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Bundeskanzler Olaf Scholz u.a. mit Sportreferent Florian Kraus, Bürgermeisterin Verena Dietl. Foto: RBS/Robert Haas
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Bundeskanzler Olaf Scholz u.a. mit Sportreferent Florian Kraus, Bürgermeisterin Verena Dietl. Foto: RBS/Robert Haas
Bundeskanzler Olaf Scholz u.a. mit Sportreferent Florian Kraus, Bürgermeisterin Verena Dietl. Foto: RBS/Robert Haas

Bundeskanzler Olaf Scholz u.a. mit Sportreferent Florian Kraus, Bürgermeisterin Verena Dietl. Fotos: RBS/Robert Haas

Bundeskanzler Olaf Scholz besucht Fan Zone

Nächstes Wochenende wird die UEFA EURO 2024 in München angepfiffen, die Vorbereitungen für das Turnier sind in den finalen Zügen. Bundeskanzler Olaf Scholz hat sich jetzt über den aktuellen Stand informiert und die Host City München besucht: Nach seinem Besuch der Fußball Arena München ging es für den Kanzler in die Fan Zone im Olympiapark.

Zusammen mit Sportbürgermeisterin Verena Dietl, Turnierdirektor Philipp Lahm und der lokalen Host-City-Botschafterin Kathrin „Ka“ Lehmann machte sich Olaf Scholz ein Bild von der räumlichen Einbettung der Fan Zone in den Park. Anschließend kam der Kanzler mit Helfer*innen, operativen Kräften und Volunteers im Restaurant „Coubertin“ am Hans-Jochen-
Vogel-Platz ins Gespräch. Vor allem der Austausch mit den Menschen, die während der
Fußball-Europameisterschaft freiwillig ihren Beitrag zur Durchführung des Großturniers und der Fan Zone leisten, war Olaf Scholz wichtig. Allen Helfer*innen dankte der Bundeskanzler für ihren Einsatz.

Bundeskanzler Olaf Scholz sagte zu seinem Besuch in München: „Es ist für mich heute hier sehr beeindruckend zu sehen, wie viel Vorfreude und Vorarbeit geleistet ist, damit wir alle eine tolle Europameisterschaft haben. In wenigen Tagen geht es los und ich glaube, das Fieber ist schon ganz groß und alle freuen sich darauf, dass es los geht. Wir wünschen uns natürlich viel Erfolg für die deutsche Mannschaft aber auf alle Fälle wünschen wir uns, dass für ganz Europa dabei eine gute Stimmung und ein gutes Miteinander herauskommt und dass diese Spiele so friedlich und gut verlaufen, wie wir uns das miteinander wünschen.

Beeindruckend ist zu sehen, wie viele Volunteers und freiwillige Helferinnen und Helfer hier dabei sind. Ich habe mit vielen sprechen können, am Stadion und hier in der Fan Zone. Es ist großartig zu sehen, dass da nicht nur viele sich richtig vorbereitet haben, sondern dass sie sich richtig freuen auf die Zeit, die sicherlich für alle ein bisschen anstrengend wird, wenn ganz viele Besucherinnen und Besucher bei den Spielen dabei sind. Ich finde das beeindruckend.“


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Foto: BRK Pasing

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Michael Schönberger, Karl-Heinz Demenat, Jürgen Terstappen, Angelika Schorer, Michael Wielan. Foto: S. Taheri/BRK-Lgst

Münchner Rotes Kreuz bereit für die EM

Der BRK-Kreisverband München verantwortet die medizinische Versorgung und die sanitätsdienstliche Betreuung von Spielern und Besuchern der UEFA EURO 2024 in der Fußball Arena München sowie in der Fan Zone im Olympiapark. Umfangreiche Zusatzvorhaltung des Rettungsdienstes während der EM.

„Wir sind gut gewappnet, um die medizinische Versorgung von Spielern und Zuschauerinnen und Zuschauern während des Turniers sicher zu stellen“, betont Jürgen Terstappen, Leiter der Bereitschaften des BRK-Kreisverbands München, der für den Einsatz bei der UEFA EURO 2024 in München verantwortlich zeichnet. „Wir haben uns in verschiedenen Großübungen intensiv auf mögliche Notfallszenarien während der EM vorbereitet. Wichtig war dabei auch die organisationsübergreifende Zusammenarbeit mit den anderen Münchner Hilfsorganisationen, Feuerwehr und Polizei.“

Sanitätsdienstliche Versorgung im gesamten Stadion
Pro Spiel sind rund 85 ehrenamtliche Einsatzkräfte des Münchner Roten Kreuzes im Stadion im Einsatz. Sechs feste Sanitätsstationen sind auf den Zuschauer-Ebenen verteilt eingerichtet. Von dort rücken die Einsatzkräfte aus, wenn es zu Notfällen auf den Zuschauerrängen kommt. Jedes der Einsatzteams ist mit einem Notfallrucksack, Sauerstoff, Defibrillator sowie einer Trage ausgestattet. Das zentrale Behandlungszentrum befindet sich auf der Ebene des Spielfelds und bietet bis zu sieben Behandlungsplätze, davon ein Akutbehandlungsplatz.

Betreuung des Spielfelds
Für die Betreuung des Spielfeldes und der Spieler sind zwei Spielfeldteams mit insgesamt neun Einsatzkräften verantwortlich, die am Spielfeldrand postiert sind. Kommt es zu Verletzungen der Spieler während des Turniers, ist es der Mannschaftsarzt, der als Erster bei den Spielern am Feld ist. Der Schiedsrichter signalisiert den Sanitätern, dass sie den Rasen
betreten dürfen.

Zentrale Einsatzabwicklung in der Arena
Die Koordination des Einsatzes in der Fußball Arena München erfolgt in der Einsatzabwicklung. Von hier aus werden Helferteams, Notärzte und Einsatzfahrzeuge dirigiert. Der Leiter der Einsatzabwicklung und die Disponenten haben Zuschauerränge und Spielfeld im Blick. Die gute Übersicht trägt dazu bei, dass die Sanitäter meist innerhalb von zwei Minuten beim Patienten eintreffen. Als mobile Einheiten für alle anfallenden Einsätze im Außenbereich und im unmittelbaren Umfeld der Arena setzt das Münchner Rote Kreuz drei Mehrzweckfahrzeuge, ein Notarzteinsatzfahrzeug sowie zwei Motorräder ein.

Von der Kopfschmerztablette bis zur Reanimation
Das Einsatzspektrum während eines Spiels ist breit. „Die medizinischen Hilfeleistungen gehen von der Ausgabe einer Kopfschmerztablette, über die Erste Hilfe bei kleineren Verletzungen bis hin zu der Betreuung lebensbedrohlich erkrankter Patientinnen und Patienten“, erklärt Terstappen. Die Sanitäter versorgen im Stadion u. a. Patient mit Schnittverletzungen,
Stürzen, Herz-Kreislauf-Zusammenbrüchen oder Herzinfarkt. Die Sanitäter und Ärzte sind in kürzester Zeit zur Stelle, setzen die entsprechenden Maßnahmen der Notfallversorgung um und organisieren, wenn nötig, den Transport ins Krankenhaus, wo die Patienten weiterbehandelt werden.

Psychosoziale Notfallversorgung im Stadion
Bei jedem Spiel ist auch ein Awareness-Team der Psychosozialen Notfallversorgung des Münchner Roten Kreuzes anwesend, um schnell "Psychologische Erste Hilfe" für Besucher, Dienstleister und Mitarbeiter leisten zu können.

Heimspiel für das Münchner Rote Kreuz
Das Münchner Rote Kreuz kennt die Situation in der Fußball Arena sehr gut, da die Hilfsorganisation auch außerhalb der EM für den Sanitätsdienst im Stadion verantwortlich zeichnet. Eine Herausforderung der Örtlichkeit sind die steilen oberen Ränge. „Für die Rettung eines Patienten aus den oberen Rängen ist eine Trage ungeeignet, stattdessen werden spezielle Tragetücher verwendet“, erläutert Terstappen. Die Einsatzkräfte sind ehrenamtlich tätig. Vier Stunden vor Spielbeginn rücken die ersten Sanitäter an. Die letzten beenden ihren Dienst erst lange nach dem Abpfiff.

Medizinische Betreuung der Fußballanhänger in der Fan Zone
Mit täglich bis zu 18 Einsatzkräften, vom Mittag bis teilweise kurz vor Mitternacht, kümmert sich das Münchner Rote Kreuz um verletzte oder erkrankte Fußballanhänger in der Fan Zone
im Olympiapark.

Umfangreiche Zusatzvorhaltung des Rettungsdienstes
Hunderttausende Menschen mehr als sonst halten sich während der EM-Spiele in der Landeshauptstadt auf. Das wirkt sich auch auf das Einsatzaufkommen des Rettungsdienstes aus. Daher steht der der Rettungsdienst des Münchner Roten Kreuzes – wie auch der Münchner Hilfsorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund, Johanniter-Unfall-Hilfe, Malteser Hilfsdienst und den Rettungsdienstunternehmen – mit einer umfangreichen Zusatzvorhaltung bereit. Zusätzliche Kräfte sind rund um die Uhr im Dienst und besetzen zusätzliche Rettungswagen und Krankentransportfahrzeuge.

Vorhaltung Schnelleinsatzgruppen
Gemeinsam mit den anderen Münchner Hilfsorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund,
Johanniter-Unfall-Hilfe, Malteser Hilfsdienst und den Rettungsdienstunternehmen in München werden darüber hinaus mehrere ehrenamtlich besetzte Schnelleinsatzgruppen für größere Einsätze vorgehalten. Der BRK-Kreisverband München stellt hierbei vier Schnelleinsatzgruppen Transport und eine Schnelleinsatzgruppe Behandlung zur Verfügung, die bei Bedarf den Rettungsdienst unterstützen können.

Intensive Vorbereitung des Rettungsdienstes und der ehrenamtlichen Bereitschaften
Bereits Monate im Voraus hat sich das Münchner Rote Kreuz mit seinen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Einsatzkräften während mehrerer Großübungen auf mögliche Notfallszenarien während der EM vorbereitet – u. a. übergreifend mit den anderen Münchner
Hilfsorganisationen, Feuerwehr und Polizei.


Clemens Baumgärtner, Referent für Arbeit und Wirtschaft, Bürgermeisterin Verena Dietl, Sportreferent Florian Kraus. Foto: Michael Nagy/Presseamt München

Clemens Baumgärtner, Referent für Arbeit und Wirtschaft, Bürgermeisterin Verena Dietl, Sportreferent Florian Kraus. Fotos: Michael Nagy/Presseamt München

Spectacular am Marienplatz und im ganzen Stadtgebiet
#hockdiher
– Begegnungen zur EURO 2024

Rund eine Woche vor dem offiziellen Eröffnungsspiel in der Fußball Arena München wird die Aufmerksamkeit im Herzen Münchens voll auf die UEFA EURO 2024 gerichtet. Bürgermeisterin Verena Dietl, Sportreferent Florian Kraus und Clemens Baumgärtner, Referent für Arbeit und Wirtschaft, präsentierten jetzt – wie damals auch zur EURO 2020 – das „Spectacular“ am Marienplatz. Die rund drei Meter hohe Figur stellt das Münchner Kindl als Design-Objekt im Stile des Erscheinungsbilds des Münchner Stadtmarketings „einfach München“ dar, welches den EM-Pokal in der rechten und einen Fußball in der linken Hand hält.

Die offenen Arme der Figur symbolisieren die weltoffene und einladende Haltung der Host City München. Am Sockel der Figur sind die Slogans „#simplymunich“, „#hockdiher“ und „united by football“ zu finden. Die Hashtags sollen zum interaktiven Austausch miteinander animieren. Das Spectacular symbolisiert die Verbundenheit der Sportstadt München mit dem Fußballfest der EM und wird sicherlich ein attraktives Fotomotiv für alle Fußballfans sein.

#hockdiher – Einheimische und Fans sollen ins Gespräch kommen
Auf dem Marienplatz wird das Spectacular eine zentrale Rolle spielen – ein für Münchner*innen und Tourist*innen spektakulärer Foto-Hotspot, der das Münchner Kindl und die Fußball-Begeisterung zusammenbringt. Das Spectacular-Konzept wird in der Woche des Turnierstarts sogar ausgebaut: mit sechs weiteren Bänken in den Farben der EURO 2024. Von der Fan Zone im Olympiapark über die Esplanade vor der Munich Football Arena bis zum Flughafen, von der Münchner Freiheit und dem Isartor bis zum „Stadion der Träume” vor der Eventlocation Fat Cat: hier heißt die Botschaft #hockdiher. Das Ziel: die Kraft des Fußballs nutzen. Menschen aus aller Welt zusammenbringen. Werte leben lassen. Kurz: Begegnungen schaffen. Auf den Bänken sollen sich Menschen unterschiedlicher Hintergründe begegnen, die ohne den Fußball so nicht zusammenfinden würden. Höhepunkt von #hockdiher ist eine Veranstaltungsreihe an den Bänken. Hier begegnen sich spannende Gesprächspartner zu Themen, bei denen die Kraft von #unitedbyfootball deutlich wird.

Beim Auftakt „Willkommen in München” erzählen Fans aus der Kurve und den Business-Bereichen, wie der Fußball sie weltweit begeistert und bereichert. Bei „Mein Traum vom Sportprofi” berichten Nachwuchssportler, wie sie ihre Karriere angehen und welche Entbehrungen sie dafür in Kauf nehmen. Es gibt Panels zum Thema Fußball und Kultur und wie diese scheinbaren Gegensätze hier doch Verbindung schaffen. Ein weiteres zentrales Thema ist die Rolle des Frauen-Fußballs. Mit dabei sind prominente Gäste, u.a. auch die beiden Botschafter der Host City München, Kathrin Lehmann und Dr. Felix Brych. Höhepunkt ist ein Abschluss-Event in der Fan Zone mit Musik- und Kulturprogramm.

Bürgermeisterin Verena Dietl: „Mit der Enthüllung des Spectacular kurz vor Start der Fußball-Europameisterschaft wollen wir in unserer Stadt Vorfreude auf das Turnier wecken. Fußball stiftet Gemeinschaft und bringt Menschen unabhängig ihrer Herkunft zusammen. Dafür steht das Münchner Kindl mit seinen offenen, ausgebreiteten Armen.“ Sportreferent Florian Kraus: „Es ist schön zu sehen, dass neben den vielen Host City-Fahnen jetzt auch das Spectacular das Stadtgebiet schmückt. Wir freuen uns sehr, dass es nach über vier Jahren Vorbereitungszeit jetzt endlich los geht und ich bin überzeugt, dass der Fußball seinen Zauber entfaltet und wir eine stimmungsvolle Europameisterschaft in München erleben werden.“ Clemens Baumgärtner, Referent für Arbeit und Wirtschaft: „Wir sind stolz darauf, nach vier Spielen bei der EURO 2020 auch bei dieser Fußball-Europameisterschaft sechs Spiele samt Eröffnungsspiel ausrichten zu dürfen. Unser Spectacular zeigt: In München ist man einfach willkommen. München freut sich auf das Turnier und begrüßt alle Fußballfans im Herzen der Stadt. Das modern gestaltete Münchner Kindl wird sicher ein Hingucker und der besondere Hintergrund für Selfies.“

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Franz von Kobells erstes Bild der Münchner Frauenkirche. Repro: Deutsches Museum

Franz von Kobells erstes Bild der Münchner Frauenkirche. Repro: Deutsches Museum

1837: Die Erfindung der Fotografie in München

Als Geburtsjahr der Fotografie gilt das Jahr 1839, als Louis Jacques Mandé Daguerre seine Erfindung in Paris öffentlich machte. Die ältesten Aufnahmen aus Deutschland stammen von Franz von Kobell und werden in den Sammlungen des Deutschen Museums aufbewahrt. Cornelia Kemp hat die Bilder jetzt untersucht und herausgefunden, dass das älteste auf März 1837 datiert ist. Es zeigt die Frauenkirche in München. Mit ihrem neuen Buch „Licht – Bild – Experiment. Franz von Kobell, Carl August Steinheil und die Erfindung der Fotografie in München“ ergänzt die Wissenschaftlerin die Frühgeschichte dieser Bildtechnik um ein neues Kapitel.

Bisher galten die Bilder von Carl August von Steinheil und Franz von Kobell aus dem Jahr 1839 als die ersten Fotos in Deutschland. Die beiden hatten in diesem Jahr in München verschiedene Motive aufgenommen. Jetzt hat Cornelia Kemp, Wissenschaftlerin am Deutschen Museum, bei den Recherchen für ihr Buch „Licht – Bild – Experiment“ herausgefunden: Franz von Kobell hat schon zwei Jahre zuvor Salzpapier-Negative angefertigt. Auf der Rückseite des ältesten Fotos, einer Aufnahme der Münchner Frauenkirche, hat Kobell auch den Monat der Aufnahme notiert: „März 1837“ steht da in Kobells Handschrift. Die nur vier mal vier Zentimeter große Aufnahme befindet sich – zusammen mit 13 weiteren Fotografien aus dieser Zeit – in den Sammlungen des Deutschen Museums in München und lagert dort lichtgeschützt in einem
speziellen Kühl-Archiv.

Von diesen Fotos gibt es keine Positive: Das Salzpapier, auf das Kobell seine Bilder bannte, ist zu dick, um Abzüge davon herzustellen. Inzwischen kann man aber auf digitalem Wege Positive von den Bildern erzeugen, die erstaunlich detailreich sind und sogar das Zifferblatt der Uhren an den Türmen der Frauenkirche erkennen lassen. Neben den Türmen der Frauenkirche aus verschiedenen Perspektiven hat Kobell im Jahr 1837 auch noch das sogenannte Bazargebäude am Odeonsplatz (Tambosi) und die Mariahilf-Kirche abgelichtet; 1839 folgten Aufnahmen von der Glyptothek und von Schloss Nymphenburg.

Cornelia Kemp hat fast vier Jahre lang akribisch für ihr Buch recherchiert. Sie erzählt: „Kobell hat kein Wort über diese Aufnahmen verloren.“ Erst 1839, im „Geburtsjahr“ der Fotografie, haben Steinheil und Kobell in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften von ihren Versuchen berichtet. In diesem Jahr gab François Arago, der Sekretär der französischen Akademie der Wissenschaften, in Paris am 19. August die Erfindung der Daguerreotypie, der Fotografie auf Metall, bekannt. Der Engländer Henry Fox Talbot berichtete im selben Jahr von seiner Erfindung der Fotografie auf Papier, der Kalotypie.

Unbestritten ist aber, dass es Lichtbilder gibt, die schon früher entstanden sind. „Eine Aufnahme von einem Fenster in seinem Wohnsitz in Lacock Abbey hat Talbot bereits 1835 datiert und im gleichen Jahr erschien auch ein erster Pressebericht über Aufnahmen von Daguerre“, sagt Kemp. Und die älteste erhaltene Kamerafotografie von Nicéphore Niépce stammt sogar von 1826. Mit Niépce wiederum hat Daguerre zusammengearbeitet.

Aber warum gilt dann dennoch 1839 als Geburtsjahr der Fotografie? Cornelia Kemp erklärt: „Daguerre war ein sehr schlauer Geschäftsmann. Er hatte seinen Schwager Alphonse Giroux damit beauftragt, Kameras zu bauen und sorgte dafür, dass es auch eine Gebrauchsanweisung für seine Art der Fotografie gab. Ab dem Moment, in dem die Erfindung in der Akademie der Wissenschaften in Paris bekanntgegeben war, konnten die Leute daher in den Laden gehen und eine Kamera und alles übrige Equipment kaufen.“

Bei den Münchner Wissenschaftlern gibt es keinerlei vergleichbare Bestrebungen. Cornelia Kemp sagt: „Für Steinheil und Kobell war die Fotografie ein Experiment. Deshalb heißt mein Buch auch ,Licht – Bild – Experiment‘. Als sie das Prinzip verstanden hatten, haben Steinheil und Kobell sich wieder anderen Themen zugewendet.“ Und so ist Franz von Kobell heute bekannt als Vater des „Brandner Kaspars“ und nicht als Vater der deutschen Fotografie. Cornelia Kemp vermutet: „Für Franz von Kobell aus der berühmten Malerfamilie der Kobells besaß die Fotografie offensichtlich künstlerisch keine Bedeutung. Er hat genau in dem Jahr angefangen zu dichten, als er mit der Fotografie aufgehört hat.“ Zudem wurde Kobells Rolle bei der Entwicklung der deutschen Fotografie bisher völlig unterschätzt – man schrieb die Hauptrolle Steinheil zu, der sich jedoch hauptsächlich mit der Daguerreotypie beschäftigt hat. Die ersten Papieraufnahmen sind nachweislich von Kobell allein gemacht worden.

Cornelia Kemps Buch „Licht – Bild – Experiment“ erzählt die Frühgeschichte der Fotografie mit einer ungeheuren Detailtiefe, die für Fachleute eine große Bereicherung ist. Und das Buch zeigt sehr deutlich, welch große Rolle die Sammlung des Deutschen Museums und ihre Erforschung für die Technikgeschichte spielen. Wolfgang M. Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums: „Als Forschungsmuseum arbeiten wir natürlich mit unserer Sammlung – und dabei ergeben sich immer wieder spannende Erkenntnisse zu den Objekten, die neue Rückschlüsse auf die Geschichte der Technik in Deutschland zulassen. Die Geschichte dieses Bildes fasziniert ganz ungemein – die Objektforschung kann also immer wieder aufregende Neuigkeiten
ans Licht bringen.“

Cornelia Kemp: Licht – Bild – Experiment. Franz von Kobell, Carl August Steinheil und die Erfindung der Fotografie in München, Reihe: Deutsches Museum. Abhandlungen und Berichte - Neue Folge; Bd. 37, 351 S., 217 z. T. farbige Abbildungen, ISBN 978-3-8353-5557-6,
Preis: 36 Euro.

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Franz von Kobell. Foto: Deutsches Museum

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