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Kinder testen ihren Stadtteil auf Barrierefreiheit Freimann auf Herz und Rampen geprüft
Siebzehn Jugendliche der Hauptschule an der Situlistraße in Freimann testeten am 7. Mai zusammen mit dem Freizeittreff Freimann ihr Stadtviertel auf Barrierefreiheit. Unterstützt von einem Team aus Menschen mit und ohne Behinderung des Projekts „Auf Herz und Rampen prüfen“ des Kreisjugendring München-Stadt. Ausgestattet mit Rollstühlen, Augenbinden, Simulationsbrillen und Blindenlangstöcken machten sie sich auf den Weg und stellten fest, dass der getestete Teil von Freimann in punkto Barrierefreiheit noch einiges aufzuholen hat. Oftmals sind die baulichen Hindernisse vermeintliche „Kleinigkeiten“, deren Fehlen jedoch für manche Menschen große Einschränkungen bedeutet. Zu solchen Hindernissen zählen zahlreiche Bordsteine, die entweder gar nicht abgesenkt sind – z.B. in der Heinrich-Geißler-Straße, oder komplett abgeflacht sind, so dass Blinde und Sehbeeinträchtigte den Unterschied von Gehweg und Straße mit dem Blindenlangstock nicht mehr ertasten können – z.B. in der Situlistraße an der Ecke Freisinger Landstraße. Ein Jugendlicher beschrieb dieses Erlebnis so: „Ich kann jetzt nicht Straße und Gehweg unterscheiden und das ist ganz schön blöd.“ Denn wäre der Jugendliche wirklich blind und ohne Begleitung unterwegs, würde er unverhofft auf der Straße stehen und die möglichen Folgen wären fatal. Auch die Ampeln machten den Jugendlichen zu schaffen, denn keine der getesteten Anlagen verfügt über ein akustisch-taktiles Signal, welches Blinden am Geräusch und an der fühlbaren Markierung an der Unterseite des gelben Kästchens den Standort und die Ampelphase verrät. Sich alleinig auf das Gehör zu verlassen, wird an Kreuzungen wie der Heidemannstraße Ecke Freisinger Landstraße schwierig, denn beide Straßen sind sehr stark befahren. So nahmen auch einige der Teilnehmenden an dieser Stelle ihre Augenbinden ab, da es ihnen zu unheimlich wurde. Doch auch viele positive Erlebnisse konnten die Jugendlichen beim Stadtteilcheck in Freimann machen. So ist aus baulicher Hinsicht der U-Bahnhof Freimann exzellent, denn bei dem Neubau wurden wurde sowohl im oberen Geschoss als auch auf dem Bahnsteig ein Leitsystem für Blinde und Sehbeeinträchtigte eingebaut. Lediglich die Aufzüge sollen im Sommer recht oft defekt sein, da sich die Glasummantelung zu stark aufheizt und die Technik lahmlegt. Untereinander waren die Jugendlichen sehr engagiert und hilfsbereit, so dass schon mal ein/e Blinde/r von einem/r Rollstuhlfahrer/in geführt wurde. Ebenso sprang eine sehr hilfsbereite Anwohnerin ein, als eine Jugendliche bei Nieselregen und schiefem, unebenem Gehsteig in der Heinrich-Geißler-Straße die Kraft verließ und schob sie ein langes Stück. Begleitet hat den ersten Stadtteilcheck in Freimann Johannes Trischler, Kinder- und Jugendbeauftragter des BA 12, der auch selbst zum Blindenlangstock griff um zu erleben, wie es ist, als Blinder in Freimann unterwegs zu sein. Um die erlebten Missstände im öffentlichen Raum zu beheben und dadurch Veränderungen anzustoßen, werden diese an den BA 12 weitergegeben. Die Liste kann in Kürze auch auf der Homepage www.herzundrampen.de eingesehen werden. Organisiert werden die Stadtteilchecks vom Projekt „Auf Herz und Rampen prüfen“ des Kreisjugendring München-Stadt, welches – finanziert durch die LH München – Stadtteile in München auf ihre Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung testet. Die „Stadtteiltester/innen“ sind dabei Kinder und Jugendliche aus Schulen und Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit, die selbst ausprobieren, wie es ist, mit einem Rollstuhl, blind oder sehbeeinträchtigt den Alltag zu meistern. Begleitet werden die Teilnehmenden dabei von einem Team aus Menschen mit und ohne Behinderungen. Bei Interesse an einem Stadtteilcheck können sich Münchner Schulen und Kinder- und Jugendeinrichtungen an Marie-Luise Hess unter der Email-Adresse herzundrampen@kjr-m.de wenden.
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