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HOE_Pfiff mit Stefan Mühle

Ein Pfiff - präsentiert von Stefan Mühle beim Berggasthof Duftbräu mit einem Pfiff-Dunklem von Flötzinger-Bräu Rosenheim. Foto: Hötzelsperger

Ein kleines Bier in Bayern - der Pfiff

Bericht: Rudi Mörtl, Traunstein; Quellen: Weiß-Blaue Rundschau Schmeller,
Bayerisches Wörterbuch Prof. Zehetner

Der Verein Bairische Sprache und Mundarten Chiemgau-Inn e.V. Verein zur Erhaltung und Pflege der bairischen Sprache über den „Pfiff“: In bairischen Wirtshäusern werden nicht nur Massen und Halbe ausgeschenkt, vielerorts gibt es auch noch den der „Pfiff', gesprochen „Pfief", vergleichbar mit einem „kleinen Bier" anderenorts, aber beileibe nicht das gleiche.

Prof. Ludwig Zehetner aus Regensburg, schreibt dazu in seinem Wörterbuch „Bayerisches Deutsch": Pfiff, der -,ugs. [pfi:f], Pl. [pfiff]; kleines Quantum eines Getränks (1/4 I Bier oder 1/8 I Wein). Mir gibst bloß noch einen Pfiff, mehr vertrag ich nimmer. Eine ähnliche Bedeutung hat der Sprutz, gesprochen Schpruz [schpru:z], das ist ein kleiner Spritzer, Guss, kleiner Schluck im Glas. Schenk mir bloß noch einen S. ein. Der Vokal u bzw. der Umlaut ü stammt von dem Verb sprützen, älter für spritzen.

Während er im Duden nicht zu finden ist, kennen andere Wörterbücher dieses Maß fürs Bier;
z. B. das Deutsche Wörterbuch von Mackensen oder Das Österreichische Wörterbuch. Franz Ringseis schreibt in seinem Bayerischen Wörterbuch: Pfief: 1. Pfiff, 2. Kleines Bierquantum zwischen einem Quartl und 1 Halben (nur für Stammgäste).

Im Schmeller heißt es: Der Pfiff: ... die Hälfte der kleinsten unter den in Wirtshäusern gewöhnlichen Getränkemaßen, also in Bayern des Seidels oder der halben Maß, anderwärts des Schoppens ... Es liegt etwas Verächtliches in dieser Benennung, sowie in der benannten Portion, welche sich in der Regel freilich nur ein durst- oder geldarmer Trinker aufstellen läßt Der Begriff Sprutz kommt im Schmeller nicht vor. Dieses Wort hat es damals offensichtlich noch nicht gegeben, und es handelt sich um ein umgangssprachliches Wort, das erst in jüngerer Zeit entstanden ist.

Der Pfiff ist nach Schmeller ein Viertel einer Maß, der offensichtlich jüngere Sprutz ein Achtel. Nach der Vereinheitlichung der Maße in Europa am 20. Mai 1875, die letztlich durch die Französische Revolution hervorgerufen worden ist, entspricht die neue bayerische Maß einem Liter. Ursprünglich jedoch enthielt die königliche bayerische Maß nach gesetzlicher Regelung vom 7. Juli 1811 genau 1,069 Liter Bier. Schmeller hat sein Bayerisches Wörterbuch
1827-1837 zusammengestellt, bei ihm handelt es sich also noch um die „alte' Maß. Nach Meyers Konversationslexikon von 1888 kann man an alten Maßkrügen zwei Eichstriche erkennen, den oberen für die alte bayerische Maß, den unteren für die heutige Maß.

Der Pfiff ist ein Viertel einer damaligen Maß, d. h. nach heutiger internationaler Maßeinheit
0,267 Liter; der Wirt muss daher etwas mehr als ein Quartel einschenken. Der Sprutz
dagegen, der nach dem moderneren metrischen System bemessen werden muss, beträgt
0,125 Liter. Nach der negativen Bewertung des Pfiffs durch Schmeller ist aber auch völlig klar, dass der Pfiff nur ausgeschenkt werden kann, wenn der Gast vorher schon genügend Bier getrunken hat, denn wer läßt sich schon gern nachsagen, dass er ein durst- und
geldarmer Trinker sei.

Die sprachliche Herkunft erklärt sich aus dem gesprochenen Wort: kurz und knapp. „Pfiff' als Bezeichnung für eine kleine Menge Bier ist ähnlich wie „Schuss" oder „Sprutz": nur kurz eingeschenkt und spärlich, nicht reichlich. Dass „Bfief' und „Schbruuz" gesprochen wird, folgt der Neigung des Bairischen, einsilbige Wörter zu dehnen. Die scharfe, kommandomäßige, preußische Aussprache, die auch Eingang in die Standardschreibung gefunden hat, liegt dem Bayern nicht; vgl. Ross, Schuss, Stich, Strich, Schritt, Rock": bairisch heißt das „Rooß, Schuuß, Schdiech, Schdriech, Schried, Roog usw.

Ein Pfiff passt kurz vor dem Heimgehen, wenn man schon keinen Durst mehr hat, aber auch noch nicht heimgehen will, das ist also eher ein Grund, um noch ein biß' sitzen zu bleiben, also quasi ein Abschlussgetränk.


HOE_Schuhmacher (1)
HOE_Schuhmacher (3)

Eindrücke vom Werkstattbesuch bei Schuhmacher-Meister Simon Doser in Schwindkirchen – Simon Doser als Goaßlschnalzer bei der Grünen Woche in Berlin. Fotos: Hötzelsperger

Besuch beim Schuhmacher, Musikanten, Trachtler und Kulturpreisträger Simon Doser

Schwindkirchen (hö) – Er gehört zwar nicht zu den aussterbenden, aber bestimmt zu den raren Berufen in Bayern: der Schuhmacher. Einer der jungen Nachwuchs-Meister ist Simon Doser, 26 Jahre alt und aus Burghausen an der Salzach stammend. Der Schuhmacher ist aber nicht nur ein Meister seines Fachs, er ist auch Vorplattler, Volksmusikant, Goaßlschnalzer und Kulturpreisträger. Bei einem Besuch in seiner Werkstatt in Schwindkirchen gibt er uns einen Einblick in sein berufliches und trachtlerisches Wirken.

Simon Dosers Schulwerdegang begann in der Hauptschule von Burghausen, es folgte die Berufsfachschule für Musik in Altötting mit Hauptschwerpunkt Volksmusik und dann die Schuhmacher-Berufsschule in München, die er als zweitbester Schuhmachergeselle auf Bundesebene erfolgreich verließ. Die Meisterschule für Schuhmacher in Frankfurt am Main schloss er dann mit sehr gutem Erfolg im Jahr 2019 ab. Nach der Schulbank-Zeit machte Simon Doser Ausbildungserfahrungen bei der Firma Meindl in Kirchanschöring, dazu erzählt er: „Dabei interessierten mich die Alten Techniken im Schuhmacherhandwerk wie das
Zwienähen besonders“.

Diese bei der Firma Meindl gemachte Praxis war auch wertvolle Grundlage für die Übernahme des Geschäftes von Johann Sclearescu aus Neumarkt St. Veit im Jahr 2017. „Seitdem fertigen wir handgemachte Trachtenschuhe in der eigenen Werkstatt in Schwindkirchen, gemacht werden dabei unter anderem Haferlschuhe in geklebter, rahmengenähter oder zwiegenähter Variante, dabei gibt es verschiedene Varianten mit oder ohne Haken, eine individuelle Lederauswahl, Leder- oder Gummisohlen und wenn gewünscht sogar mit persönlichen
Initialen“ – so der Schuhmacher-Meister, der noch erklärt, dass die gängigen Standardgrößen von Größe 24 bis 50 gehen, dass Maß-Schuhe für Mannerleute und Frauen auf Bestellung möglich sind und dass sich Trachtenvereine gerne gemeinsam um gleiche Plattler- oder
Schließenschuhe bemühen“.

In der Werkstatt in Schwindkirchen werden Reparaturen aller Art vorgenommen, im Verkaufsraum kann man auch einen Einblick in die Schuhmacher-Werkstatt machen, dazu sagt Simon Doser: „Mir ist wichtig, dass die Kunden das alte Handwerk kennenlernen können und wissen, wo ihr Schuh herkommt. Gerne fahren wir auch auf Trachtenmärkte, um uns
persönlich, die Schuhe-Vielfalt und das Handwerk vorzustellen, aber das geht zur Zeit nicht“. Denn im heurigen Corona-Jahr sind alle Trachtenmärkte – mit spürbaren Folgen für die Aussteller – abgesagt, der direkte Kundenkontakt ist nicht möglich.

„Dazu kommt, dass derzeit keine Plattlerproben und Veranstaltungen sind, das gemeinsame Platteln, Tanzen, Schnalzen und Musizieren fehlen im Alltag“ – dies soll – so der junge Schuhmacher-Meister – hoffentlich bald wieder anders werden. Schließlich gilt es nicht nur altes Handwerk, sondern auch eine 180jährige Tradition der Schuhmacher in seiner Familie zu erhalten und weiterzuführen. Qualitativ hochwertige Schuhe, an denen der Kunde lange eine Freude hat, sorgen dafür, dem beruflichen Anspruch gerecht zu werden – auf dass den
Schuh-Erwerbern möglichst nie und nirgends der Schuh drückt.

Vielfältig bringt sich Simon Doser auch in der Brauchtumspflege ein, so ist er nicht nur Mitglied, sondern auch 1. Vorplattler beim Trachtenverein Almenrausch Lindach-Burghausen, beim Trachtenverein Salzachtaler Stamm Burghausen ist er ebenfalls Mitglied und beim Trachtenverein Wasentegernbach wirkt er als Goaßlschnalzer und Vereinsmusikant aktiv mit. In der Funktion als Vorplattler der Gebietsgruppe Inn-Salzach vom Gauverband I war er in diesem Januar kurz vor Corona-Ausbruch auf der Grünen Woche in Berlin und trat dort
in der Bayernhalle auf.

Als Musiker gestaltet und umrahmt er verschiedene Brauchtums- und Kulturveranstaltungen, als Kulturpreisträger der Stadt Burghausen und als Mitglied verschiedener Musikgruppierungen prägt er in seiner Heimatregion das kulturelle und musikalische Geschehen. Bei all den vielen Aktivitäten von Familie, Beruf, Ehrenämtern und aktiver Kultur gilt für Simon Doser das Motto: „Eins nach dem Andern, alles nach bestem Gewissen und stets dem Grundsatz treu bleibend: Schuster bleib bei Deinen Leisten“.

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