’s personal nurse, die ihn überallhin begleitete, bei einem anderen Termin assistieren und alleine wollte sich Mr. Harrison nicht in das Festivaltreiben begeben. Schade, doch die friedliche Stimmung und das farbenprächtige Treiben hat er sicherlich auch vom Fenster seines Krankenzimmers aus mitbekommen.
Friedlich und farbenfroh war's auch dieses Mal - die Rebeatles kamen dem Anlass entsprechend in Original-Sgt. Pepper-Kostümen - und sogar ein bisschen 'Woodstock'-Flair kam auf, hatte es doch den ersten Tag permanent und den zweiten Tag zeitweilig geregnet. Doch das tat der guten Stimmung beim Publikum keinen Abbruch. Und auch die Künstler hatten ihren Spaß: die 'Troggs' - sie waren extra einen Tag früher angereist (übrigends das erste Mal - wenn man Reg Presley glauben darf - in ihrer über 40-jährigen Bandgeschichte, dass sie einen Tag vor ihrem Auftritt angereist waren) - nutzten den 'Regentag' sich vorort über Bellinzona und "the very special place - monte verita" zu informieren. Ja, der 'Monte Verita', das ist schon ein besonderer Ort, der schon seit der vorletzten Jahrhundertwende immer wieder von Künstlern und Musikern zur Inspiration auserkoren wurde.
Wie im englischen Bloomsbury oder im norddeutschen Worpswede, später im Bauhaus in Dessau, versuchten dort Künstlerinnen aus allen Richtungen zusammenzuleben und sich in einer Art ‚Kreativer Gegenwelt’ gegenseitig zu inspirieren. Auch George Harrison hatte sich diesen Ort bewusst für seinen geplanten ‚Altersruhesitz’ ausgesucht und wohl die spezielle Energie dieser Gegend gespürt. Damit befand er sich sowohl historisch, wie auch aktuell in guter Gesellschaft, hatten doch bereits Herrmann Hesse, Rudolf Steiner, Erich Mühsam, Jochen Rindt, Ronnie Peterson, Helmut Zacharias, Mary Wigman oder Patti Smith – um nur einige zu nennen – vor ihm den ‚Berg der Wahrheit’ zu ihrem Refugium gewählt. Ob die 'Troggs' sich demnächst hier - wie seit einiger Zeit auch Julian Lennon - ein 'kleines Landhaus' zulegen werden, ist nicht bekannt, ganz gewiß aber - so Chris Britton - "werden wir nochmals wiederkommen".
Etwas magisch und mystisch ging's auch auf der Bühne weiter, als die "Shakers" von den "Rebeatles" abgelöst wurden. Stand da nicht leibhaftig der junge John Lennon auf der Bühne? Manche Mitt-Fünfzigerin musste sich mehrmals die Augen reiben, um sicher zu gehen, nicht einer Fata Morgana aufgesessen zu sein. Nein, das gibt's doch nicht, diese Ähnlichkeit. Und dann nach diese tollen Coversongs: das komplette Sgt.Pepper-Album live on stage! Das war schon einmalig, das hatten nicht mal die Beatles selbst zustande gebracht. War es im Studio für Pepper-Produzent George Martin 1967 schon schwierig gewesen, all die Geräuschewünsche und technischen Finessen von John und Paul zu realisieren, so war es live gänzlich unmöglich, die akustischen Tricks und verwendeten Backward-Loops außerhalb des Aufnahmestudios umzusetzen. Die Rebeatles haben sich diesem Wagnis mit Bravour gestellt.
Wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben. Das mag sich auch Lars aus Hamburg gedacht haben, als er extra aus der Hansestadt eingeflogen, erst nach Mitternacht mit zweistündiger Verspätung ankam und damit die einstündige Supershow der "Troggs" verpasst hatte. 'Give it to me', 'I can't control myself', 'Love is all around' (ja, liebe 'Nach-1980-Geborene', das Original stammt von den 'Troggs' und nicht von 'Wet Wet Wet') und natürlich das epochale 'Wild Thing', eben alle Troggs-Hits, aber auch Raritäten, wie "Strange Movies" (weltweit zensiert, nur in Spanien nicht) wurden vom Publikum begeistert aufgenommen und sogar z.T. sehr textsicher mitgesungen. Ja, solche Troggs-Momente gibt's nur live und nicht aus der CD-Konserve. Einziger Trost für Nicht-dabei-gewesene, ein Festivalbericht von Radio TS1 hat einige Sequenzen der phantastischen Live-Atmosphäre eingefangen und über den Äther geschickt. Vielleicht lässt sich ja ein Mitschnitt davon bekommen.
Für den Höhepunkt des Festivals hatte dann sogar der Tessiner Wettergott ein Einsehen und ließ es nicht mehr regnen. Pünktlich zum Auftritt von "The Beatluv" konnten alle Regencapes weggepackt werden und das war gut so. Denn diese hätten wirklich sehr gestört, sollte doch nun der gesamte Piazza del Sole zur "Beatles-Dance-Hall" umfunktioniert werden. Alt und Jung, Beat-Oldie oder Punk, Rasta- oder Piercing-Fraktion, das spielte nun keine Rolle mehr, die Schweizer Professoren-Riege von "Beatluv" präsentierte Beatles-Cover-Songs vom Feinsten, aber nicht technisch perfekt, sondern eben auch tanzbar und mitreißend. "Beatluv ist wie ein Diesel", so Graziano Lavizzari, "wenn die erst mal richtig loslegen, kann sie keiner mehr stoppen". Und so war's dann auch, statt des im Programm angekündigten 45-minütigen Mitternachts-Gigs gab's um 2 Uhr früh immer ein Beatles-Lied nach dem anderen. Und die Festivalbesucher forderten weitere Zugaben. Als dann aber Mechaniker des Sponsors Coop gegen 2.15 Uhr anfingen die Bühne zu demontieren und auch die Schweizer Militärs (sind zur Unterstützung der Security obligatorisch) unmissverständliche Handzeichen gaben, dass sie nachhause wollten, blieb den Veranstaltern nichts anderes übrig, als um halb Drei "wirklich die letzte Nummer" anzukündigen. Und das war sie dann auch "The End" - mit der tollen letzten Botschaft des letzten Stückes der letzten Platte der Beatles: " ... and in the end, the love you take is equal to the love you made".
Danke Bellinzona - danke Stiftung Patrizitato - danke John, Paul, George & Ringo! Dem ist nichts hinzuzufügen.
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