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ausgabe 39     sonntag, 23. september 2007

Stadtrat Helmt Pfundstein hat für uns Spaghetti Aglio e Olio  mit Scampi parat.  Lesen Sie auch, warum Helmut Pfundstein nicht mehr für den Stadtrat kandidiert, was er für Josef Schmid tut, und wie es sich mit David und Goliath verhält . Foto: Andrea Pollak
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 Helmut Pfundstein:
 isarbote.de ist ein ganz tolles
 neues Medium, das absolut
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 Lesen Sie außerdem, warum
 Helmut Pfundstein nicht mehr
 für den Stadtrat kandidiert,
 was er für Josef Schmid tut,
 und wie es sich mit David
 und Goliath verhält  
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Das goldene Herz

1. Unruhig wälzt sich Monika im Bett. Dann liegt sie wieder still und horcht in die Nacht. Nur das stürmische Pochen ihres Herzens ist zu hören, nebenan in der engen Wohnung schläft ihr 15-jähriger Sohn Marco den tiefen Schlaf der Unschuld. Ein Auto hupt. Betrunkene grölen Kneipen-Lieder. Doch das stört sie nicht. Was Monika umtreibt, ist das Tosen und Wüten, das Beißen und das Nagen, das Zerfressen und die Angst aus ihrem Inneren, die sie nicht abstellen kann. Seit Wochen und Monaten geht das schon so. Jeder Tag ein Kampf, jede Nacht die Angst vor dem Morgen. Monika hält das nicht mehr aus. Sie steht auf, wirft einen Blick auf das liebe Gesicht ihres Marco. Wie soll das nur weitergehen? Was soll sie nur machen? In der Essnische auf dem kleinen Tisch findet sie kurz Trost an dem Bild von Gunter. Doch es nützt ja nichts, er ist fort. Obwohl alle behaupten, er sei tot, klammert sie sich an das Wort: Fort. Fort. Als käme er gleich wieder. Doch er ist schon seit einem Jahr, zwei Monaten und sieben Tagen fort. Sie muss jetzt schlafen. Tapfer unterdrückt Monika die Tränen und legt sich aufs Bett. Sie muss schlafen, sonst wird der morgige Tag im Büro noch schrecklicher. Aber sie wird sich das nicht mehr gefallen lassen! Sie unterdrückt ein Zittern. Muss immer der Morgen wiederkommen? Aber die Nacht ist ja auch schrecklich! Nichts wird sich morgen ändern.

2. Der Wecker läutet. Monika ist schon seit Stunden wach. Zumindest glaubt sie das. Sie fühlt sich völlig zerschlagen und weiß nicht, wie sie den heutigen Montag überstehen soll. Nur als sie die Brotzeit für Marco in die Brotzeitbox gepackt hat – ein Apfel, ein hart gekochtes Ei, dass er so sehr liebt, ein Butterbrot – und das Frühstück, das er eh nicht essen wird, für ihn zubereitet, vergisst sie für kurze Augenblicke ihre Sorgen und Ängste. Sie hustet und hält sich den Bauch. Sie weiß, es ist Einbildung, aber sie fühlt sich völlig krank. Der übliche Montag Morgen-Blues. Aus dem Radio erklingen die üblichen Staus und Warnungen vor Blitzern. Die Tasse mit dem Früchtetee in ihrer Hand ist heiß. Gerade hat sich Marcus auf den Weg in sein Gymnasium gemacht. Sie winkt ihm aus dem Küchenfenster zu. Marco winkt nicht zurück. Er unterhält sich mit einem Mitschüler. Aber an dem kurzen feindseligen Zucken seines Kopfes erkennt sie, dass er sie gesehen hat. Monika arbeitet halbtags als „Mädchen für alles“ in der Redaktion eines Anzeigenblattes und zur Zeit kann sie ihrem Chef nichts recht machen. Das, was sie ihm recht machen könnte, will sie nicht, und alles andere „hat sie noch nie gekonnt, kann sie nicht und wird sie nie können!

3. Überpünktlich sitzt Monika in dem kleinen Büro, dass sie sich mit zwei Kolleginnen teilt. Die Tür zum Chefbüro ist geschlossen. Monika hat geklopft, doch niemand hat „Herein“ geschrieen. Monika hat noch einmal geklopft, hat zaghaft gesagt, „Kaffee?!“, doch keine Antwort. Monika hat sich geräuspert und die Tür einen Spalt geöffnet, „Georg?“ – kein Chef. Man ist hier übrigens ganz freundschaftlich per Du, doch das hat gar nichts zu sagen. Monika weiß, wie vernichtend Dus sein können. 10 Uhr, und immer noch hat sich niemand blicken lassen, dafür das Telefon ununterbrochen geläutet. Monika hat alle Anrufe entgegen genommen, alle Anrufer vertröstet und alles gewissenhaft notiert. Die Tür geht auf, ein vernichtet aussehender Mann krächzt: „Kaffee“ und „Die Post ist ja immer noch nicht gemacht!“, wirft sich in seinen Chefsessel, öffnet eine Flasche Mineralwasser, schluckt zwei Aspirin, schreit: „Ist denn niemand da!“, flucht: „Verdammt, der Termin!“, ruft: „Monika, du musst gehen!“ Um 12 Uhr hat er einen Termin am Starnberger See, in Schloss Possenhofen, wo Kaiserin Sissi ihre Jugend verbrachte. Eilig erklärt er Monika, dass Fotos von der Scheckübergabe besonders wichtig sind, gibt ihr die Digital-Kamera und sackt dann erschöpft in seinem Sessel zusammen.

4. Sie kommt zu spät ins Schloss. Platzt einfach rein in den Kreis der erlauchten Herrschaften. Monika fühlt ein leichtes Brennen auf den Wangen – sie wird doch nicht Rot werden (was ihr ganz entzückend steht, wie sie später von einem mehr als aufmerksamen Beobachter erfährt). „Cool bleiben!“ flüstert eine innere Stimme ganz dringlich, so als wüsste sie etwas, was Monika nicht weiß. Monika stellt sich mit einer kurzen Entschuldigung vor (Verkehr – in Wirklichkeit hatte sie ein völlig desolater Chef mit seinen maulenden Wünschen solange in Beschlag genommen, bis sie ihn gefragt hatte, ob der Termin wirklich so wichtig sei – da hatte er sie gescheucht, als sei es ihre Schuld). Es geht um eine Scheckübergabe, 10.000 Euro von der Starnberger Stadtsparkasse für den Verein „Brot für unsere Kinder“, dem eine Prinzessin oder Gräfin vorstand, Georg hatte so genau nichts mehr gewusst oder artikulieren können. Das Streichquartett passte ganz gut in den fürstlichen Rahmen. Die Stühle sind zwar nicht sehr bequem, doch Monika ist froh, sich erst einmal verschnaufen und sich dann in aller Ruhe umschauen zu können. Ein Mann starrt sie ganz frech an. Sie schaut schnell weg. Vertieft sich in die Pressemitteilung. Schaut verstohlen hoch - er starrt sie immer noch an.

5. Monika ist noch ganz hin- und hergerissen von ihrem Termin in Schloss Possenhofen - nette, zivilisierte Leute und danach Georg, der rasende Chefredakteur, der schimpft, weil es so lange gedauert hat, weil die Fotos  wahrscheinlich  nichts sind und sowieso. Sohnemann Marco hat sich sofort nach dem hastig runter geschlungenen Abendessen in sein Zimmer verzogen und sich mit feindseligen Blick die Kopfhörer aufgezogen, nachdem sie ihn gebeten hat, seine Hardrock-Musik doch einen Tick leiser zu machen, nicht jeder Mensch habe so einen klassischen Geschmack. Ironie mag er gar nicht. Georg und Marco, irgend etwas haben die beiden zur Zeit gemeinsam, leider. Georg war schon immer so, seit sie ihn kennt, nur hat sie ihn anfangs nicht erkannt. Marco ist erst in letzter Zeit so und sie nimmt sich vor, ihn sich in nächster Zeit mal ganz intensiv vorzunehmen. Nicht einmal eine gute Nacht hat er ihr gewünscht. Gegen drei Uhr zuckt Monika aus einem wirren Traum hoch, ein blutroter Mond über riesigen Steinsäulen und vier Krieger, die sich bis aufs Blut bekämpfen - das muss die geräucherte Forelle sein. Jetzt ist sie munter. Sie nimmt Marco die Kopfhörer ab. Der Mann, der sie gestern auf dem Termin so angestarrt hatte, kam der nicht auch in ihrem Traum vor?

6. Marco ist beim Früstück noch abwesender als sonst. Monika nimmt sich vor, heute abend Zeit für ihn zu haben. Auch wenn er nicht will. Trotz der kurzen Nacht mit kaum Schlaf und blutrotem Mond fühlt sie sich völlig wach und energiegeladen. Jetzt muss sie erst einmal ihre Notizen über den gestrigen Termin in Schloss Possenhofen ordnen. In der Pressemitteilung hat sie einen Haufen Visitenkarten verstaut. Von und zu in Massen. Eine Karte fällt auf den Boden. “Rudolf Freiherr von Sonnenhof” liest sie und da fällt es ihr wieder ein: das war der unverschämt grinsende Kerl, der sie die ganze Zeit nicht aus den Augen gelassen hat. Eine Hand wäscht die andere, denkt sie, als sie liest, dass er Geschäftsführer der Presseagentur ist, die die Scheckübergabe organisiert hat. Dass die Presseagentur in München angesiedelt ist, ganz in ihrer Nähe, interessiert sie nicht. Als sie ihre Bilder auf dem Display der Digital-Kamera betrachtet, fällt ihr auf, dass sie den Namen der älteren Dame neben der Prinzessin mit dem Scheck nicht weiß. Und die ist wie ein Gespenst auf jedem Foto! Monika greift zum Handy und wählt die Nummer der Presseagentur ganz in ihrer Nähe. Eine verschlafene männliche Stimme meldet sich: “Rudolf Freiherr von Sonnenhof.” Monika räuspert sich. Sie hat das Gefühl, das alles schon einmal erlebt zu haben.

7. Monika schüttelt mit dem Kopf, findet ihre Stimme wieder und fragt ihn nach der Dame auf ihren Fotos. “Ehrlich gesagt, kann ich mir jetzt gar nicht vorstellen, wer das sein könnte!” sagt er. “Aber wenn sie mir ein Bild zeigen, vielleicht kann ich ihnen dann helfen.” Monika zögert nur kurz. Das Büro des Freiherrn, wie sie ihn bei sich nennt, ist gleich um die Ecke. Sie schaut auf die Uhr. Kurz nach Neun. Um 10 muss sie in der Redaktion sein. Sie ruft an - natürlich  niemand da. Sie bittet die Dame am Empfang, Georg beziehungsweise Herrn Ritter auszurichten, dass sie wegen eines wichtigen Pressetermins etwas später kommt. Dann lächelt sie über den Zufall der zwei Georgs: Georg Ritter, Chefredakteur, und Georg, Freiherr von Sonnenhof, Geschäftsführer. Sie schaut noch mal in den Spiegel. Fünf Minuten später begrüßt sie ein gut aussehender Mann ganz zuverkommend: “Schön, dass sie die Zeit gefunden haben, Frau Bäumler!” Sein Büro blitzt nur so vor Chrom und schwarzem Leder, dazwischen allerdings schwere gediegene Möbelstücke, denen man ihr Alter ansieht. Ja, der Adel und seine Familientradition und Erbstücke, denkt Monika etwas neidisch. Ihr Familie musste im 2. Weltkrieg Hals über Kopf flüchten und alles zurücklassen. Monika zeigt das Bild. Der Freiherr erblasst: “Das ist doch nicht möglich!”

8. Ein Ruck geht durch Georg Freiherr von Sonnenhof. Obwohl die Fenster in der Altbau-Wohnung geöffnet sind, hört man den Verkehrslärm von der Leopoldstraße wie durch dicke Watte. Monika fühlt ihr Herz rasend pochen, dann sagt ihre Stimme: “Wie bitte?” Der Freiherr blickt in ihre Augen aus einen höllisch tiefen Abgrund, doch seine Stimme klingt völlig normal, als er sagt: “Tut mir leid, die Dame kenne ich nicht. Habe ich noch nie gesehen. Tut mir leid, da kann ich ihnen wirklich nicht helfen!” Monika unterdrückt ein “Aber”, als der Freiherr um das Foto bittet. Vielleicht erkenne ja einer seiner Mitarbeiter ... elf Glockenschläge dröhnen von einer Kirchturmuhr und Monika erschrickt. “Ich muss jetzt gehen, man erwartet mich in der Redaktion!” Und das ganz bestimmt nicht mit Freudeshymnen. Der Freiherr nickt und sagt: “Ich darf sie doch heute abend anrufen!” Es klingt nicht wie eine Frage, doch Monika nickt nur. Sein Handy klingelt und sie kommt ihm zuvor: “Ich finde schon allein heraus!”  Sie geht zielstrebig zu einer Tür, öffnet sie und findet nicht den Ausgang, sondern sich Angesicht in Angesicht mit der Frau aus ihren Fotos.

9. Monika ist ziemlich erschrocken. Und fragt sich gleichzeitig, warum eigentlich? Das hier ist kein Herz-Schmerz-Adels-Film im Fernsehen, das ist Schwabing im 21. Jahrhundert, um ganz genau zu sein, 11.10 Uhr mitten am Tag. Und das ist kein Gespenst, sondern ... die Frau, die der Freiherr auf den Fotos nicht erkannt haben will. Und eben diese Frau legt jetzt den Zeigefinger auf die Lippen und verschwindet wie ein Gespenst hinter einem Vorhang. Dass sie dabei bedeutungsvoll und auch ängstlich geschaut hat, ist nur Einbildung. Von irgendwo her kommen Schritte, Monika zuckt unwillkürlich zusammen. Freiherr von Sonnenhof taucht hinter dem Vorhang auf und sagt freundlich: “Diese alten Häuser - einfach verwirrend, wenn man sich nicht auskennt!” Er fasst sie dezent am Ellbogen und führt Monika zur Tür. “Bis heute abend - ich rufe an!” Damit fällt die Tor hinter ihr ins Schloss - und zwar nicht knarrend und mit einem Donnerhall, sondern ganz sachte. Monika steht in der strahlenden Schwabinger Sonne und beschließt: “Heute abend kommt er mir nicht mehr aus!”

10. Bevor Monika sich den Freiherrn am Abend zur Brust nehmen konnte, musste sie selbst erst einmal durch das Tal der Tränen beziehungsweise sich Vorwürfe vom Chefredakteur anhören. Doch seltsamerweise prallten die Vorwürfe von ihr ab wie nichts und sie gestattete sich sogar ein paar schnippische Seitenhiebe, was den Herrn noch mehr in Rage brachte. Das Ende vom Lied: Drohungen, dass zig Journalisten sich alle Finger ablecken würden, nur um hier bei ihm zu arbeiten, sie solle sich vorsehen, was sie sage, sonst fände sie sich wieder eingereiht ins endlose Herr der arbeitslosen Frauen, die ihm tagtäglich die Türe einrannten. Das war zuviel. Monika brach in haltloses Kichern aus. Das war zuviel. Georg, der Herr über Leben und Tod beziehungsweise der Redaktionsleiter, setzte sie vor die Tür. Er brauche sie heute nicht mehr, sie könne heimgehen und ansonsten habe sie sich alles selber zuzuschreiben. Ein kleines bisschen mehr Entgegenkommen, nur ein Fünkchen Verständnis, das könne man doch erwarten. Monika blickte ihn kühl an und verabschiedete sich mit einem “Bis morgen!”

11. Monika nimmt sich vor, keine ungerechtfertigen Angriffe mehr zu dulden, keine Ausflüchte mehr hinzunehmen und sich nie mehr verletzen zu lassen. Weder von den zwei Georgs nach von ihrem Sohn Marco. Und auch über den Verlust Gunters muss und wird sie hinweg kommen. Sie staunt über sich selbst. Sie fühlt sich wie ein neuer Mensch. Seit diesem Traum vom blutroten Mond, der sie selbst im Traum nicht ängstigte, sondern sie mit einer ungewohnten Gelassenheit und Zuversicht erfüllte. Beschwingt eilt sie die Treppen hoch in den fünften Stock zu ihrer kleinen Mansardenwohnung. Die Tür steht einen Spalt offen. „Marco, bist du das?“ ruft sie. Eigentlich sollte er ja noch in der Schule sein. „Marco?“ Keine Antwort. Monika drückt die Tür auf und sieht sofort, dass da etwas nicht stimmt. Schranktüren und Kommoden stehen auf, Kissen sind zerwühlt, Papiere liegen auf dem Boden. Keine Zerstörung, aber völlige Unordnung. „Marco!“ schreit sie, doch tief im Inneren weiß sie, dass er es nicht war, obwohl es ihm zuzutrauen wäre. Sie ruft die Notrufnummer der Polizei. „Bei mir ist eingebrochen worden!“

12. “Nein, gestohlen wurde nichts. Wenigstens schaut es auf den ersten Blick so aus, als fehlte nichts!” Die Polizisten, ein Mann und eine Frau, sind sehr freundlich, lassen aber auch erkennen, dass sie sich keine große Hoffnung auf eine Aufklärung des Einbruchs machen. “Wenigstens fehlt ja nichts!” Mit diesem schalen Trost lassen sie Monika in ihrer verwüsteten Wohnung allein. Die Tür geht auf und sie zuckt zusammen. Marco geht geistesabwesend mit einem kurzen “Tag, Mam!” an ihr vorbei in sein Zimmer. Gleich darauf dröhnt chaotische Musik durch die Wohnung, die bestens zu ihrem Zustand passt. Gedankenlos beginnt das Ritual. Monika: “Marco, muss die Musik so laut sein?!” Natürlich. Monika: “Marco” Beim dritten Schrei knallt die Tür zu, die Musik verstummt. Marco hat seine Kopfhörer aufgesetzt  und ist für niemanden mehr zu sprechen. Sie schaut in sein Zimmer: Dort schaut es aus wie immer - Marcus inmitten totaler Unordnung auf seinem Bett. Monika entringt sich der übliche Seufzer. Was in Gottes Namen ist mit ihrem Leben und in ihrer Wohnung passiert?

13. Jetzt schaut es wieder einigermaßen aus in der Wohnung - und es fehlt tatsächlich nichts. Monika ist ratlos: Wer bricht schon in eine ziemlich bescheidene 2-Zimmer-Mansarden-Wohnung ein? Monika beschließt, den Einbruch unter lehrreiche, aber nutzlose Erfahrungen abzuhaken. Das Handy summt. Sie erschrickt. Soweit zum Abhaken. “Monika Bäumler.” - “Hier Georg.” Georg? “Wer?” - “Georg Freiherr von Sonnehof, Ihre Verabredung!” - Den hat sie völlig vergessen. Und er passt ihr auch nicht besonders ins Konzept. Nach dem Einbruch. Und weil sie unbedingt mit Marco reden muss, der sich in seinem Zimmer nur drei Meter weiter inzwischen Lichtjahre von ihr entfernt hat. “Haben wir das?” fragt sie kühl. “Können wir das nicht auf ein anderes Mal verschieben? Mir ist etwas dazwischen gekommen.” Keine Antwort. Sprachlos, denkt Monika. Der Mann hat wohl nicht mit einem Nein gerechnet. “Hallo!” Ein Rascheln ist zu hören, ein dumpfes Geräusch, ein Gurgeln, ein Keuchen, ein Trampeln - dann Stille. Keine Verbindung mehr. Monika lauscht atemlos. Was ist passiert?

14. Monika zögert keinen Augenblick. Die Polizei kann und will sie nicht rufen. Sie kennt den Mann kaum und vielleicht bildet sie sich nur etwas ein. Allerdings weiß sie mit traumwandlerischer Sicherheit, dass der Einbruch in ihrer Wohnung und das Röcheln am Telefon etwas mit einander zu tun haben. “Und die geheimnisvolle Frau auf den Fotos”, sagt ihre innere Stimme. Monika wundert gar nichts mehr. 17 Uhr, es ist schon dunkel. Sie will noch schnell Marco Bescheid geben. Als sie in das Zimmer ihres Sohnes kommt, schläft dieser mit Kopfhörer über den Ohren den Schlaf der Gerechten. Dem Geruch im Raum nach ist er aber nicht gerecht, sondern  kurz vor einer Straftat. Sie wollte ja heute ein ernstes Wort mit ihm reden. Doch sie kann nicht. Das hier ist wichtiger. Sie legt ihm einen Zettel auf den Küchentisch. Sie ruft ein Taxi, packt ihr Handy in die Handtasche und sagt zum Fahrer: “Schnell in die Leopoldstraße!” Schnell geht da natürlich gar nichts, um diese Zeit. Taxi, Schnapsidee! Sie zahlt und eilt zu Fuß weiter. Seine Wohnungstür steht offen. “Georg!” ruft sie. Keine Antwort.

15. Mit einem ganz schlechtem Gefühl betritt Monika die Wohnung. In der riesigen Diele ist kein Laut zu hören. Alles schaut aus wie bei ihrem Besuch heute vormittag. Heute vormittag? Es kommt ihr vor wie eine Ewigkeit. Heute vormittag war die Welt noch in Ordnung beziehungsweise so wie immer, denn in Ordnung war sie eigentlich nicht. Monika schüttelt den Kopf. Reiß dich zusammen, hör auf zu philosophieren, konzentriere dich auch das Wesentliche! Das Wesentliche ist, das kein Laut zu hören  und kein Mensch zu sehen ist. “Hallo!” sagt sie noch einmal, ohne Hoffnung auf Antwort. Alle Türen, die von der Diele abgehen, sind geschlossen. Sie kann sich nicht mehr erinnern, wohin die einzelnen Türen führen. Heute früh hat sie sich verirrt. Und dabei die geheimnisvolle Frau gesehen, die Georg auf ihren Fotos nicht erkennen wollte. Jetzt nennt sie ihn schon Georg! “Georg!” Ein letzter Versuch, dann wird sie eine Tür öffnen. Sie wartet nicht länger, geht auf die nächste Tür zu - und verharrt. Von der Tür geht eine Gluthitze aus. Monika fühlt  Schweiß auf ihrer Stirn und die Härchen auf ihren Armen stellen sich auf. Alles nur Einbildung ...

16. Monika streckt zögernd die Hand aus. Hinter der Tür ist es totenstill. Mit der Entschlossenheit der neuen Monika drückt sie den Griff hinunter, die Tür schwingt nach innen auf und bevor das ganze Zimmer in Flammen versinkt, sieht sie etwas Unglaubliches: Georg und die Frau von Ihren Fotos, die beide flehend die Hände nach ihr ausstrecken und dann wie in einem unirdischen Strudel sich um die eigene Achse drehen und immer kleiner in der Ferne verschwinden, mit zwei Mündern, deren unhörbare Hilfeschreie sie bis ins Mark erschüttern. Dann kracht der Kronleuchter von der Decke. Monika erwacht aus ihrer Erstarrung, die ihr wie eine Ewigkeit scheint, aber nur den Bruchteil einer Sekunde dauerte. Sie weicht zurück, schreit “Feuer”, aber erwartet keine Antwort. Sie knallt die Tür zu. Plötzlich ist alles völlig normal. Doch die Hitze durch die geschlossene Tür ist keine Einbildung. Monika wählt auf ihrem Handy die Notrufnummer. Als die Feuerwehr kommt, “gerade noch rechtzeitig”, bewegt Monika nur eins: Wo ist Georg? Feuerwehr und Polizei versichern ihr, dass kein Mensch in der Wohnung war. Kein Mensch? Und was ist mit Georg und der Frau?

17. Dieser Tag hat es wirklich in sich. Heute vormittag erst hat alles angefangen. Nein, korrigiert sich Monika. Gestern auf dem Pressetermin in Schloss Possenhofen hat es angefangen. Ganz genau mit der freundlichen alten Dame, die dort war, wo sie anscheinend nicht sein sollte. Auf ihren Fotos und in der Wohnung von Georg. Freiherr von Sonnenhof, ergänzt sie spöttisch. Das Lebe ist ein Traum, denkt sie. Oder war es zumindest bis gestern. Denn seitdem ist sie ein ganz anderer Mensch und fühlt sich unheimlich lebendig. Selbst der Einbruch in ihre Wohnung, der Streit mit ihrem Chefredakteur und dessen unverblühmte Drohungen, selbst die Feuersbrunst können sie nicht schrecken. Ein blutroter Mond drängt sich in ihre Gedanken. Statt zu verblassen wie normale Träume, kommen immer mehr Einzelheiten. Es sind nicht vier Krieger, die kämpfen, sondern fünf. Sie ist auch eine Kriegerin. Und die Steinsäulen haben riesige Ausmaße, fast so wie die Hochhäuser, die es in München nie geben soll, wenn es nach Alt-Oberbürgermeister Kronawitter geht. Monika staunt über sich selbst: Katastrophen über Katastrophen, aber sie findet noch ganz cool Zeit, über Träume nachzudenken. Das bringt sie wieder zu Georg: Wo bist du? Was hat das alles zu bedeuten?

18. Und dieser Tag beziehungsweise die Nacht sind noch lange nicht zu Ende. Als Monika von dem Feuer in der Leopoldstraße in ihre Wohnung kommt, ist es auch dort unheimlich still. Eine Vorahnung lässt sie frösteln. Dort war es heiß, hier ist es eiskalt. Sie schaut sich hektisch um. Eingebrochen wurde nicht noch einmal. Alles hat seine Ordnung, so wie sie die Wohnung verlassen hat. Sie schaut in alle Winkel: Nichts! Nichts? Wo ist Marco? Alle ihre Männer scheinen zu verschwinden: Erst Gunter, dann Georg, jetzt Marco - nur der eine Mann, den sie wirklich zum Teufel wünscht, bleibt. Wer weiß, vielleicht ..., denkt sie in einem Anflug von Galgenhumor, aber eigentlich ist heute gar nichts lustig. Wo kann Marco nur sein? Normalerweise dröhnt seine Musik durch die Wohnung und er liegt auf seinem Bett, körperlich zwar da, aber ansonsten ganz weit weg und für sie immer unerreichbarer. Komisch, warum hat sie gerade jetzt das Gefühl, dass ihr Sohn ihr ganz nah ist? Das Handy läutet. Marco, denkt sie. “Monika Bäumler”, meldet sie sich und betrachtet sich dabei im Badezimmer-Spiegel. Grüne Augen, blonde Haare - die 35 Jahre und des Tages Mühen sind nicht zu sehen. “Wir haben ihren Sohn!” Was? Wer? Wer hat ihren Sohn? “Wie bitte?”

19. “Ich sage das nur einmal! Also hören sie genau zu und befolgen sie unsere Anweisungen. Dann wird ihrem Sohn nichts passieren!” - “Wenn das ein schlechter Scherz ist ...” Stille. Aus. Monika setzt sich an den Küchentisch. Die Zeitung liegt neben einem verschrumpelten Toast. Uri Geller hat anscheinend wieder Löffel verbogen, denn neben dem Toast liegt einer. In der Zeitung steht, dass alles nur Trick ist. Dass Uri Geller keine übersinnlichen Kräfte hat. Das alles Übersinnliche Quatsch ist. Das Handy läutet wieder. “Ja?” - “Zum letzten Mal! Das ist kein Scherz. Befolgen sie unsere Anweisungen und sie bekommen ihren Sohn unversehrt zurück. Haben sie mich verstanden?” - “Ja ...” - “Hören Sie zu! Sie löschen alle Bilder, die sie in Schloss Possenhofen aufgenommen haben! Sie halten sich von Freiherr Georg von Sonnenhof und seiner Wohnung fern. Und sie lassen die Polizei aus dem Spiel. Haben sie das verstanden?” - “Lassen Sie mich mit Marco sprechen, sonst geht gar nichts!” Monika kann ihre Kaltschnäuzigkeit selbst nicht fassen. Aber sie muss rüber gekommen sein, denn eine verzagte Stimme ertönt: “Mama!” Mama! Das hat Marco schon seit Jahren nicht mehr zu ihr gesagt.

20. Monika versteht gar nichts. “Machen Sie, was ich gesagt habe, und ihrem Sohn wird nichts passieren! Und - keine Polizei!” Sich von Georg fernhalten? Einfach - er ist ja ebenfalls verschwunden. Die Fotos löschen? Wer will das kontrollieren? Natürlich darf kein Foto in der Zeitung erscheinen. Das wird Ärger mit dem cholerischen Chefredakteur geben, aber was soll`s?! Bei ihm ist sie sowieso unten durch. Hat er sie nicht vor die Tür gesetzt? Sie erinnert sich so vage, als läge das alles Jahre zurück. Dabei sind gerade erst ein paar Stunden vergangen. Monika denkt: Ein echt Scheiß-Tag! Und gleichzeitig hat sie sich noch niemals so lebendig gefühlt wie jetzt. Was sie noch mehr verwundert: Sie hat keine Angst! Nicht um Marco, nicht um Georg, nicht um sich! Die Polizei wird sie garantiert nicht rufen. Das nimmt sie selbst in die Hand. Monika schüttelt den Kopf. Sie kennt sich nicht wieder. Wo ist die Frau, die bis vor kurzem noch an jedem Tag verzweifelte, die Nächte schweißgebadet und unruhig beim Gedanken an den Morgen verbrachte? Selbst als es läutet, zuckt sie nicht zusammen. Sie öffnet die Tür. Niemand da. Auf dem Boden liegt ein großer verschnürtes Bündel. “Darauf habe ich noch gewartet!” sagt Monika erstaunt.

21. Monika schlägt die Hand vor den Mund. Was hat sie damit gemeint? Was soll überhaupt das alles heute bedeuten? Das Seltsame daran ist: Das ganze Geschehen wirft ihr Leben völlig über den Haufen, doch sie hat keine Angst - nur eine große Neugierde und die grimmige Entschlossenheit, das alles zu meistern. Das heißt: First things first! Und das ist jetzt dieses Bündel zu ihren Füßen, das ausschaut wie aus einer Mülltonne gezogen. Und auch so riecht. Heute muss sie wohl auf alles gefasst sein. Also kniet Monika nieder, nimmt das Paket mit spitzen Fingern und horcht. Kein Ticken, kein verdächtiges Geräusch. Nur Gestank. Entschlossen zieht sie an der morschen Schnur. Die reißt. Die Verpackung fällt in Fetzen wie von selber ab. Praktisch. Ein schimmerndes Kästchen, das ausschaut wie neu. Schritte in Hausflur, die Treppe hinauf. Monika rafft die Lumpen zusammen, nimmt das Kästchen, von dem ein warmes Leuchten ausgeht, zieht die Tür ganz leise und sachte hinter sich zu. Atemlos lehnt sie an der Tür und horcht. Warum? Welchem siebten Sinn hat sie nun das wieder zu verdanken? Die Schritte kommen näher, durch den Spion kann Monika gar nichts sehen, der ist beschlagen wie von eisiger Kälte.

22. Ihr Atem beschlägt. Trotzdem friert Monika nicht, den die Wärme, die von dem Kästchen in ihren Armen ausgeht, wird immer intensiver. Kälte und Hitze, alles Leben besteht aus Gegensätzen, denkt Monika verworren, während sich vor der Tür riesige Eisblöcke auftürmen, aus denen bedrohliche Tentakel Einlass in die Wohnung suchen. Monika blinzelt. Eindeutig eine Sinnestäuschung. Warum flüstert dann eine Stimme in ihrem Inneren: Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde ...? Ein unirdisches Leuchten geht von dem Kästchen aus, Lichtstrahlententakel stellen sich den Eistentakeln entgegen, Funken sprühen, krächzende Laute, die nicht aus menschlichen Kehlen stammen können, der Fernseher geht an und eine Stimme sagt: “Die Wesen, die er ersonnen hat, sind Gestalten unsagbaren Entsetzens, Wesen, die eigentlich nicht sein dürfen: Der US-amerikanische Schriftsteller H. P. Lovecraft (1890-1937) gilt als einer der herausragenden Autoren im Genre der Horror-Literatur.” Monika denkt sofort an Georg, ihren Chefredakteur. Plötzlich ist alles ganz normal, so, als wäre nichts gewesen, was es ja auch ganz bestimmt war, nur eine Überreizung der Nerven, ist ja auch kein Wunder, bei dem, was heute alles passiert ist. Marco! denkt Monika. Ein Stöhnen entringt sich ihrer Kehle. Sie sinkt auf die Couch. Verdreht die Augen. Fällt. Träumt.

23. Mo-Ra gleitet zwischen den Sternentürmen herab. Ein junger Surfer erwartet sie, fast ein Kind noch. Steht es schon so schlimm? denkt sie. Sie blickt nach oben. Die Sternentürme verlieren sich im Weltall. Der Himmel dazwischen ist schwarz vor Surfern, die auf die große Welle warten. Doch die kommt nicht. Silbern kräuselt sich der Horizont, purpurne Flammen züngeln. Dort bricht sich die große Welle immer und immer wieder. Mo-Ra weiß, dass schleunigst etwas gegen diese “Wellenbrecher” unternommen werden muss, sonst stehen die Surfer bei Alpha Centauri auf verlorenem Posten, weil keine Verstärkung mehr durchkommt. Deshalb ist sie hier. Sie hat eine Idee. Eine ziemlich verrückte. Der junge Surfer bringt sie zum Alten Rat, dessen Mitglieder sie von dieser Idee überzeugen muss. Was nicht einfach sein wird, denn sie ist eine Körper- und keine Wellen-Geborene. Außerdem spricht sie. Aber nur deshalb kann sie die Sternentürme noch jederzeit benutzen. Und nur deshalb weiß sie von der Quelle. Die gleichzeitig die Quelle des Lichts, aber auch die Quelle allen Übels ist. Das Übel, das die Surfer daran hindert, in ihr natürliches Element zu gelangen, ist allerdings nicht von dieser Welt. Das kommt von Wesen unsagbaren Entsetzens, Wesen, die eigentlich nicht sein dürfen. Mo-Ra weiß: Die Quelle ist die letzte Chance der Menschheit.

24. Heiße Gedanken stürmen auf Mo-Ra ein. Ein Drache hat sich ihr und dem unglaublich jungen Surfer zwanglos angeschlossen. Sie nickt zeremoniell und öffnet ihre Gedanken. Die Kommunikation jenseits der Sprache beginnt. Mo-Ra lässt zu, dass der Drache bis zu ihrer sechsten Ebene Einsicht erhält. Sie weiß, dass der alte Kämpfer ihr auch nicht all seine Gedanken zeigt. Er ist ein Solar-Drache in der sechsten Generation, das heißt, dass seine Vorfahren gemeinsam mit ihren Vorfahren auf der alten Heimat Erde gelebt haben. Mo-Ra ist aufgeregt. Das ist jetzt Tausende von Jahren her, doch Drachen sind ja bekanntlich sehr langlebig. Und sehr schwer ins nächste Leben zu befördern. Das mussten schon die Ritter der Erde erfahren, das wurde den wieder auferstandenen Marsianern zum Verhängnis, das kostete der amerikanischen Hegemonie im dritten Universum die Vormachtstellung über die bekannten Welten (und natürlich auch über alle unbekannten). Und das macht auch den Wesen jenseits aller menschlicher und drakonischer Vorstellung schwer zu schaffen. Aber hält sie nicht auf. Nur Mo-Ra weiß, wie man sie aufhalten kann. Wenigstens glaubt sie das. Deshalb ist sie hier. Sie muss den Alten Rat überzeugen. Der Drache, dessen Namen für sie unaussprechlich ist und in ihren Gedanken glänzt wie ein goldenes Schwert oder ein Pokal, gefüllt mit menschlicher Sehnsucht, ist der Vorsitzende des Alten Rats.

25. In seinen goldenen Augen erkennt sie die Weisheit seiner uralten Rasse. Plötzlich ist sie sich sicher, dass der Alte Rat die richtige Entscheidung treffen wird. Mo-Ra löst ihre Gedanken aus dem Geist des Drachen, all das spielt sich im Bruchteil einer Sekunde ab. Und auch das, was als nächstes passiert, geschieht so schnell, dass Mo-Ra in einem Moment zuversichtlich, im nächsten Moment völlig ohne Halt ist. Der junge Surfer verwandelt sich in Millionen Klingen und zerfetzt den alten Drachen. Er reißt ihm das Herz aus dem Leib, wird zu einem riesigem Maul und will sich das Herz in den Schlund stopfen. Ehe Mo-Ra auch nur begreift, was sie tut, schnappt sie sich das Herz und gleitet in einer Welle gedankenlosen Begreifens die Sternentürme entlang zur Quelle. Dichte Nebel wallen dort und sie fühlt sofort, dass sie nicht allein ist. Doch sie spürt keine Gedanken und keinen Körper. Das Herz in ihrer Hand pulsiert in einem goldenen Licht. So viel Kraft und Macht geht von ihm aus, das sie es bedecken muss. Sie weiß, dieses Herz darf niemals in die Hände  der Wesen fallen, die das ganze Universum als ihre Folterkammer betrachten. Mo-Ra setzt sich an den Rand der Quelle, die im eigentlichen Sinne keine Quelle ist, ein Paradox, das Fragen aufwirft, auf die es keine Antwort oder zu viele gibt. “Ist da jemand?” fragt Mo-Ra noch mit ihrer körperlichen Stimme, ehe sie einfach so einschläft.

26. Monika schreckt hoch. Wahnsinn! Ganz verwirrt blickt sie sich in ihrer kleinen Wohnung um. Nachdem sie gerade die Sternentürme entlang gesurft ist, kommt ihr ihre Bleibe noch beengter vor. Was denkst du bloß? denkt Monika. Das alles war so wirklich und will nicht verblassen. So grausam. Und doch lebendig. Monika vermeint noch das pochende Herz in ihren Händen zu fühlen. Auch ihr Herz pocht ziemlich. Das kann doch keine Einbildung sein! Sie geht zum Kühlschrank und trinkt hastig Sprudel aus der Flasche. Sie hält die kühle Flasche gegen die Stirn. Aus dem Fenster ihrer Mansarde ist der Himmel über München sternenklar. Monika schüttelt den Kopf. Als ob sie nicht genug Sorgen hätte, beschäftigt sie dieser verrückte Traum. “Das Leben ist ein Traum!” flüstert sie belesen, um dann einen kleinen spitzen Aufschrei gleich wieder zu unterdrücken. Sie ist immer noch nicht ganz da. Auf dem kleinen 50er Jahre Nierentisch, den sie auf dem Flohmarkt gekauft hat, liegt ein Wiesn-Herz. Direkt neben dem goldenen Kästchen. Monika schaudert. Reiß dich jetzt zusammen! Im Hausflur knistert es wie in ihrem Traum, als der junge Surfer, dessen Name ihr kurz in den Sinn kommt, obwohl sie ihn nie wusste, sich in das ... das Ding verwandelte. Monika mag nicht mehr daran denken. Alles Unsinn! Trotzdem sind ihr Körper und all ihre Sinne angespannt. Wer will von draußen rein?

 

 

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