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Fast ein bayerischer Nobelpreis Vergabe des Bayerischen Poetentalers 2007 im Festsaal des Alten Rathauses in München
Von Alfons Schweiggert Längst zählt die Verleihung des „Bayerischen Poetentalers“ zu den Höhepunkten im kulturellen Leben Münchens. Seit 1961 lädt die Literatenvereinigung der Turmschreiber (mehr dazu >> unten) jedes Jahr im November zum Bayerischen Laudate in den überfüllten Festsaal des Alten Rathauses. „Poetentaler“ heißt die Auszeichnung, weil sie von Schriftstellerinnen und Schriftstellern an Persönlichkeiten oder Institutionen verliehen wird, die sich um Kunst und Kultur in Bayern herausragende Verdienste erworben haben. So erhielten diese begehrte Ehrung bereits Wissenschaftler wie der Nobelpreisträger Prof. Otto Ernst Fischer, Musiker wie Wolfgang Sawallisch, Komponisten wie Carl Orff und Werner Egk, Schriftsteller wie Marieluise Fleißer, Eugen Roth oder Michael Ende, Filmregisseure wie Werner Herzog, Kabarettisten wie Dieter Hildebrandt, Jörg Hube und Frank Markus Barwasser alias „Pelzig“, Schauspieler wie Fritz Strassner und Gustl Bayrhammer, Karikaturisten wie Franziska Bilek und Ernst Maria Lang. Mehr als 180 Auszeichnungen konnten in 46 Jahren bereits vergeben werden. Dieses Jahr gesellten sich drei weitere Persönlichkeiten dem Kreis der Ausgezeichneten zu. Den Reigen eröffnete die Historikerin Dr. Martha Schad, die mit erfolgreichen Büchern wie „Bayerns Königinnen“, „Frauen gegen Hitler“ und „Stalins Tochter“ Aufsehen erregte. Über diese interessante Historikerin, die für ihre äußerst gründlichen Recherchen weite Reisen bis in die USA unternimmt, wusste Florian Besold, der Präsident der Bayerischen Einigung e. V. und Vorsitzender der Bayerischen Volksstiftung, in seiner Laudatio kompetent Interessantes zu berichten. Martha Schads letztes Buch „Gottes mächtige Dienerin. Schwester Pascalina und Papst Pius XII.“ wird, wie dies bereits mit anderen ihrer Bücher geschah, für das Fernsehen verfilmt. Der zweite Preisträger, Michael Skasa, machte sich als Theaterkritiker für DIE ZEIT und die SZ ebenso einen Namen wie durch seine Mitarbeit im Bayerischen Rundfunk. Bekannt wurde er vor allem durch die Radiosendung Sonntagsbeilage, die mittlerweile seinen Namen trägt. Typisch für ihn ist ein trockener, manchmal schwarzer, immer aber scharfsinniger Humor, mit dem er seit über 30 Jahren seine Hörer auf Bayern 2 unterhält. Nach dem Ernst Hoferichter-Preis 1988 und dem Schwabinger Kunstpreis 1994 wurde Skasa nun mit dem „Poetentaler“ ausgezeichnet, zu Recht, wie seine Laudatorin Gabriele Englet vom Bayerischen Rundfunk, einstige BBC-Mitarbeiterin, eloquent zu begründen wusste. Als dritter wurde der Abtprimas der Benediktiner, Dr. Notger Wolf, geehrt. Sein Laudator Dr. Erich Jooß, selbst bekannter Schriftsteller, Verleger und Direktor des St. Michaelbundes, stellte diesen Geistesmann nicht so sehr als den „rockenden Abt mit der E-Gitarre“ vor, als der er mit seiner Band immer wieder durch die Presse geistert, sondern als den viel beachteten Gesellschaftskritiker, der mit Büchern wie „Worauf warten? Ketzerische Gedanken zu Deutschland“ zur geistigen Wende aufruft. Das Besondere bei der Verleihung der Poetentaler sind neben den geschliffenen Reden der Laudatoren, die stets aus intimer Kenntnis und mit Sachverstand ihre Würdigung vorzubringen wissen, stets die überraschenden, vielfach humorvollen Entgegnungen der Geehrten. Wann schon spielt ein Abtprimas vor Publikum auf seiner Querflöte Jethro Tull oder Deep Purpl? Zwischen den Ehrungen servierten die Mitgliedern der brillanten Musikgruppe „Nagl“ musikalische Leckerbissen, die sogar den anwesenden „Kritikerpapst“ Joachim Kaiser zu anerkennendem Beifall motivierten. Souverän moderiert wurde der Abend von Dr. Norbert Göttler, der den Ausgezeichneten den begehrten Poetentaler und die Ehrenurkunde überreichte und ihnen gemeinsam mit seinen Kollegen vom Präsidium der Turmschreiber, Dr. Erich Jooß und Alfons Schweiggert, herzlich gratulierte. Wer sich 2007 diesen von den Turmschreibern initiierten Festabend entgehen ließ, sollte sich für 2008 frühzeitig Karten reservieren, denn auch im nächsten Jahr werden erneut verdiente Persönlichkeiten mit dem „Bayerischen Poetentaler“ ausgezeichnet, diesem „fast bayerischen Nobelpreis“, wie ihn der bekannte Journalist Karl Ude einmal anerkennend bezeichnete.
Wer sind die Turmschreiber? Die nach ihrem Gründungsort, dem Münchner Isartorturm, benannte Literatenvereinigung der Turmschreiber führte 1959 das Interesse an Literatur zusammen. Zu den Mitgliedern der ersten Stunde zählten so bekannte Autoren wie Ernst Hoferichter und Eugen Roth. Im Lauf der Jahrzehnte vergrößerte sich diese Gruppe renommierter, im süddeutschen Raum lebender Schriftstellerinnen und Schriftsteller auf heute 73 Autorinnen und Autoren. 27 Mitglieder – sie gehören mittlerweile zu den literarischen Klassikern Bayerns – sind bereits verstorben. Die Einladung zur Mitgliedschaft in diesen angesehenen Zirkel erfolgt nach Beschluss der Turmschreiber an ausgewählte Literatur schaffende Persönlichkeiten. Die Turmschreiber betätigen sich in unterschiedlichen literarischen Gattungen. So finden sich in ihren Reihen Romanautoren, Erzähler, Lyriker, Dramatiker und Satiriker, aber auch Historiker, Wissenschaftler, Volkskundler, Journalisten, Essayisten, Kinder- und Jugendbuchautoren sowie Drehbuchautoren. Namen wie Prof. Benno Hubensteiner und Herbert Rosendorfer, Asta Scheib und Tanja Kinkel weisen auf das breite literarische Spektrum hin. Nach Hanns Vogel und Kurt Wilhelm leitet die Autorengruppe seit 2000 ein Dreierpräsidium. Es sind dies die Autoren Alfons Schweiggert, Dr. Norbert Göttler und Dr. Erich Jooß. Die Mitglieder der Schriftstellervereinigung “Turmschreiber“ leisten durch viel beachtete Buchpublikationen, zahlreiche Lesungen und literarische Exkursionen einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Leben Münchens und Bayerns. In der Landeshauptstadt treten sie in verschiedenen Theatern auf, so etwa im Künstlerhaus, im Alten Rathaussaal, aber auch im Theater im Schlachthof oder in der Drehleier. Von vielen Orten Bayerns und Deutschlands werden sie gerne für literarische Veranstaltungen gebucht. Informationen dazu und Kartenwünsche sind über das Kraillinger Kulturbureau Borst erhältlich: Tel.: 089/ 857 32 73 - E-Mail: info@kulturbureau-borst.de. „Die Turmschreiber“, so das Urteil der SZ, „haben durch ihr Wirken die literarische Szene hierzulande nicht nur verändert, sondern angereichert ... Es bleibt auch ihr Verdienst, dass es noch Ende des 20. Jahrhunderts eine respektable bayerisch geprägte Literatur gibt.“ Und der Kritiker und Publizist Hannes S. Macher rühmte die Turmschreiber einmal als „den renommiertesten und publikumanziehendsten Literatenkreis nicht nur Münchens und Bayerns, sondern wahrscheinlich ganz Deutschlands.“
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